Portraits
5. Oktober 2011

Ställe Made in Vechta

Familienunternehmen heimlicher Weltmarktführer

Bernd Meerpohl führt das Familienunternehmen.

Die vollkommen vernetzte Tierhaltung ist im niedersächsischen Vechta Realität. Beim Stallausstatter Big Dutchman, einem Familienunternehmen, sind die Anlagen aufgebaut: Computer steuern, wie viel Futter die Tiere bekommen, wann sie gefüttert werden und registrieren, wie gut sie fressen, wie warm es im Stall ist, kontrollieren die Filterung der Abluft und den Abtransport des Tierkots. „Der Landwirt kann mit dem iPad auf dem Sofa sitzen und von dort aus alles steuern“, sagt Firmensprecher Andreas Böske.

Das Unternehmen ist nach eigenen Angaben Marktführer der Branche und liefert Hühner- oder Schweineställe an Landwirte in Europa, aber auch nach Asien, Amerika oder Australien. Biobauern gehören ebenso zum Kundenkreis wie konventionelle Betriebe.

Wegen der weltweiten Präsenz des Unternehmens ist der Vorstandsvorsitzender Bernd Meerpohl, zusammen mit seinen Schwestern und seinem Bruder Eigentümer des Unternehmens, ständig unterwegs. In Brasilien hat Big Dutchman jüngst in Araraquara im Bundesstaat Sao Paulo für 13 Millionen Euro eine neue Vertriebszentrale eröffnet. „Sie ist sehr verkehrsgünstig gelegen, direkt an der Autobahn“, freut sich Meerpohl. Bislang war der zentrale Unternehmens-Stützpunkt im Süden des Landes, was aber strategisch eher ungünstig gewesen sei.

Tierschutz unterstützt Erfolg

Rund 1.800 Menschen arbeiten weltweit für Big Dutchman. Der Umsatz betrug im Jahr 2009 rund 462 Millionen Euro, 2010 waren es 631 Millionen Euro. In diesem Geschäftsjahr, das im September endet, rechne er mit einem Umsatz von mehr als 750 Millionen Euro, sagt Meerpohl. Der Grund für den Umsatzsprung seien Sondereffekte auf dem deutschen Markt gewesen: Die deutschen Eierproduzenten mussten aus Tierschutzgründen die klassische Legebatterie durch neue Stallsysteme ersetzen – und das früher als in anderen EU-Ländern. „Es wird in den nächsten Jahren bestimmt eine Umsatzdelle geben“, sagt Meerpohl. Aber darauf stelle sich das Unternehmen ein.

Neben einer Vielzahl eher regional operierender Firmen gebe es in Deutschland drei bis vier Unternehmen, die in Sachen Stallausstattung in derselben Liga wie Big Dutchman spielen, sagt Hubert Lütke Laxen, Geschäftsführer des Branchenverbands BFL (Bauförderung Landwirtschaft). Die Auftragsbücher seien generell gut gefüllt. „Im Gegensatz zu anderen Landtechnikindustriezweigen haben sie die Wirtschaftskrise sehr gut gemeistert“, sagt er. So profitierten die Unternehmen derzeit von neuen Tierschutzbestimmungen für die Gruppenhaltung für Sauen, die zum 1. Januar 2013 in Kraft treten, für die die Landwirte investieren müssen. Aber für die Großen der Branchen gelte auch, dass sie Exportquoten von mindestens 60 Prozent hätten.

Aus den USA nach Deutschland

Der Stammsitz des Unternehmens in Vechta.

Bernd Meerpohls Vater Josef kaufte 1985 das Unternehmen im Rahmen eines Management-Buy-Outs, zunächst ohne die Rechte für Nord- und Südamerika. Die sind inzwischen aber hinzugekommen. Die Wurzeln des Unternehmens liegen in den USA, wo 1938 die Hühnerfarmer Richard und Jack DeWitt einen Automaten zur Geflügelfütterung entwickelten. Weil die DeWitt-Familie aus den Niederlanden stammt, war der Markenname „Big Dutchman“ schnell gefunden (großer Holländer). In den 1950er-Jahren expandierte das Unternehmen nach Europa und setzte dabei auf selbstständige Vertriebs-Agenturen. 1958 stieg der damals 26 Jahre alte Geflügellandwirt Josef Meerpohl als Handelsvertreter in Deutschland ein.

Er habe das Unternehmen 1992 von seinem Vater übernommen, sagt Bernd Meerpohl. Der heute 79 Jahre alte Josef Meerpohl nimmt nach wie vor regen Anteil an den Geschicken seines Lebenswerks und ist Vorsitzender des Aufsichtsrats der Big Dutchman AG. „Ich habe großen Respekt vor dem, was er daraus gemacht hat“, sagt sein Sohn.

www.bigdutchman.de

Elmar Stephan, dpa