Portraits
15. August 2011

Vom Dorfbäcker zum regionalen Filialisten

Im Jahr 1900 kauften Gottlieb und Frida Bauer eine Mehlhandlung und Bäckerei in Heimerdingen. Heute hat sich die Bäckerei zu einem modernen Betrieb mit neun Filialen entwickelt.

Die alte Backstube in Heimerdingen.

Vom Dorfbäcker zum regionalen Filialisten

Im Grundsatz ist das Handwerk dasselbe geblieben, doch im Detail hat sich vieles verändert seit Wolfgang Maischs Urgroßeltern in Heimerdingen mit ihrer kleinen Bäckerei begannen. Die Konkurrenz war groß. In dem 800-Einwohner-Ort gab es drei Bäckereien und zwei Backhäuser. Deshalb konnte die kleine Bäckerei die Familie auch noch nicht ernähren und die Bauers sicherten ihren Lebensunterhalt mit einer kleinen Landwirtschaft. Doch der Betrieb erwies sich als stabil. Er überstand nicht nur den Ersten Weltkrieg, sondern auch die große Inflation von 1929.

Neue Generation – neue Ideen

Modern und effizient – Bäckerhandwerk heute…

1935 übernahm Gerhard Bauer mit seiner Frau Johanna den elterlichen Betrieb. Er erweiterte das Backwarensortiment und ergänzte es mit Teigwaren, Speiseeis, Mohrenköpfen, Meringen und Weihnachtsgebäck. Viele der ortsansässigen Bauern brachten damals noch große Wannen mit Mehl zum Brotbacken in Lohnarbeit. „Damit und durch kleine Belieferungen, viel Fleiß und Verzicht, konnte die Bäckerei und Konditorei nun auch die Familie ernähren“, erzählt der heutige Chef aus der Familienchronik. Doch 1940 musste Gerhard in den Krieg und die Bäckerei geschlossen werden. 1946 eröffnete seine Frau Johanna den Betrieb mit einem angestellten Bäckermeister wieder. Als Gerhard Bauer schließlich 1948 aus der Gefangenschaft zurückkehrte, gelang ihm mit Roggenbrot mit Sauerteig ein Verkaufsschlager. Bald wurden die umliegenden Gemeinden auf dem Motorrad mit Anhänger beliefert, kurze Zeit später ein Lieferauto angeschafft. Die Backstube wurde vergrößert und der erste Ladenumbau fertiggestellt. 1962 wurde ein neuer Etagenbackofen in Betrieb genommen.

Die erste Filiale und ein Neubau

…und trotzdem noch mit Handarbeit.

Anfang der 70er-Jahre übernahm mit Gerhard jun. die dritte Generation das Unternehmen und brachte wieder neuen Schwung. Trotz Rezession, hohen Ölpreisen und damals schon chronischem Arbeitskräftemangel im Bäckerhandwerk, wurde die erste Filiale eröffnet. Der erste Betrieb in Heimerdingen stieß an seine Grenzen. Deshalb entschlossen sich Gerhard jr. und seine Frau Gisela 1983 zum Neubau eines Produktionsbetriebs im Heimerdinger Gewerbegebiet Süd, der am 20. Oktober 1984 mit einem Tag der offenen Tür eingeweiht wurde.

Über 25 Brotsorten und weit über 50 Brötchen- und Kleingebäcksorten stellte der Betrieb mittlerweile her. Jedes Jahr wurden bis zu fünf Lehrlinge in Produktion und Verkauf eingestellt. Der Landesverband des Bäckereihandwerks zeichnete die neue Produktionsstätte als Musterbetrieb aus. Weitere Filialen kamen hinzu.

Traditionsbewusst ins nächste Jahrhundert

Im Jahr 2000 feierte die Bäckerei-Konditorei Bauer ihr 100-jähriges Bestehen. Gisela Bauers Sohn aus erster Ehe, Wolfgang Maisch stand schon in den Startlöchern, um den Betrieb ins zweite Jahrhundert zu führen. 2003 übernahm der Bäckermeister mit seiner Frau Karina den Betrieb. „Wie zur Zeit meines Urgroßvaters legen wir besonderen Wert auf die handwerkliche Herstellung aller Produkte und beste Rohstoffe aus unserer Region“, sagt Maisch. „Gleichzeitig entwickeln wir uns ständig weiter.“

Prokuristin Diane Wallrodt (li.) mit den Inhabern Wolfgang und Karina Maisch.

Ein Beispiel dafür war 2007 die Anpassung der gesamten Verwaltung und EDV an die moderne Technik und die Optimierung der Arbeitsabläufe. Auch im Internet und auf Facebook ist das Unternehmen aktiv. Doch noch etwas ist der Familie Maisch wichtig: Das familiäre Miteinander, die Ausbildung von Jugendlichen und das soziale Engagement in der Region. Im letzten Jahr zum Beispiel finanzierte das Unternehmen zusammen mit 30 weiteren Firmen in Ditzingen ein Fahrzeug für den Einsatz in der Jugend- und Behindertenarbeit, in Vereinen und Schulen sowie kirchlichen Organisationen. „Als regionaler Betrieb fühlen wir uns der Region verpflichtet“, sagt Maisch.

www.baeckerbauer.de