Portraits
3. August 2011

Die Herren der Partyfässer

Serie: Unbekannte Weltmarkführer

Das Ploppen des Bügelverschlusses oder das Zischen beim Aushebeln des Kronkorkens gehört für viele zum Grillfest oder zum Fußballabend. Eine Alternative ist das 5-Liter-Partyfass mit ausklappbarem Zapfhahn, hergestellt zumeist von einem Mittelständler aus Baden-Württemberg. Rund 400 kleine und große Brauereien beliefert Huber Packaging aus Öhringen im Hohenlohekreis und bezeichnet sich damit selber als Partyfass-Weltmarktführer. Mehr als 1000 verschiedene Biersorten fließen in das runde Blechfass.

Anfang der 70er-Jahre stellte das Familienunternehmen schon Bierfässer her. Doch erst, als Ende der 90er-Jahre der Zapfhahn in das Fass integriert wurde, stiegen die Verkaufszahlen. „Vorher war die Handhabung kompliziert. Nach dem integrierten Zapfhahn gab es zweistellige Zuwachsraten, und wir haben 1999 ein neues Werk gebaut“, erklärt Rainer Opferkuch, Vorsitzender der Geschäftsführung. 15 Millionen Fässer verkauft Huber Packaging im Jahr, die meisten davon innerhalb Europas, etwa drei Millionen werden weltweit verschickt. Man sei gerade in Brasilien eingestiegen, erklärt Markus Britsch, Leiter des Bereichs Beverage (Getränke), bei dem das Partyfass angesiedelt ist. Das 140 Jahre alte Familienunternehmen steht auf zwei Füßen: Neben Beverage gibt es die Hauptsparte Industrial, wo Metallverpackungen für die Industrie hergestellt werden. 2010 stieg der Gesamtumsatz nach einem Einbruch im Jahr zuvor um etwa neun Prozent auf 160 Millionen Euro.

Weltweit steigender Bierverbrauch

Zu den neuesten Weiterentwicklungen des Partyfasses gehört eine eingebaute CO2-Patrone, die den Hohlraum im Fass mit dem Gas auffüllt und so das Getränk länger frisch hält. Hinzu kommt ein Zapfhahn, der auf dem Deckel des Fasses angebracht ist. „Sie können zapfen wie an der Theke“, erklären die Macher stolz. Doch das ist nicht ganz ohne Tücken. „Man muss das Bier gleichmäßig strömen lassen, sonst gibt es zu viel Schaum“, sagt Rainer Opferkuch.

Die Geschäftsführung (v.l.) mit Frank Schulten, Dr.-Ing. Rainer Opferkuch
(Vorsitzender), Andreas Meister (aus der Inhaberfamilie, 5. Generation)

Auf 65 bis 70 Prozent schätzt Huber Packaging seinen Marktanteil bei Partyfässern. Auf 20 bis 25 Prozent käme immerhin noch der größte Konkurrent, die Ardagh Group, ein Metallverpackungshersteller aus Irland. Das Öhringer Familienunternehmen hat sechs Standorte und 1.000 Mitarbeiter, im Hohenlohekreis arbeiten mit etwa 700 die meisten. Der Rest verteilt sich auf Bottrop, Österreich, Ungarn und Russland. Auch ein Werk in Brasilien kann sich Beverage-Leiter Britsch in Zukunft vorstellen. Denn weltweit steige der Bierverbrauch, in Ländern wie Deutschland könne man dagegen eher vom Gegenteil ausgehen. „Das ist ein großes Problem“, sagt Opferkuch. Nichtsdestotrotz steht der deutsche Markt im Mittelpunkt. 60 Prozent aller Fässer werden hier verkauft. „In Deutschland gibt es die härtesten Voraussetzungen, den schlechtesten Preis, den größten Wettbewerb, aber auch die höchste Qualität.“

„Ein Nischenprodukt, aber kein Trend“

Blick in die Produktion.

Mit dem Partyfass passe sich das Unternehmen dem Trend an, dass mehr Bier im eigenen Zuhause getrunken wird statt in der Kneipe. Mit fünf Litern habe das Fass die richtige Größe, schließlich passe es gut in den Kühlschrank. „Das Gebinde Nummer eins für Bier bleibt aber die Mehrwegflasche“, sagt Hans-Walter Janitz, Geschäftsführer vom Baden-Württembergischen Brauerbund. „Fünf Liter sind aber eine schöne Menge, wenn man zu mehreren wie beim Grillen zusammensitzt. Ein beliebtes Nischenprodukt, aber kein Trend.“ Für die Zukunft hat sich Huber Packaging einiges vorgenommen. Als erstes soll mit dem Partyfass der gesamte Biermarkt erschlossen werden. Das Familienunternehmen plant weitere Standorte. Langfristig könnten aber auch andere Getränke aus dem Behälter fliesen: „Bier ist nur der Anfang“, sagt Markus Britsch. Es müsse zwar noch die richtige Technologie entwickelt werden, dann könne auch Limonade im Partyfass aufbewahrt werden. (Von Anna Schürmann, dpa)