Portraits
19. August 2010

Familienunternehmen im besten Sinne

Familienunternehmen im besten Sinne

Persönlich und professionell

Seit 30 Jahren stellen die TV-Studios Leonberg für Wirtschaft, Wissenschaft und Künstler Ton- und Videoproduktionen her. Chefin Margit Winter setzt dabei auf Teamgeist, persönliche Betreuung und Erfahrung.

In einer ruhigen Anliegerstraße im Leonberger Ortsteil Gebersheim, nicht weit vom Waldrand entfernt, hat Helga Oertle-Nägele im September 1980 das Unternehmen gegründet. Die damals 45-Jährige fing zunächst mit einem Tonstudio an. 1983 kam ein Videostudio dazu. „Sie müssen sich das Ganze relativ klein vorstellen“, erklärt Margit Winter, die die Unternehmensführung 1992 von ihrer Mutter übernommen hat. „Parallel zur Entwicklung des Unternehmens wurde immer angebaut.“ Noch heute sind die TV-Studios Teil des Wohnhauses der Familie Winter. Nicht ohne Grund. „Mir war es immer wichtig, Zeit für meine beiden Kinder zu haben“, sagt die Chefin, „deshalb mussten für mich Wohnen und Arbeiten nah beieinander sein. Vor allem, weil bei uns die Arbeit oft bis in die Abendstunden und die Wochenenden geht.“

Vor Ort.

Stetig vorwärts mit neuen Kompetenzen

Von bescheidenen Anfängen hat sich das Unternehmen zu einem europaweit tätigen Spezialisten entwickelt. Das Team um Margit Winter und ihren Mann Joachim stellt Industrie- und Messefilme her, TV-Spots, Rundfunkwerbung, produziert CD-Roms und DVDs, Musik-Videoclips und hat sich zu einem der führenden Anbieter von medizinischen Live-Übertragungen entwickelt. Darauf ist Margit Winter besonders stolz, denn „medizinische Live-Übertragungen bergen einen hohen technischen und organisatorischen Aufwand und es darf nichts schiefgehen. Wenn man auf einen internationalen medizinischen Kongress mit 3.000 Teilnehmern live aus mehreren Städten europaweit überträgt, muss das klappen. Nichts Schlimmeres als ein unscharfes Bild oder gar ein Bild- oder Tonausfall.“

Aufnahmestudio in Gebersheim.

Und dabei hat man nicht nur mit der Technik zu kämpfen, sondern mitunter auch mit der Natur, denn Gewitter oder große Hitze wie im Juli 2010 können die Übertragung beeinflussen. „Wir überlassen nichts dem Zufall und arbeiten immer mit mehrfacher Ausrüstung“, sagt Margit Winter.

„So konnten wir zum Beispiel beim Public Viewing 2006 während der WM, als das Wetter bei nahezu allen Sendern Empfangsausfälle verursachte, mit der redundanten Technik das Signal von einem englischen Sender auf die LED-Wände übertragen.“

Rundum-Service mit persönlicher Note

Viele ihrer Kunden kennt Margit Winter seit Jahren. Mittelständische Unternehmen wie Geze, Lappkabel, Trumpf, Karl Storz Medizintechnik, Olympus, Richard Wolf Endoskopie oder WMF zählen ebenso dazu wie große Konzerne wie Sony Musik, Siemens, Michelin, Daimler oder Institutionen wie die Evangelische Landeskirche und die Staatstheater Stuttgart. Selbst international bekannten Künstlern wie DJ Bobo, Jennifer Rush, Nino de Angelo, Roger Chapman oder Pur ist Gebersheim ein Begriff.

Mit dem Ü-Wagen unterwegs.

„Viele unserer Kunden, besonders die Künstler, verbringen mehrere Tage oder sogar Wochen hier, um eine Produktion aufzunehmen. Wir versuchen, ihnen ein entspanntes, persönliches Umfeld zu schaffen“, sagt Margit Winter. Dazu gehört auch, dass sich die Chefin persönlich hinter den Herd stellt und fürs Mittagessen sorgt. „Nur statt der Nussecken für Guildo Horn hätte ich vielleicht besser etwas anderes gebacken“, schmunzelt Margit Winter. „Er hatte damals so viele Nussecken bekommen, dass er sie nicht mehr sehen konnte.“

„Natürlich bekommen wir heute auch Aufträge sozusagen anonym per E-Mail“, fügt sie hinzu. „Dann erhalten wir ein Storyboard und die Vorstellungen des Kunden. Unseren Entwurf schicken wir an den Kunden, besprechen ihn per Telefon und setzen die Änderungen um, fertig. Das ist unkompliziert und praktisch. Je nach dem, worum es sich handelt, halte ich jedoch den kreativen Gedankenaustausch für unumgänglich. Gute Ideen brauchen Herz und Verstand. Solche Konzepte werden nicht am PC geboren.“

Stolz auf das Team

Das Team der TV-Studios Leonberg.

Durch die Technik könne man sich kaum noch vom Wettbewerb abheben, so die Unternehmerin, aber durch einen umfassenden Service, Zuverlässigkeit und ständige Einsatzbereitschaft. Deshalb ist Margit Winter auch so stolz auf ihr Team aus 17 festangestellten Mitarbeitern und auf ihre freien Mitarbeiter: „Viele von ihnen sind über 15 Jahre dabei. Das ist in unserer Branche recht ungewöhnlich. Durch ihre Erfahrung und Einsatzbereitschaft werden Höchstleistungen erst möglich. Sie nehmen unregelmäßige Arbeitszeiten in Kauf und häufige Änderungen von Terminen. Das hat auch Auswirkungen auf Familie und Privatleben.“ Die Unternehmerin sieht ihr Team als Garant des Erfolgs. „Sie sind draußen vor Ort. Ich bin nur der Drahtzieher im Hintergrund, aber sie wissen, dass ich mit ihnen zittere und mich mit ihnen freue.“

Auf jedem Gebiet präsent sein

„Wir spezialisieren uns nicht ausschließlich auf ein Gebiet“, sagt Margit Winter. „Wir sind in allen Bereichen, wo man Ton und Bild braucht, präsent. Schon meine Mutter hat zum Beispiel mit Künstlern gearbeitet. 62 Folgen von ‚Verstehen Sie Spaß?‘ mit Kurt Felix und Paola für das Vorabendprogramm wurden bei uns geschnitten und vertont. Die beiden Künstler waren dafür sechs Wochen in Gebersheim. Unser erster großer Unternehmenskunde war Foto-Quelle, für die wir Rundfunkspots gemacht haben.“

Auch beim Public Viewing bei der WM 2006 wurde übertragen.

Die ersten drei LPs der beliebten Gruppe Pur sind in den Gebersheimer Studios entstanden, sogar die Pressevorstellung fand in Partyzelten in Margit Winters Garten statt. „Der ganze Ort war in Aufruhr. Überall Security-Leute. Unser Garten war sozusagen umstellt“, erinnert sich die Chefin. Bei der Fußball-WM 2006 war das Unternehmen für die Übertragung beim Public Viewing in Stuttgart verantwortlich. „30 Tage lang haben wir auf die LED-Wände sowohl die Fußballspiele als auch die Veranstaltungen von der Bühne auf dem Schlossplatz übertragen“, erzählt Margit Winter. „Wir waren mit der ganzen Mannschaft und allen Ü-Wagen vor Ort. Ich hatte 30 Tage lang Angst vor Gewittern oder einem Versagen der LED-Wände, aber es ist nichts passiert.“

Während der WM 2010 in Südafrika war Joachim Winter mit einem Team sieben Wochen vor Ort. Die TV-Studios übertrugen für den SWR die Berichterstattung über die Nationalmannschaft in ZDF und ARD. Joachim Winter, der für die Technik verantwortlich zeichnet, ist „ein Perfektionist“. „Er arbeitet oft die Nacht durch, damit am nächsten Tag bei der Übertragung auch alles perfekt klappt“, erzählt Margit Winter. „Das ist natürlich auch für das Team Ansporn.“

Solange es Spaß macht…

Aufnahmen im Studio.

Fragt man die Unternehmerin nach ihren Zukunftsplänen, kommt sofort die Auskunft: „15 Jahre möchte ich das auf jeden Fall noch machen.“ Die Tochter sei noch in der Ausbildung und dann müsse sie auf jeden Fall erst einmal Erfahrungen außer Haus sammeln. Das halte sie für absolut notwendig, sagt Margit Winter. Der Sohn interessiere sich nicht für das Unternehmen, er studiert Sportwissenschaften.

Sie arbeite viel und meistens habe sie einen Zwölf-Stunden-Tag, so die Unternehmerin weiter. Aber sie finde auch Ausgleich. Wenn möglich, reite sie jeden Abend mit ihrem Pferd Alicia aus und mache morgens einen langen Spaziergang mit Hund Ricco. Abgesehen davon: „Ich freue mich jedes Mal von Neuem, wenn ich verstehe, wie der Kunde tickt und wir seine Projekte zu seiner Zufriedenheit umsetzen. Und mit dem Team, das wir hier haben, macht mir die Arbeit Spaß. Ich setze großes Vertrauen in meine Mitarbeiter und sie wissen, dass sie sich auf mich verlassen können.“

www.tvstudios.de