Portraits
28. Dezember 2010

Hightech-Spritzguss in Vollendung

Das Familienunternehmen Andreas Rupp GmbH in Eppingen-Rohrbach hat sich von einem Handwerksbetrieb zu einem Hightech-Unternehmen für Spritzguss gemausert.

Ein Gespür für Innovationen begleitet die Firma Rupp seit den Anfängen.

1963 gründete der Mechanikermeister August Rupp in Rohrbach eine eigene Werkstatt. Ermöglicht wurde das durch die Arbeit mit seinem Schwager Leo Dürr, einem Elektriker aus Großrinderfeld bei Tauberbischofsheim. Der benötigte in seinem Geschäft Nagelschellen. Deshalb hatte er eine Spritzerei angefangen, für die er ein Werkzeug brauchte. Er erkannte schnell, dass August Rupp dafür die entsprechende Qualifikation besaß. Der erste Auftrag des jungen Unternehmens war ein Werkzeug zur Fertigung von Blitzleuchten für Fotokameras. In der Werkstatt mitten im Ort gab es eine Bohrmaschine, eine Drehbank, eine Säge und verschiedene Feilen.

Vorausschauende Investitionen

Ausbilder Patrick Tzschach (li.) setzt auf Eigenständigkeit.

1964 kaufte August Rupp seine erste Spritzgussmaschine, um die Werkzeuge zu testen, die er baute. Er stellte sie in einen alten Stall, denn das aufstrebende Unternehmen kämpfte zunehmend mit Platzproblemen. Daran konnten auch eine zweckentfremdete Garage und ein Anbau nicht viel ändern. Bald kamen zum Formenbau Aufträge für Spritzgussteile hinzu, zum Beispiel Griffe für Leitern und Winkel für Rollläden. Erste Mitarbeiter wurden für den Spritzguss eingestellt.

Das Geschäft für „Rupp Plastik“ brummte. 1965 wurden Schutzkappen für Lackspraydosen hergestellt. Das halbe Dorf war in Heimarbeit damit beschäftigt, in die Schutzkappen Schmirgelpapier, Spachtelkitt, Pinsel und Spachtel einzulegen. Man zog in die „Alte Zigarrenfabrik“ um. Sechs Spritzgussmaschinen stand im Untergeschoss, der Werkzeugbau war im Obergeschoss untergebracht. Schließlich entschloss sich der Firmengründer zu einem Schritt von weitreichender Bedeutung. Im neuen Industriegebiet „Im Wiesental“ wurde ein eigenes Firmengebäude gebaut, das damals und heute die Möglichkeit für Erweiterungen bot. Ein vorausschauender Schritt, wie sich bald zeigte, denn nur fünf Jahre nach der Einweihung folgte 1975 der erste Anbau, 1980 der zweite.

Motor für Neugründungen

Das Unternehmen bietet einen Rundumservice von der Entwicklung bis zur Logistik.

Zug um Zug investierte August Rupp in neue Spritzgussmaschinen. „Hatte man anfangs noch mit der neuen Technik zu kämpfen und folgte oft der Devise ‚Learning by Doing’, wurden die Fertigung und die Prozesse zunehmend professioneller. Die Mitarbeiterzahl stieg ebenso wie Erfahrung und Qualifikation. Das Unternehmen entwickelte sich stetig von einem Handwerksbetrieb zu einem modernen Industrieunternehmen.

Einige der Mitarbeiter der ersten Jahre gründeten ihre eigenen Unternehmen und trugen dadurch wesentlich zum Entstehen der „Kunststoffregion Heilbronn“ bei. Jedes neue Unternehmen entwickelte seine eigene Spezialität. Untereinander blieb man sich verbunden und arbeitet auch heute noch zusammen. „Mein Vater stand Ausgründungen immer positiv und unterstützend gegenüber“, sagt Andreas Rupp.

Professionalisierung mit Leidenschaft

Mit dem eigenen Formenbau punkten.

Im März 1985 trat Sohn Andreas nach dem Studium der Produktionstechnik in das väterliche Unternehmen ein. Der Junior fackelte nicht lange. „Ich hatte meine Diplomarbeit über die Einführung eines PCs in einem Kleinbetrieb geschrieben und genau das machte ich jetzt.“ Das war die Geburtsstunde der EDV-gesteuerten Organisation in der Firma – eine Neuerung, die noch heute einer der Wettbewerbsvorteile des Unternehmens ist. „Das Unternehmen war damals stark handwerklich geprägt“, sagt der heutige Unternehmenschef. „Alles funktionierte auf Zuruf. Eine Prozesssteuerung oder Produktionsplanung oder eine moderne Betriebsdatenerfassung gab es im Grunde genommen nicht. Mit der EDV konnte ich das ändern und eine moderne Infrastruktur schaffen, eine Voraussetzung, um anspruchsvolle Kunden zu gewinnen.“ Der professionelle Ausbau der EDV verschafft dem Unternehmen bis heute auch einen Vorsprung bei der Zertifizierung.

Eine vernetzte EDV unterstützt ein hohes Qualitätsniveau.

Seit 1992 arbeitet Rupp mit einem Businessplan-System. Als der Junior 1994 das Unternehmen übernahm, wurde eine Führungsebene eingezogen. Weitere Schwerpunkte waren und sind nach wie vor die Zertifizierung, Qualitätssicherung und das zielgerichtete Prinzip der ständigen kleinen Verbesserungen. „Der Wechsel in der Unternehmensführung war sicherlich ein Lernprozess für uns alle“, sagt Andreas Rupp. „Ich bin stolz darauf, dass wir alle dran geblieben sind. Die Einbeziehung und Motivation der Mitarbeiter ist ganz entscheidend für unseren Erfolg. Wir machen nicht nur Spritzguss, sondern bieten darüber hinaus auch Planung, Entwicklung, Werkzeugbau, die Montage von Baugruppen und die Logistik für unsere Kunden an. Wir sind ein Dienstleister, der die Aufgaben seiner Kunden löst, die uns in allen Belangen vertrauen können. Das soll auch unser Slogan ‚Spritzguss-Technik mit Herz und Know-how‘ zum Ausdruck bringen.“

Partner für die Automobilindustrie

Seit 2004 ist der Betrieb nach ISO/TS 16949 zertifiziert, dem internationalen Qualitätsstandard der Automobilindustrie. Damit zählt das Unternehmen zu den Klassenbesten seiner Branche, was sich in einem steigenden Auftragsvolumen aus der Automobilindustrie niederschlägt. Dazu trägt auch bei, dass der Wekzeugbau im Haus ist.

Investitionen in moderne Maschinen zahlen sich aus.

Neben konventionellen Spritzgussmaschinen verfügt das Unternehmen über zwei 2K-Maschinen für die Herstellung von Mehrkomponenten-Teilen. Ganz in der Tradition des Firmengründers setzt auch der Sohn auf Zukunftsinvestitionen und hat nur wenige Monate nach der Krise in eine neue, vollelektrische 2K-Maschine investiert, die nicht nur Energie spart, sondern auch ein noch präziseres Arbeiten ermöglicht und wesentlich umweltfreundlicher ist als die hydraulischen Maschinen.

Die Basis für das hohe Qualitätsniveau bildet das weit entwickelte EDV-System, mit dem jeder Prozess und jedes Teil vom Design bis hin zur Fertigung und Verpackung lückenlos verfolgt und sein Werdegang dokumentiert wird. Eine Vielzahl strenger Kontrollen und eingehender Prüfungen prägen den Fertigungsprozess. Dieselben strengen Maßstäbe gelten für die Weiterverarbeitung der fertigen Teile und den Versand. „Qualität ein Teil des Betriebs, für den jeder einzelne Mitarbeiter verantwortlich ist“, sagt der Firmenchef. „Die Qualitätssicherung hat die Zielsetzung, dass kein Kunde auch nur ein Schlecht-Teil erhalten darf.“

www.rupp-spritzguss.de