Portraits
23. November 2011

Familienunternehmen hilft in Burma

Marion und Horst Mück seit etwa 25 Jahren in der Werbebranche selbstständig. Seit 2008 haben sie neben ihrem Unternehmen noch eine andere Aufgabe: Das Projekt Burma.

Die Inhaber der Werbeagentur „DIE INSEL“ haben den gemeinnützigen Verein „Projekt Burma“ 2008 gegründet. Marion Mück widmet diesem Projekt inzwischen fast mehr Zeit als dem Unternehmen. Und das wird auch so bleiben, denn aus einem Projekt wurden inzwischen viele.

Früher war die 58-Jährige in der Agentur neben den Finanzen noch für Media und Produktion zuständig. „Da habe ich mich zurückgenommen. Ich mache meist nur noch die Finanzen“, sagt sie. „So wie jetzt vor Weihnachten habe ich kaum noch Zeit, um in der Firma zu arbeiten.“ Weihnachten ist wichtig für das Projekt Burma, denn die Mücks nutzen die Synergien zwischen Unternehmen und sozialem Projekt ganz bewusst. „Als Agentur haben wir zwei Vorteile“, erklärt Marion Mück. „Zum einen pflegen wir sehr viele Kontakte zu Menschen, denen es gut geht und die bereit sind, etwas abzugeben. Zum anderen können wir unsere Agentur-Kompetenz einsetzen.“

Sammeln bei Kunden und Lieferanten

Viele Dörfer wurden vom Zyklon Nargis zerstört.

Seit es das Projekt Burma gibt, wird das Weihnachtsevent der Agentur zum Spenden sammeln genutzt. Dafür wurde bereits ein Konzert organisiert, von Spitzenköchen handsignierte Küchenschürzen verkauft und Designer-Shoppingbags mit von der Chefin selbst Gebackenem gefüllt. Auch in diesem Jahr ist Marion Mück wieder in der Küche gefordert: „In unseren neuen Räumen in Filderstadt gibt es ein großzügiges Treppenhaus. Für die Aktion „Auf die Treppe, fertig, los“ werden wir dort 130 rote Nikolaussäcke mit Selbstgemachtem aufstellen und an unsere Gäste verlosen. Der Erlös fließt in unsere Projekte nach Burma.“

Mitarbeiter der Agentur haben außerdem vier Weihnachtskarten entworfen, die man über die Website des Vereins ordern kann. „Durch unsere Beziehungen zu Kunden und Lieferanten erhalten wir auch den Druck umsonst oder stark verbilligt“, freut sich Marion Mück. Selbst auf dem Tübinger Weihnachtsmarkt ist Projekt Burma e. V. präsent. „Ohne die Unterstützung durch unsere Mitarbeiter und meine Tochter Tina würde ich das gar nicht schaffen.“

Projekt Burma baut Schulen.

Doch die Vorweihnachtszeit ist nicht die einzige Zeit, in der die Vereinsvorsitzende Unterstützung braucht. Alle eineinhalb Jahre verabschiedet sie sich für einige Wochen nach Burma, um sich dort persönlich vom Fortschritt der Projekte zu überzeugen, sich mit den Mitarbeitern vor Ort zu besprechen und neue Projekte anzustoßen. Dabei wohnt sie nicht in einem Touristenhotel, sondern in den Dörfern, in denen die Projekte des Vereins laufen. Die Unternehmerin stören die einfachen Bedingungen nicht, denn durch ihre Adern fließt ein kräftiger Schuss Abenteuerlust. So setzen die Mücks auch eher auf Abenteuerurlaub und paddeln mit dem Boot durch Südafrika anstatt am Pool eines Luxushotels zu liegen. Auch der Himalaya steht noch auf der Wunschliste.

Mit Empathie und Tatkraft

Marion Mück zu Besuch in Burma.

„Das Projekt Burma trat ungeplant in mein Leben. Wir hatten das Land und seine Menschen schon während unserer Urlaubsreise Ende 2007 ins Herz geschlossen und waren damals in Kontakt mit unserem jungen Reiseleiter Soe Naing und seiner Frau Thiri geblieben, die heute das Projekt vor Ort leiten“, erzählt Marion Mück. „Als dann im Mai 2008 der Zyklon Nargis weite Teile des Deltas in Burma zerstörte, 134.000 Tote und Vermisste forderte und Tausende obdachlos wurden, hatte ich Mitleid mit den Menschen. Also habe ich einfach gehandelt. Und irgendwann habe ich gemerkt: Du kommst da nicht mehr raus.“

Inzwischen wurden mit Unterstützung des Vereins mehrere durch den Zyklon zerstörte Dörfer wieder aufgebaut, Brunnen, sanitäre Anlagen und Schulen errichtet und Impfaktionen durchgeführt. Das nächste Projekt soll ein Gesundheitszentrum in Thazin am Golf von Bengalen sein, unweit einer von Projekt Burma errichteten Schule. „Meine Tochter ist Hebamme, mein Schwiegersohn Gynäkologe. Sie kennen viele Ärzte. Wir hoffen, dass uns die Regierung erlaubt, dass in dem Gesundheitszentrum deutsche Ärzte freiwillig für jeweils drei oder vier Wochen arbeiten“, sagt Marion Mück, „denn eigentlich dürfen in den Gesundheitszentren nur Schwestern tätig sein.“

Kein Luxus, sondern Selbsthilfe

Projekt Burma setzt sich besonders für Kinder ein.

Der Verein möchte in Burma beziehungsweise Myanmar, wie das Land offiziell genannt wird, Hilfe zur Selbsthilfe bieten, Armut lindern und vor allem den Kindern Bildung ermöglichen. Kinder liegen der Vereinsgründerin ganz besonders am Herzen. „Kindern aus den ärmsten Familien sowie Waisen möchten wir durch Patenschaften die Chance auf eine bessere Zukunft bieten. 45 gibt es schon. Ein weiterer Erfolg ist, dass sich die ersten beiden Dörfer, denen wir nach dem Zyklon Hilfe geleistet haben, bereits nach einem Jahr wieder selbst versorgen konnten. Wir wollen den Menschen keinen Luxus finanzieren, sondern ein menschenwürdiges Leben ermöglichen.“

Dorf-Laden in Burma.

Der von Marion Mück gegründete Verein ist seit Juli 2009 als gemeinnützig anerkannt. Alle Spenden kommen fast zu 100 Prozent bei den Bedürftigen an, denn die Mitglieder und Helfer in Deutschland und Burma sind unentgeltlich für den Verein tätig. Er engagiert sich ausschließlich in dem südostasiatischen Land, das etwa zweimal so groß wie Deutschland ist und etwa 55 Millionen Einwohner zählt. 25 Prozent der Bevölkerung leben dort unterhalb der Armutsgrenze. Seit 1962 regiert das Militär. Unzählige Vorschriften und Beschränkungen

sowie eine eingeschränkte Reisefreiheit für Ausländer machen die Verwirklichung der Projekte mitunter zu einer schwierigen Angelegenheit. „Man lernt, Kompromisse einzugehen und sich zu gedulden“, sagt die Vereinsvorsitzende. „Aber wir sehen, dass sich unsere Arbeit lohnt. Drei unserer Patenkinder werden das Abitur machen, eines studiert schon. Kinder lernen am schnellsten.“

Mehr Informationen und Bestellformulare für Mitgliedschaft, Patenschaften und natürlich für die von den Agenturmitarbeitern entworfenen Weihnachtskarten finden Sie unter www.projekt-burma.de