Portraits
27. April 2010

Familienunternehmen seit 12 Generationen

Familienunternehmen setzt auf Nachhaltigkeit

Eine Ludwigsburger Institution:
Seybold’s Fischhalle.

Seybold’s Fischhalle ist eine Ludwigsburger Institution. Schon bevor die Familie Seybold mit ihrem Fischhandel in die Eberhardstraße 14 einzog, wurde hier Fisch verkauft – damals in der Hamburger Fischhalle. Doch nicht nur in der Barockstadt, sondern auch in Waiblingen und auf vielen Märkten der Region ist der Fischhändler präsent. In Bönnigheim bewirtschaftet die Familie seit über 40 Jahren die Freibad-Restauration. In Lauffen am Neckar eröffnete sie vor zweieinhalb Jahren im Industriegebiet ein Fischlokal, das unter der Leitung von Jürgen Seybold „läuft wie nix“, so Andreas Seybold.

Vom Neckar zur „Kleinen Auster“

Unternehmer Andreas Seybold ist in Fachverbänden,
im Kreistag und im Gemeinderat aktiv.

Der 47-jährige Andreas Seybold, seine Frau Marion und sein Bruder Jürgen sind die Köpfe hinter den verschiedenen Aktivitäten des Familienunternehmens, das bereits in 12. Generation besteht. „Angefangen haben unsere Vorfahren als Neckarfischer“, erzählt Andreas Seybold. „Mein Urgroßvater zog noch mit einem großen Kübel auf dem Rücken, wie man ihn von der Weinlese kennt, durch die Dörfer und verkaufte die Rotaugen, Karpfen, Brachsen, Hecht, Zander und Aal aus dem Neckar. Unser erstes Geschäft hatten wir in Lauffen. Hier haben wir auch Seefisch verkauft, der in Weidenkörben auf Stangeneis geliefert wurde. 25 Kilogramm Fisch passten in einen Korb. Es gab nur drei bis fünf Sorten.“

Seybold setzt auf Frische und Fisch aus nachhaltigem Fischfang.

In den Sommermonaten, in denen die Kühlung des Fischs schwierig war, hielt sich die Familie mit dem Kartoffelhandel über Wasser. Vom Fischhandel konnte man seinerzeit nur sechs bis sieben Monate im Jahr leben. „Damals gab es noch keine richtige Kühlung und schon gar keine gefrorenen Waren“, erinnert sich Seybold. „Die Regel, dass man in Monaten ohne R keinen Fisch und keine Meeresfrüchte essen soll, kommt aus dieser Zeit. Heute gilt sie nicht mehr, denn jeder kann ausreichend kühlen.“

Einkaufen und schlemmen

Seit seinem 22. Lebensjahr ist Andreas Seybold, der eigentlich Bankkaufmann werden wollte, aber irgendwie „hängenblieb“, nun dabei. Als Sohn eines Neckarfischers war ihm von Anfang an klar, dass es beim Fisch in erster Linie um Frische und Qualität geht. Andererseits „reicht es heute nicht aus, wenn man nur Fisch verkauft“, sagt der Unternehmer. Deshalb hat er die „Kleine Auster“ gegründet, einen dem Laden angeschlossenen Gourmet-Imbiss. „ Klein aber fein“, sagt Seybold mit einem Augenzwinkern und führt die Besucher sofort zur Baustelle nebenan, in der gerade alles für die Erweiterung der Kleinen Auster vorbereitet wird.

In der Kleinen Auster kann man den Fisch gleich kosten.

Ein paar Stehtische drinnen und einen draußen sowie hinter der Kirche die Außenbewirtung mit Sitzmöglichkeiten, die „Kleine Austernbank“, gibt es bisher und zur Mittagszeit kaum noch Platz, denn die Kleine Auster hat sich zum Treff für Stadtbummler, Leute aus Büros und Verwaltungen und Honoratioren der Stadt gemausert. Andreas Seybold, selbst im Kreis- und im Gemeinderat, kennt sie fast alle, hat für jeden ein freundliches Wort und fast immer Zeit für ein kleines Schwätzchen.

Die Ruhe vor dem Sturm.
Ab Mittag ist die Kleine Auster gut besucht.

Nur Gerichte mit frischem Fisch aus dem eigenen Laden und Meeresfrüchten gebe es in der Auster und man könne zuschauen, wie die Speisen zubereitet werden, sagt Seybold. „Bei uns gibt es keinen gefrorenen Fisch. Und wem das Speisenangebot nicht gefällt oder wer Lust auf etwas anderes hat, kann sich im Laden etwas aussuchen, das wir gerne für ihn zubereiten.“ Frau Marion Seybold nickt dazu und schwenkt die Pfanne mit den frischen Garnelen. Backfisch mit Kartoffelsalat und Remoulade, Garnelenpfännle, Fischsuppe, Fischfilet mit Gemüse und Reis, ein Backfischweck und Austern gibt es immer. Dazu kommen noch Tagesangebote und natürlich das, was der Gast sich aussucht. Am passenden Wein und Sekt bzw. Champagner herrscht ebenfalls kein Mangel. An einem sonnigen Frühlingstag könnte es durchaus passieren, dass der eine oder andere vergisst, dass er nur „mal kurz reinschauen“ wollte.

Fangfrischer Öko-Fisch

Das Fischmobil versorgt verschiedene Orte
in der Region mit frischem Fisch.

Seybold stellt hohe Ansprüche an den Fisch, den er verkauft und den er selbst immer noch gerne isst, denn schließlich „handeln wir schon so lange mit Fisch, dass wir eigentlich schon selbst Flossen haben müssten“, lacht er. Die Fischhalle ist denn auch Baden-Württembergs erstes und einziges Fischgeschäft, das nicht nur das Naturland-Zertifikat führen darf, sondern auch nach den strengen Regeln des Marine Stewardship Council (MSC) für nachhaltigen Fischfang zertifiziert ist. „Wir verkaufen kontrollierte Ökoware aus Aquakulturen und Nachhaltigkeit ist unser oberstes Gebot“, sagt Seybold, der übrigens auch Landesvorsitzender des Fischfachhandels für Baden-Württemberg ist. „Wenn wir unseren Kunden langfristig gesunden und frischen Fisch anbieten möchten, müssen wir dazu beitragen, die Überfischung der Meere zu verhindern und die Artenvielfalt zu sichern.“

Um die Frische seines Angebots zu gewährleisten, kauft der Ludwigsburger Fischhändler nicht beim binnenländischen Fischgroßhandel, sondern direkt vor Ort oder telefonisch bei langjährigen Lieferanten: „Wir bekommen dreimal pro Woche frischen Fisch ohne Umwege. Irischer Bio-Lachs zum Beispiel kommt direkt mit dem Flugzeug nach Frankfurt und ist eineinhalb bis zwei Tage weniger unterwegs als über den Zwischenhandel.“

Auch beim Wild, das der passionierte Jäger in seinem Laden während der Saison verkauft, setzt er auf Frische und Qualität. „Ich habe eine eigene Jagd. Also weiß ich, woher das Wild, das ich verkaufe, kommt und dass es gesund ist. Ebenso halte ich es mit dem Spargel. Ich kenne meine Lieferanten und habe ein langjähriges Vertrauensverhältnis zu ihnen. Genau so wenig wie man bei uns eine untermaßige Seezunge findet, gibt es Wild, dessen Herkunft ich nicht genau kenne.“

www.seybolds-fischhalle.de