Portraits
29. November 2010

Edelfedern aus Pforzheim

Die Edelfedern von der Waldmann KG gelten als Geheimtipp. Der Mittelständler agiert sehr erfolgreich am Markt. Trotz drastisch gestiegener Silberpreise.

„Natürlich kann man auch in Silber investieren, indem man eine Kookaburra-Münze kauft. Hochwertige Schreibgeräte aus Sterling Silber jedoch bringen einen emotionalen Mehrwert. Zumal dann, wenn viel Handarbeit in ihnen steckt“, schwärmt Stefan Schnirch.

Der persönlich haftende Gesellschafter des Schreibgeräteherstellers Waldmann KG in Birkenfeld bei Pforzheim, könnte vermutlich einen ganzen Abend lang von Füllfederhaltern, Kugelschreibern, Drehbleistiften und Roller Balls erzählen. Und es wäre so manche Anekdote darunter. Zum Beispiel die vom ehemaligen britischen Premier Tony Blair, der Wertschätzung durch Wertarbeit auszudrücken verstand und Freunden rund um die Welt Füllfederhalter der Marke Waldmann überreichte. In den Korpus dieser limitierten Edition war der Namenszug des Labour-Politikers gelasert.

Sogar bis ins Drehbuch eines viel beachteten Films schaffte es ein Schreibgerät aus dem Hause Waldmann: „In dem Hollywood-Streifen ‚Catch me if you can’ von Steven Spielberg mit den Stars Leonardo di Caprio und Tom Hanks wurde ein in den 1960er-Jahren produzierter und inzwischen wieder aufgelegter Zwei-Farben-Drehkugelschreiber platziert“, berichtet Schnirch.

Die „inneren Werte“ von Schreibgeräten

Solche Anekdoten zeugen nicht zuletzt von der Aufmerksamkeit, die den Waldmann-Schreibgeräten international zuteil wird. „Insgesamt verkaufen wir im Ausland weitaus mehr Erzeugnisse als in Deutschland“, sagt der Unternehmenschef. Sogar in Russland, China und Japan zücken Freunde edler Schreibgeräte mitunter Waldmann-Produkte, wenn sie Dokumente unterzeichnen, sehr persönliche Briefe schreiben oder sich einfach nur Notizen machen. Dennoch sollen die Produkte des Unternehmens weiterhin ein Geheimtipp für Menschen bleiben, die nicht nur den Markennamen, sondern auch die ‚inneren Werte’ eines Schreibgerätes zu schätzen wissen.

Die Werthaltigkeit der Waldmann-Erzeugnisse ergibt sich zunächst einmal ganz pragmatisch aus dem verwendeten Material. Die Gehäuse der edlen Schreibgeräte aus Pforzheim bestehen ausschließlich aus Sterling Silber 925. Einige Modelle sind ganz oder teilweise aufwändig schwarz lackiert, andere erhalten eine Goldauflage oder einen Lederüberzug. Der größte Teil der Kollektion präsentiert sich aber komplett im charakteristischen Silberlook mit guillochiertem Design und dem traditionellen Waldmann-Logo.

Etwa eine Tonne Silber verarbeitet das Unternehmen pro Jahr. Kein Wunder also, dass Stefan Schnirch und sein Team die Preisentwicklung für dieses Edelmetall stets fest im Blick haben. Trotz der hohen Volatilität, die so typisch ist für den Silberpreis, wurde dieses Edelmetall in den vergangenen Jahren immer teurer. „Im Dezember 2008 kostete ein Kilo Feinsilber noch ungefähr 255 Euro. Im März 2010 mussten schon 430 Euro gezahlt werden. Ein halbes Jahr später war der Preis bereits auf rund 570 Euro geklettert“, beschreibt Schnirch die Preissprünge des weißen Edelmetalls. Zumindest mittelfristig glaubt er an eine Fortsetzung des Aufwärtstrends. Dennoch sollen die Waldmann-Erzeugnisse bezahlbar bleiben. Die Preisspanne für einzelne Schreibgeräte beginnt bei rund 60 Euro und reicht bis etwa 500 Euro. Für limitierte Sondermodelle, die teilweise mit Diamanten veredelt sind, muss dann schon mal ein Preis im unteren vierstelligen Bereich investiert werden.

Und von einem Investment kann man im Fall von edlen Schreibgeräten durchaus sprechen, vorausgesetzt, es besteht eine gewisse Affinität zu diesem Thema. Die Sammlergemeinde ist groß und weist deutlich erkennbare Schnittstellen mit anderen Leidenschaften auf. So gönnen sich zum Beispiel viele Uhrenfreunde hin und wieder auch hochwertige Füllfederhalter, Kugelschreiber und Roller Balls. „Ein Schreibgerät aus Sterling Silber ist aber nicht nur ein Investment in dieses Edelmetall, es hat überdies einen hohen Prestigewert“.

Mundfunk ist der beste Rundfunk

Lassen sich mit Edelfedern am Ende sogar Renditen einstreichen? „Wer vor drei oder vier Jahren ein Schreibgerät aus Sterling Silber erstanden hat, darf sich aufgrund des gestiegenen Materialwerts schon heute über eine Wertsteigerung freuen“, sagt Schnirch. Für den gesamten Markt aber gelte: Vor allem ältere Schreibgeräte, die von großen Marken in streng limitierten Stückzahlen produziert worden seien, wiesen bei einer entsprechend starken Nachfrage seitens der Sammler Wertsteigerungspotenzial auf. Aber natürlich ist ein Schreibgerät keine Alternative zu den gängigen Anlagemedien. Hinzukommen muss der Besitzerstolz – und in manchen Fällen mutiert dieser sogar zu einer ausgeprägten Sammelleidenschaft.

Post von echten Sammlern und Waldmann-Fans bekommt das Unternehmen im Gewerbegebiet von Birkenfeld unweit von Pforzheim häufiger. Vor einiger Zeit etwa schickte ein Amerikaner ein Waldmann-Schreibgerät aus den 1940er-Jahren zur Reparatur ein. Er hatte das gute Stück von seinem Großvater geerbt. Ein anderer Sammler ließ ebenfalls sein Schreibgerät bei Waldmann reparieren, allerdings mit dem eindringlich vorgetragenen Wunsch, den Füllfederhalter keinesfalls zu reinigen oder aufzuarbeiten. Die Patina des Silbers sollte unbedingt erhalten bleiben.

„Um ein faires Preis-/Leistungsverhältnis garantieren zu können, verzichten wir auf teure Marketingkampagnen und setzen auf Qualität. Es gilt die Devise: Mundfunk ist der beste Rundfunk. Nicht zuletzt leisten wir uns eine eigene Entwicklungsabteilung“, sagt Stefan Schnirch.

Die Waldmann-Kollektion ist recht facettenreich, gleichwohl aber noch überschaubar. Besonders aufwändig erscheint die „Vienna“-Reihe mit von Hand graviertem Wiener Muster. Aus eleganten Klassikern besteht die „Xetra“-Serie, die allerdings nicht Bezug nimmt auf das gleichnamige elektronische Börsenhandelssystem. Vielmehr erinnern diese Schreibgeräte durch eine sich in der Mitte verjüngende Form an den Buchstaben „X“. Zu den Neuheiten 2010 zählt unter anderem die Serie „Cassini“. Diese Füllfederhalter und Kugelschreiber bestehen – natürlich – aus Sterling Silber 925, das Oberteil ist jeweils glänzend schwarz lackiert mit guillochiertem Ring-Design.

Limitierte „Leckerbissen“ zu besonderen Anlässen

Und dann wären da die außergewöhnlichen, limitierten „Leckerbissen“, von denen teilweise nur noch sehr wenige verfügbar sind. Anlässlich des 150jährigen Jubiläums des internationalen Segelwettbewerbs „Admiral’s Cup“ entwickelte und vertrieb Waldmann ab 1999 einen mit Diamanten besetzten Silber-Füllfederhalter. Zum 90jährigen Bestehen des Unternehmens kam ein ebenfalls limitierter und mit Diamanten besetzter Kolbenfüllfederhalter auf den Markt, dessen Klipp, Endstück und Schmuckring in aufwändiger Handarbeit mit leuchtend blauem Lack ausgelegt wurden.

Diese exklusiven Füllfederhalter hätten wohl auch Tony Blair gefallen. Zum Verschenken geeignet – allerdings nur an sehr gute Freunde. Doch davon, so ist allenthalben zu hören, gibt es in der Politik nicht allzu viele.

Michael Brückner

www.waldmannpen.com