Portraits
11. November 2011

Fokus auf Laminatboden

Die Classen-Gruppe, ein 1963 gegründetes Familienunternehmen aus Baruth, Hersteller von Laminatböden, gilt als Branchenprimus. Gründer Dr. Hans-Jürgen Hannig setzt auf Führerschaft in Qualität, Kosten und Innovation.

Das Unternehmen kann mit beeindruckenden Zahlen aufwarten. Die Absatzmenge des Laminatherstellers aus Baruth in Brandenburg wuchs zwischen 2003 und 2010 jährlich um 10,9 Prozent. Die Absatzmenge der Mitglieder des Branchenverbands EPLF wuchs während dieser Zeit im Schnitt nur um 3,1 Prozent. Dr. Hans-Jürgen Hannig, Gründer und CEO der Classen-Gruppe, erklärt das überdurchschnittliche Wachstum der Gruppe mit klarer Fokussierung und der Führerschaft in Kosten, Qualität, Programm und Innovation.

Von 29,6 auf 61,1 Millionen Quadratmeter sei die Jahresproduktion zwischen 2003 und 2010 gestiegen. Bei gleichzeitigem Preisverfall habe man den Umsatz trotzdem im Durchschnitt um 5,7 Prozent jährlich steigern können, auch in der Krise. Heute setze die Gruppe 337,4 Millionen Euro um. „Wir können davon ausgehen, dass wir langfristig so aufgestellt sind, dass Wachstum automatisch kommt“, sagt Dr. Hannig selbstbewusst. „Wir haben Produkte, die weiterhin gefragt sein werden.“ Der Vorsprung vor dem Wettbewerb liegt laut dem CEO vor allem an der Fokussierung der Unternehmenspolitik auf den Laminatboden. 85 Prozent der Umsätze basieren auf Laminat.

Umkehr der Branchenlogik

Beschichtung

„Wir sind Laminatboden-getrieben, die anderen Platten-getrieben“, erklärt er den Unterschied. „Laminat basiert auf Platten. Der Wettbewerb verfügt über Plattenwerke, deren Produkte auch für die Herstellung von Laminat verwendet werden. Wir betreiben die Plattenfabrik nur, um in der Vorstufe unabhängig von Lieferanten zu sein und um die gesamte Wertschöpfungskette auszuschöpfen. Unsere Wettbewerber kommen von der Ressource Holz, wir kommen von Handel und Logistik. Damit haben wir sozusagen die Branchenlogik umgekehrt.“

Halbfertigwarenlager

Doch nicht nur die Fokussierung sei für das außergewöhnliche Wachstum des Unternehmens verantwortlich, sondern auch die globale Aufstellung. 80 Prozent der Produktion gingen in den Export, vor allem nach Europa, Russland, Nord- und Südamerika. Die Produktion allerdings liege in Deutschland. Weltweit inklusive China sei man einer der bedeutendsten Entwickler. „Wir haben uns ein Patentportfolio aufgebaut, mit dem wir Maßstäbe setzen und das wir sogar teilweise an den Wettbewerb lizenzieren“, sagt Dr. Hannig. Als Beispiel nennt er den Laminatboden der dritten Generation, den Klickboden, der eine leimfreie Verlegung ermöglicht. „Mit unserer Erfindung ‚Megaloc’ haben wir einen weiteren Schritt nach vorne getan, denn jetzt erübrigt sich auch der Schlag mit dem Hammer. Die Teile werden an der langen Seite angelegt und an der kurzen einfach eingeklickt.“

Zweites Standbein durch Innovation

Profilierungsbereich

Doch „Megaloc“ ist nur eines von vielen Verfahrens- und Produktpatenten. Ein weiteres ist das LLT-Verfahren (Liquid Laminate Technology), das die Oberflächen des Laminatbodens neu definiert. Classen hat mit dem Verfahren eine Methode gefunden, mit der man die Oberfläche so aufbringen kann, dass sie in Optik und Haptik optimal die Anforderungen erfüllt – und das in einem hocheffizienten, energie- und kostensparenden Verfahren. Über 30 Millionen Euro hat die Gruppe in das Verfahren investiert, doch das zahlt sich aus.„Durch solche Art der Innovationsführerschaft haben wir uns inzwischen mit der Lizenzierung ein zweites Standbein aufgebaut“, erläutert der CEO. „Das LLT-Verfahren ist ein so gewaltiger Wettbewerbsvorteil, dass ich fast geneigt bin, ihn als epochal zu bezeichnen. Der Wettbewerb kommt nicht umhin, sich damit zu befassen.“

In die Zukunft schauen

Qualitätskontrolle

Investitionen, die die Marktführerschaft sichern, sind für Dr. Hannig eine Notwendigkeit. So wurden 350 Millionen Euro am Standort Baruth bei Berlin in das modernste Laminatwerk weltweit investiert. Dazu wurden vor drei Jahren 200 Millionen Euro für die Plattenherstellung bereit gestellt. Am zweiten Standort in Kaisersesch in Rheinland-Pfalz wurde eine Produktion für Nischenprodukte wie „Luxury Vinyl Tiles“ und Verbundprodukte aufgebaut. Dabei handelt es sich um Fußböden mit besonderen Eigenschaften wie Schalldämmung oder Wasserabweisung. Nach Meinung von Dr. Hannig die „künftigen Hits“. Man müsse immer schauen, was sich in der Zukunft zu Umsatzträgern entwickeln könne.

Eine separate Forschungsabteilung unterhält das Unternehmen nicht. „Wir setzen auf die Kompetenz und Kreativität unserer Mitarbeiter“, sagt der CEO. „Wir fördern das Engagement unserer Mitarbeiter mit Lob und Prämien. Sie sind stolz darauf, wenn ihre Leistung wahrgenommen und anerkannt wird. Von ihnen erhalten wir täglich neue Ideen und Vorschläge zu Produkten, Prozessen und Verpackung. Damit sind wir effizienter als jede Forschungsabteilung.“ Die Mitarbeiter seien enorm wichtig, wenn sich ein Unternehmen weiterentwickeln wolle, ist Dr. Hannig überzeugt. Deshalb seien ein fairer Umgang und ein offenes Ohr für ihre Bedürfnisse unabdingbar. „Meine Tür ist offen für jeden, der mit einem Anliegen zu mir kommen möchte“, sagt er. „Wir alle gehen offen und anständig miteinander um, damit sich jeder in einem Unternehmen wiederfindet, in dem er ernst genommen wird und sich wohlfühlt.“

Laminat fertig zum Versand

An den Standorten Kaisersesch, Berlin/Baruth, Polen und Russland werden insgesamt 1.219 Mitarbeiter beschäftigt. Die Produktionswerke für Platten und Laminat in Baruth gelten als modernste weltweit, auch hinsichtlich Umweltschutz und Nachhaltigkeit. Vom Forst bis zur fertigen Diele ist Classen-Laminatfußboden durch das „Programme for the Endorsement of Forest Cerfification Schemes“ zertifiziert. Die für die Produktionswerke benötigte Energie wird über eine Energiezentrale gewonnen, die mit Abfällen, die bei der Laminat- und Plattenproduktion anfallen, betrieben wird. Die Rohstoffe, die Baumstämme, stammen aus der näheren Umgebung.

www.classen.de