Portraits
25. Februar 2010

Im Porträt: Die Chefin von Arno Arnold

Expertin in Sachen hochwertiger
Schutzabdeckungen: Simone Weinmann-Mang.

Im Büro von Simone Weinmann-Mang soll sich jeder Gast wohl fühlen. Nur eine Glasscheibe trennt die Chefin vom Empfang des mittelständischen Werkzeugmaschinenherstellers Arno Arnold in Obertshausen bei Offenbach, die Tür steht ohnehin meist offen. Zahlreiche Fotos der Inhaberfamilie und wohnliche Möbel schaffen eine persönliche Atmosphäre. Eine Tür weiter sitzt ihr Ehemann Wolf Mang, der das operative Geschäft mit flexiblen Schutzabdeckungen leitet.

Aufstieg dank argentinischem Tango

Es ist ein weltweit aktives Familienunternehmen mit rund 80 Mitarbeitern, das die Eheleute seit 1984 führen. Damals war überraschend der Vater von Simone Weinmann-Mang erkrankt und hatte die einzige Tochter vor die Wahl gestellt, einzusteigen oder den Laden zu verkaufen. Angefangen hatte das Unternehmen 1864 im Erzgebirgsort Carlsfeld als Musikinstrumentenbauer. Vor allem die nicht mit Akkordeons zu verwechselnden Bandonions errangen im vergangenen Jahrhundert Weltrang mit dem argentinischen Tango und bildeten zugleich die Grundlage des industriellen Erfolgs bis heute.

Zum Portfolio des Familienunternehmens gehören
Abdecksysteme aller Art, darunter Übereck-Systeme und …

Die Luftbälge eigneten sich nämlich nicht nur zur Tonerzeugung, sondern auch hervorragend zur flexiblen Abdeckung von Leitungen, Arbeitsflächen oder Gelenken in Industrie und Medizintechnik. Schon 1930 hatte Arno Arnold sich die ersten Patente gesichert und baute die Firma konsequent in diese Richtung aus. 1971 verließ das letzte Bandonion das Werk in Obertshausen, wo heute neben den Faltenbälgen eine Vielzahl weiterer Abdeckungen produziert wird. Arnold liefert Maschinenbauern unter anderem Spiralen aus Stahl, Rollbänder und Teleskopabdeckungen zu.

Fließende Übergänge

Ihren eigenen Berufsalltag hat Weinmann-Mang so flexibel wie die Arnold-Abdeckungen gestaltet. Als die beiden Kinder noch klein waren, hat sie weniger gemacht, heute kümmert sich die 50-Jährige um Personal, Marketing, Vertrieb und Öffentlichkeitsarbeit. Familientermine stehen gleichberechtigt in ihrem Online-Kalender, der meist zwölf Stunden pro Tag umfasst. Zuhause hat sie sich ebenfalls ein Büro eingerichtet, zumal sie häufig abends die besten Formulierungsideen bekommt.

…Komplettabdeckungen.

Frauen in Branche dünn gesät

In der Männerbranche Maschinenbau behauptet sich Weinmann-Mang routiniert: Auf Messen sei es ihr früher häufig passiert, dass sich Kunden von der vermeintlichen Hostess nur einen Kaffee bringen lassen und ansonsten mit jemand anderem über technische Einzelheiten sprechen wollten. Weinmann-Mang hat den Affront nie schwer genommen. „Das war meist ein netter Einstieg in gute Gespräche.“ Längst werde sie als gleichberechtigte Verhandlungspartnerin wahrgenommen. Dennoch sind Frauen in der Branche weiterhin dünn gesät, sagt Weinmann-Mang. „Wir würden gerne mehr Frauen einstellen, doch sie sind schwierig zu finden.“ Die wenigen Eigengewächse im Unternehmen werden gehegt und gepflegt, doch den Mädchen fehlten häufig die positiven weiblichen Vorbilder, vermutet die Juristin, die früher auch mal Ärztin hatte werden wolle. „Für mich war das meine Mutter.“ Für sie sei sehr früh klar gewesen, dass sie Verantwortung für andere Menschen übernehmen wollte. Einfühlungsvermögen und Mut zu menschlicher Begegnung hält sie für wesentliche Elemente ihres weiblichen Führungsstils. „Die Kunst besteht im Management von Nähe und Distanz. Frauen haben da in vielen Fällen einen besseren Zugang.“

Ob Sohn Constantin (23) oder Tochter Isabelle (16) in das Familienunternehmen einsteigen, steht noch nicht fest. Die Mutter traut beiden die Unternehmensleitung zu. Kindern müsse man unabhängig vom Geschlecht möglichst viel Selbstbewusstsein mitgeben und es ihnen ermöglichen, die eigenen Stärken und Schwächen zu erkennen. (Von Christian Ebner, dpa)