Portraits
18. Oktober 2010

Neu gegründetes Familienunternehmen macht in Duft

Die Gründer von myparfuem.de sind gerade einmal Mitte 20 und haben ihr Unternehmen innerhalb von nur zwei Jahren zum Erfolg geführt. Am 1. August 2008 ging die Website myparfuem.de nach neun Monaten Entwicklungsarbeit online. Auf der Website kann man sein eigenes Parfüm kreieren oder sich von den Fachleuten des Unternehmens nach individuellen Vorgaben eines schaffen lassen.

Die Zusammenführung von Internetbestellung und eigener Duftkreation ist das Alleinstellungsmerkmal des jungen Unternehmens, wie einer der drei Gründer, Matti Niebelschütz sagt: „Der Parfüm- und Kosmetikmarkt ist hart umkämpft. Mit der Individualisierung des Dufts und der einfachen Bestellung per Internet haben wir eine Lücke entdeckt.“

Parfüm via Website

Das Prinzip ist bestechend einfach: Der Kunde legt sich zunächst auf eine grundsätzliche Richtung fest wie orientalisch- oder blumig-frisch. Danach geht es an die Feinauswahl der einzelnen Duftstoffe, die zur gewählten Richtung passen. Schritt für Schritt entsteht dann ein Rezept, das via Bestellsystem dem Labor von myparfuem in Berlin-Schöneberg übermittelt wird. Dort mischen die Duftexpertinnen Nadja Zykina und Julia Pigors den Duft. Natürlich kann man auch den Flakon individuell aussuchen und sogar mit dem selbst gewählten Namen für die Duftkreation beschriften lassen. Wer sich nicht zutraut, das eigene Parfüm zu kreieren, der kann mittels eines Online-Fragebogens den beiden Expertinnen so viele Informationen über seine Wünsche und Vorlieben geben, dass sie den Duft für ihn oder sie zusammenstellen können. „Wenn trotz großer Sorgfalt einmal jemand sein Parfüm nicht zusagt, nehmen wir es zurück“, sagt Matti Niebelschütz. „Bisher ist das allerdings nur sehr selten vorgekommen.“

Von der Schulbank in die Selbstständigkeit

Bemerkenswert ist die Entstehungsgeschichte des Unternehmens, aber auch der Werdegang der Gründer, die sozusagen direkt von der Schulbank weg Unternehmer wurden. Zwei von ihnen studieren noch. Fertig mit der Ausbildung ist bisher nur Wirtschaftsingenieur Yannis Niebelschütz, mit 27 der älteste des Trios, das sich aus der Schulzeit an der Berliner „Luise-Henriette-Oberschule“ kennt. Yannis Bruder Matti und Patrick Wilhelm sind beide gerade einmal 25 Jahre alt und studieren Jura bzw. Mathematik.

Die Schule und ein engagierter Lehrer gaben den Anstoß, es doch einmal mit Unternehmertum zu versuchen. „An unserer Schule gab es ein ‚Projekt Junior’, bei dem die Teilnehmer Schülerfirmen gründeten Als ich in der 12. Klasse war, gründete ich dann zusammen mit meinem Bruder eine Mini-Firma. Wir versahen Weinflaschen mit personalisierten Etiketten. Wir tauschten uns oft mit Patrick aus, der in einer der Schülerfirmen mitgemacht hatte, und überlegten, was wir zu dritt machen könnten. Schließlich kam uns der Zufall zu Hilfe.“

Auf einer Geburtstagsparty ärgerte sich eine junge Dame sehr darüber, dass sie sich gerade ein neues Parfüm gekauft hatte und jetzt auf der Party eine Freundin traf, die genau denselben Duft trug. „Wir stellten fest, dass sie nicht die einzige war, die sich darüber ärgerte, wenn andere denselben Duft an sich hatten“, erzählt Matti Niebelschütz. „Uns war klar, dass das die Marktlücke war, nach der wir gesucht hatten, begannen zu recherchieren und erste Kontakte zu Parfümeuren zu knüpfen.

Jeden Tag mindestens eine Bestellung

Mit ein bisschen Glück, Hilfe von Freunden und Familie und finanzieller Unterstützung durch Eltern und Großeltern gelang der Start. „Am schwierigsten war es, einen Parfümeur zu finden, der sich an der langwierigen Entwicklungsarbeit eines noch nicht etablierten Unternehmens beteiligen wollte“, erinnert sich Matti Niebelschütz. „Ähnlich aufwändig war es, einen Lieferanten für die Flakons zu finden, der nicht nur palettenweise lieferte. Schließlich fanden wir aber Partner, die uns vertrauten und mit denen wir heute noch zusammen arbeiten.“

Am Abend bevor die Website freigeschaltet wurde, feierten die drei Jungunternehmer mit Freunden eine Party. „Am Anfang kam jeden Tag mindestens eine Bestellung. Doch schon nach zwei Wochen konnten wir die Bestellungen fast nicht mehr ohne Hilfe abwickeln“, sagt Matti Niebelschütz. Heute hat das Unternehmen elf Mitarbeiter und soeben eine neue Marke gelauncht. Unter choice-of-nature.de kann man 15 Kosmetikprodukte aus 100 Prozent Natur bestellen und natürlich darf auch hier der Kunde wieder „mitmischen“. Begeistert sind die Unternehmer davon, dass mittlerweile nicht nur über 40.000 Privatleute die Kreationen von myparfuem schätzen, sondern auch Modelabels, die damit ihr Angebot abrunden, Firmen die ein ausgefallenes Weihnachtsgeschenk für ihre Kunden suchen, oder auch Stars wie die Schauspielerin Nina Kristin.

Zwei Jahre Achterbahn

Die ersten zwei Jahre mit eigenem Unternehmen seien eine Art Achterbahnfahrt gewesen, sagen die Brüder Niebelschütz und Patrick Wilhelm. Matti Niebelschütz präzisiert: „Wir hatten die tollsten Erlebnisse, aber auch die größten Krisen. Wenn ein Lieferant kurz vor Weihnachten sagt, dass er nicht liefern kann, ist man zunächst einmal ratlos. Aber trotz allen Schwierigkeiten wussten wir immer, wofür wir das alles tun.“ Besonders stolz sind die drei darauf, dass sie bereits alle Finanzspritzen von Eltern und Großeltern zurückzahlen konnten.

Die Frage, ob man mit gerade mal Mitte 20 überhaupt in der Lage ist, ein Unternehmen zu führen, haben sich die drei jungen Männer nie gestellt. „Eine Unternehmensgründung kostet sehr viel Energie und man muss ständig lernbereit sein“, sagt Matti Niebelschütz. „Da ist es doch gut, wenn man jung ist. Mein Abschluss verzögert sich vielleicht ein Jahr, doch das war es wert.“ Auch die Gründung mit anderen zusammen sehen die drei positiv: „Man kann sich austauschen und erhält Feedback. Wir haben das immer als sehr anregend empfunden.“ Allerdings sei es empfehlenswert, die Verantwortungsbereiche aufzuteilen, wenn das Unternehmen wachse.

Matti Niebelschütz hat bereits damit begonnen, andere junge Leute für das Unternehmertum zu begeistern. In seiner alten Schule ist er mittlerweile einer der Juroren, die die Businesspläne für die Schülerfirmen begutachten. Außerdem erzählt er den Schülern von der eigenen Firma. „Das praktische Beispiel motiviert Jugendliche viel mehr als abstraktes Wissen“, sagt er.

www.myparfuem.de