Portraits
4. September 2011

Familienunternehmen mit Durchblick

Die ganze Familie sitzt im Vorstand der Binder-Optik AG aus Böblingen. Gemeinsam halten die Gründer Helmut und Gabriele Baur mit Sohn Dominic das Familienunternehmen auf Kurs.

Dr. Helmut Baur bei seinem 70. Geburtstag mit Sänger Peter Kraus.

Seit der Gründung am 1. August 1975 hat sich viel getan. Aus einer Filiale mit zwei Mitarbeitern wurde die fünftgrößte Optikerkette in Deutschland mit 52 Fachgeschäften im süddeutschen Raum und über 400 Mitarbeitern. Und das in einer Branche, die Firmenchef Dr. Helmut Baur als Haifischbecken bezeichnet. Doch er konnte sich ganz gut durchsetzen im Haifischbecken – mit unternehmerischem Geschick, Charme, einem ausgezeichneten Netzwerk und ab und zu mit Gerichtsprozessen. Einige davon sind inzwischen Legende. Bei seinem 70. Geburtstag im Juli verkündete der Unternehmer, er werde sich in drei Jahren in den Aufsichtsrat zurückziehen und das Feld seinem Sohn Dominic überlassen, der bereits seit 2009 im Vorstand für Marketing und Vertrieb zuständig ist.

Mit Weitblick durchs Haifischbecken

Dr. Baur hat ein weit gespanntes Netzwerk.
Hier mit EU-Kommissar Günther Oettinger.

So richtig kann sich das noch niemand vorstellen, der das Energiebündel kennt. Der Chef der Binder-Optik AG ist eine wahrhaft bemerkenswerte Unternehmerpersönlichkeit. Er ist gelernter Uhrmacher und Optiker und befindet sich damit in bester Familientradition. „Eigentlich wollte ich ja Theaterwissenschaften studieren, aber mein Vater bestand darauf, dass ich einen ‚richtigen’ Beruf erlerne“, erzählt Baur. So kam es, dass er Optiker bei Rodenstock lernte, mit 27 Jahren das Begabtenabitur machte und danach BWL studierte. Später wurde er Vertriebschef bei Zeiss. Ein gewisser Herr Fielmann empfahl ihm dann, sich selbstständig zu machen. Baur ist ein streitbarer Unternehmer, der sich durch Lieferboykotte der großen Hersteller ebenso wenig unterkriegen ließ wie durch Klagen der Konkurrenz. „Wer in diesem Haifischbecken überleben will, braucht neue Ideen und Visionen“, sagt Baur. „Man darf die Brille niemals nur als Sehhilfe betrachten. Dann hat man verloren. Sie ist auch ein modisches Accessoire. Außerdem erwartet der Kunde zunehmend Beratung von seinem Optiker. Die Dienstleistungs-Kompetenz rund ums Auge ist ein entscheidender Faktor für eine langfristige Kundenbindung.“

Allround-Berater rund ums Auge

Perfektes Sehen durch perfekte Augenüberprüfung.

Das ist es, wo auch Juniorchef Dominic Baur die Zukunft des Unternehmens sieht. „Wir müssen das Bewusstsein unserer Kunden für die Gesundheit ihrer Augen stärken“, sagt er. Brille sei nicht gleich Brille. Die Qualität entscheide und genau damit könne sich Binder von anderen abheben. „Die meisten Brillenträger in Deutschland geben sich mit einer Brille zufrieden, die sie alle vier bis viereinhalb Jahre austauschen“, sagt Dominic Baur. „Dabei vergessen sie, dass es für ihre Augen wesentlich besser wäre, wenn sie auch über eine geschliffene Sonnenbrille und eventuell eine Lesebrille verfügen würden. Das gilt auch für die Träger von Gleitschichtbrillen. Es gibt keine Brille für alles.“ Um dieses Bewusstsein zu schärfen, erhalten die Kunden von Binder-Optik eine kostenlose Zweitbrille. Selbst die Trends zum Lasern der Augen und zur Kontaktlinse sehen die Chefs des Filialisten nicht als negativ für die Brille, denn „fast jeder Kontaktlinsenträger braucht zusätzlich eine Brille und auch die Leute mit gelaserten Augen benötigen häufig noch eine Brille“, so der Seniorchef. „In unseren Filialen sind wir auch technisch immer auf dem neuesten Stand. So dass wir Brillen liefern können, deren individualisierte Gläser höchsten Ansprüchen genügen. Das gehört für uns zu einem guten Service dazu.“ Der Junior fasst zusammen: „Wir liefern sakrisch gute Qualität zu einem günstigen Preis.“

Eine von Starfriseur Udo Walz ausgewählte Brille.

Und noch etwas liegt Dominic Baur am Herzen: „Brillen sind modische Accessoires. Die Italiener haben das schon längst begriffen. Sie unterstreichen damit ihre Persönlichkeit. Ein italienischer Brillenträger besitzt im Durchschnitt drei Brillen, ein deutscher nur 1,2. Für die Italiener sind Brillen modisches Zubehör, das sie wechseln wie Schuhe oder die Handtasche.“ Deshalb ist Starfriseur Udo Walz jetzt auch exklusiver Styling-Berater bei Binder. In allen Filialen findet man jetzt Brillen, die der Berliner Starfriseur ausgewählt hat. „Mit meiner Binder-Brillenauswahl kann sich jetzt jeder die aktuellsten Trends aufsetzen“, sagt Walz, der selbst Brillen des süddeutschen Unternehmens trägt.

„Wir brauchen Begeisterung“

Sohn Dominic (li.) führt zusammen mit seinen Eltern Gabriele und
Dr. Helmut Baur das Unternehmen.

Exzellente Brillen zu liefern ist aber nicht die einzige Herausforderung, der sich das Familienunternehmen künftig stellen muss. Auch bei Binder-Optik ist der Fachkräftemangel angekommen. „Wir können gerade einmal noch die Hälfte unserer Stellen besetzen“, sagt Helmut Baur. Dabei könne man den Mitarbeitern einiges bieten: gute Aufstiegschancen und regelmäßige Weiterbildung in der Binder-Akademie. Der Juniorchef sieht als wichtigstes Kriterium die Begeisterung für das Unternehmen. „Die fachliche Kompetenz kann immer verbessert werden“, sagt er. Junge Leute wollten anders geführt werden. Man müsse ihnen mehr zutrauen und mehr Selbstverantwortung zugestehen. Geld sei längst nicht mehr das einzige Mittel, mit dem man qualifizierte Mitarbeiter locken könne. Begeistert berichtet er von neuen Anreizen für Auszubildende wie Prämien für gute Abschlüsse oder Anstellungsverträge bereits nach der Zwischenprüfung, von einem neuen Prämiensystem, das den Teamgedanken wirklich nach vorne bringe, und von einem neuen Modell für Filialleiter. „Es muss sich lohnen, für Binder zu arbeiten“, sagt der Juniorchef, der selbst mit Leidenschaft bei der Sache ist. „Und zwar nicht nur in materieller Hinsicht.“

www.binder-optik.com