Portraits
8. Juni 2011

Familienunternehmen Benseler wird 50

Das Markgröninger Unternehmen entwickelte sich von einem kleinen metallverarbeitenden Betrieb zu einem wichtigen Automobilzulieferer und einer Firmengruppe mit einem Jahresumsatz von fast 100 Millionen Euro. An der Spitze steht seit 2009 eine Frau.

1961 gründete Manfred Benseler in Markgröningen in der Nähe von Stuttgart einen metallverarbeitenden Betrieb. Schon nach kurzer Zeit bot er Beschichtung als nachgelagerten Prozess an und spezialisierte sich immer stärker auf anspruchsvolle Oberflächenbehandlungen. Bereits 1970 nahm er eine Pulverbeschichtungsanlage in Betrieb. 1978 war das Unternehmen das erste in Deutschland, das eine Anlage für Dacromet-Beschichtung einrichtete. Nur ein Jahr später begann man in Markgröningen mit dem thermischen Entgraten (TEM).

Kontrolliertes Risiko

Eines der Entgratzentren am Standort Frankenberg/Sachsen.

Als 1983 Manfred Werner als weiterer geschäftsführender Gesellschafter in das Unternehmen eintrat, machte er sich das strategische Wachstum des Unternehmens zur Aufgabe. „Bei Benseler wurde damals vieles aus dem Bauch heraus entschieden ohne eine Gesamtstrategie“, erinnert sich der ehemalige Geschäftsführer. „Doch wenn ein Unternehmen wachsen soll, ist es notwendig, über den Tellerrand hinauszuschauen.“ Konsequent baute Werner das Unternehmen in den nächsten Jahren zu einer Firmengruppe mit acht Standorten in ganz Deutschland aus. Dabei kamen ihm seine Erfahrungen in leitenden Positionen in großen Unternehmen wie Bosch zugute.

Natürlich lief nicht alles immer rund und das Unternehmen musste Rückschläge verkraften wie einen Großbrand in Markgröningen 1989 und das Jahrhundert-Hochwasser in Frankenberg 2002. Fragt man Manfred Werner, was ihn antrieb, sagt er: „Als Kriegskind aus ärmlichen Verhältnissen kommend, ging es für mich stets darum zu überleben. Dafür muss man nach vorne schauen. Ich bin nie unnötige Risiken eingegangen, aber hin und wieder treten unvorhergesehene Ereignisse ein, mit denen man fertig werden muss. Am wichtigsten ist es, bei allen Entscheidungen die Risiken im Verhältnis zu den Potenzialen abzuwägen.“

Know-how und Qualität

Mitarbeiter am Standort Kornwestheim beim Bearbeiten
von beschichteten Magnesium-Druckguss-Teilen.

Neben der Entwicklung des Unternehmens verlor man die Weiterentwicklung des Know-how nicht aus den Augen. Neue Verfahren wurden geprüft und aufgenommen, die Qualität und die Prozesse verbessert. Labore und Prüfzentren wurden an allen Standorten eingerichtet, um eine gleichbleibend hohe Qualität der Produktion zu gewährleisten. Schwerpunkt sind Korrosionsuntersuchungen, Untersuchungen der optischen und Funktionseigenschaften sowie Schichtdickenmessungen. Die angewandten Prüfmethoden, Verfahren und Technologien werden ständig weiterentwickelt. Der Austausch mit wissenschaftlichen Instituten und Universitäten sowie in Kompetenz-Netzwerken spielt dabei eine große Rolle. Benseler erfüllt die hohen Qualitätsanforderungen der Automobilindustrie und anderer Branchen. Das belegen Zertifizierungen und erfolgreiche Audits, unter anderem nach ISO/TS 16949. Das Unternehmen ist auch nach der Umweltmanagementnorm DIN EN ISO 14001 zertifiziert und trägt am Standort Kornwestheim die „ECOfit“-Auszeichnung.

Neben der Schärfung der Kernkompetenz als Dienstleister gehört für Geschäftsführerin Birgit Werner-Walz die Entwicklung zum Systempartner zu den wichtigsten Aufgaben: „Benseler verfügt über keine eigenen Produkte. Unsere Kernkompetenz ist die produktionsnahe Dienstleistung mit hohem Investitionsanteil. Wir bearbeiten und veredeln Teile, die uns die Kunden zur Verfügung stellen. Da sind wir kompetent, schnell und flexibel, vor allem in der Großserie. Doch wir wollen aus den Dingen, die wir können, neuen Nutzen ziehen und unseren Kunden dadurch einen Mehrwert bieten. Dabei denken wir unter anderem an die Übernahme vor- und nachgelagerter Prozesse.“ Erste Schritte sind bereits gelungen. Die Heckklappe der E-Klasse von Daimler wird nicht nur lackiert, sondern Benseler integriert in seine Leistung je nach Bedarf auch technisch anspruchsvolle Montagearbeiten.

Nachfolge und Wandel

Birgit Werner-Walz führt das Unternehmen seit Anfang 2009.

Nachdem der Firmengründer Manfred Benseler 1988 aus dem Unternehmen ausgeschieden war, führte Manfred Werner das Unternehmen alleine. Bereits Mitte der 90er-Jahre begann er, sich um die Nachfolge zu kümmern. „Damals war ich gesundheitlich angeschlagen und meine Tochter war noch nicht mit der Ausbildung fertig. Also habe ich einen Geschäftsführer gesucht“, erzählt er. „Der eine, der zu uns passte, ging wieder. Mit den nächsten Kandidaten hatten wir großes Pech.“ Letztlich musste Manfred Werner das Unternehmen bis 2003, als seine Tochter Birgit als geschäftsführende Gesellschafterin eintrat, alleine weiterführen. 2008 zog er sich aus der Geschäftsführung in den Beirat zurück. Birgit Werner-Walz bildete mit den Geschäftsführern der Einzelgesellschaften ein Managementteam, das sich mit strategischen Fragen, Zukunftsthemen und der Stärkung der Innovationskraft befasst. Dazu zählt unter anderem, Prozesse und zentrale Aufgaben wie Weiterbildung, Gesundheitsmanagement und Personalentwicklung dem mittlerweile auf 850 Mitarbeiter angewachsenen Unternehmen anzupassen.

Auf Birgit Werner-Walz und ihre Mitarbeiter warten zahlreiche Herausforderungen. Jedes Unternehmen sieht sich heute einem beständigen Wandel in Gesellschaft, Wirtschaft und Technik gegenüber. „Es reicht nicht aus, auf die bisherigen Erfolgsrezepte zu setzen“, so die Geschäftsführerin. „Was heute gut und gefragt ist, kann morgen schon überholt und ein Ladenhüter sein. Der ständige Wandel stellt uns die Aufgabe, jeden Tag über unser bisheriges Konzept hinaus zu denken.“ Für Benseler als Dienstleister der Automobilindustrie werde künftig der Trend zur Elektromobilität eine große Rolle spielen. Teile aus Verbrennungsmotoren, die man bisher bearbeitet habe, würden eventuell wegfallen, andere hinzukommen. Die Tendenz zum Leichtbau mit der Nutzung von neuen Werkstoffen werde auch ganz neue Chancen eröffnen. „Dank der Breite der Verfahren, die wir im Portfolio haben, ist mir nicht allzu bange, aber wir werden die Entwicklungen im Automobilbereich sehr genau beobachten“, sagt Birgit Werner-Walz. „Zusätzlich schauen wir uns in anderen Branchen um, in denen wir unsere Dienstleistung und unser Fachwissen anbieten können. Außerdem wollen wir den Schritt nach Asien wagen, um auch dort für unsere Kunden vor Ort zu sein.“

Vorteil Familienunternehmen

Künftige Entwicklungen werden auch an den Mitarbeitern von Benseler nicht vorübergehen. „Die allgemeine Situation verlangt von Unternehmen und ihren Mitarbeitern zunehmende Flexibilität und Anpassungsfähigkeit. Das gilt für Arbeitszeiten und Aufgaben, für Kompetenzen und Fachwissen“, sagt Birgit Werner-Walz. „Unsere Kunden fordern immer mehr Professionalität, technischen Verstand und Problemlösungskompetenz ein. Die Reaktionszeiten werden immer kürzer.“ Das habe Auswirkungen auf alle. Hier sei es ein Vorteil, ein Familienunternehmen zu sein, denn man habe kurze Entscheidungswege und sei nah an den Mitarbeitern. Das wirke sich besonders in schwierigen Zeiten positiv aus. „Unsere Mitarbeiter haben in der vergangenen Krise bewiesen, dass sie zum Unternehmen stehen. Umgekehrt ist es für mich und die ganze Inhaberfamilie selbstverständlich, zu unseren Mitarbeitern zu stehen“, sagt die Benseler-Geschäftsführerin. „Die Infrastruktur eines Großunternehmens können wir nicht bieten. Dafür gibt es bei uns sehr breite Entwicklungschancen, Raum für Eigeninitiative und Diskussionsbereitschaft.“

Auch in Zukunft soll Benseler ein Familienunternehmen bleiben. Die Weichen dafür sind gestellt. „Die Kontinuität und Berechenbarkeit des Unternehmens und seiner Führung sind nicht nur für unsere Mitarbeiter wichtig, sondern auch für Kunden und Lieferanten“, ist Birgit Werner-Walz überzeugt. „Familien richten ihre Unternehmen auf die Zukunft aus.“

www.benseler.de