Portraits
3. Februar 2012

Heiße Tüfteleien

Das Kerngeschäft des Familienunternehmens aus Renningen sind Brenner für Industrieöfen. Doch dabei bleibt es nicht, denn Vater und Sohn geht es um Energieeffizienz und Schadstoffminderung. In diesem Feld gibt es für das innovative Duo und seine Mannschaft noch genug zu tun.

Frühzeitig einen Trend erkannt

Hier werden die Brenner zusammengebaut.

Gegründet wurde die WS-Wärmeprozesstechnik GmbH 1982 von Dr. Georg Schönfelder und Dr.-Ing. Joachim A. Wünning. Beide sind heute noch in der Firma. Dr. Schönfelder verantwortet den kaufmännischen Bereich. Seit 2000 ist auch Dr. Joachim G. Wünning, der Sohn des Gründers, in der Geschäftsführung. Das Zusammenspiel zwischen Vater und Sohn klappt hervorragend. „Mein Vater ist Erfinder. Er braucht die Freiheit, einfach etwas anzufangen, eine neue Idee zu verfolgen“, sagt der Sohn. „Er ist froh, dass er sich nicht mehr mit dem Tagesgeschäft belasten muss. Ich bin viel unterwegs bei Kunden, treffe mich mit Wissenschaftlern, besuche Kongresse und bin in verschiedenen Gremien aktiv. Für mich ist es eine Beruhigung, dass dann mein Vater meine Abwesenheit in der Firma abfedert. Dafür unterstützte ich ihn mit Computersimulationen oder modernen Rechenarten.“

Brennerarmaturen

Als die Firma gründet wurde, war gerade die zweite Ölkrise vorbei und Energieeffizienz wurde langsam zu einem Thema. Der damals 52-jährige Ingenieur sah die Chance und ergriff sie. Mit seiner Erfahrung im Ofenbau und der Wärmebehandlungstechnik brachte er die nötigen Voraussetzungen mit. Heute zählen insgesamt vier Firmen zu dem Unternehmen. Insgesamt etwa 100 Mitarbeiter, teilweise hoch qualifiziert, arbeiten in der Gruppe. Nachwuchsprobleme gibt es bisher nicht, denn durch seien Vernetzung mit der Wissenschaft hat das Unternehmen Zugang zum Nachwuchs. Praktikanten, Studien- und Diplomarbeiter sind gern gesehen und interessieren sich oft für eine Anstellung. „Wir haben auch viele Mitarbeiter, die jahrzehntelang bei uns sind. Wir schätzen ihre Loyalität und ihre Erfahrung“, sagt Wünning jun. „Wir stellen auch gerne ältere Mitarbeiter ein, wenn sie die entsprechende Qualifikation haben.“

Innovation ohne Flammen

Flox-Brenner gibt es von zehn bis 300 KW.

Der Durchbruch gelang dem jungen Unternehmen mit der flammlosen Oxidation von Brennstoff (FLOX). Das Verfahren ermöglicht nicht nur die Einsparung von Energie, sondern senkt auch die Schadstoffmenge. „In Deutschland werden pro Jahr etwa 45 Millionen Tonnen Stahl erzeugt“, erklärt der Juniorchef, der Mitte der 90er-Jahre an der RWTH Aachen über Flox promovierte. „Stahl muss mehrfach gehärtet und geglüht werden, um die erwünschten Eigenschaften zu erzielen und diese Wärmebehandlung ist sehr energieintensiv. Dafür braucht man hohe Temperaturen von 1.000 Grad Celsius und mehr.“ Energie spart man dabei vor allem durch das Vorwärmen der Verbrennungsluft mit Abgasen. Allerdings entstehen dabei viele Stickoxide. „Das hat zunächst niemand interessiert“, so Wünning weiter. „Als der Stickoxidausstoß insgesamt aber nach oben ging, wurde auch das zum Thema.“

Die flammlose Oxidation entdeckte Wünning sen. 1990, als er Versuche zur Stickoxidminderung machte: „Es war ein unerwarteter Effekt“, sagt der 48-jährige Geschäftsführer, der das Verfahren weiterentwickelte. „Wir untersuchten das natürlich. Denn in ein Produkt umsetzen konnten wir diesen Effekt nur, wenn wir wussten, was das ablief.“ Schließlich wurde Flox patentiert und mit Folgepatenten abgesichert. Schon damals zahlte sich das vertrauensvolle Verhältnis zu den Kunden aus, von denen sich immer einige bereit erklärten, etwas Neues auszuprobieren. Das ist bis heute so geblieben, denn „unser Geschäft ist sehr individuell“. Die großen und kleinen Brenner müssen in die Öfen eingepasst und an die speziellen Anforderungen der Kunden angepasst werden. 1995 konnte das Unternehmen bereits zufriedenstellende Stückzahlen der Brenner mit der neuen Technik verkaufen.

Deutscher Umweltpreis für Flox

Vater und Sohn Wünning erhielten 2011 den Deutschen Umweltpreis

2011 erhielt das Familienunternehmen für die Flox-Technologie den Deutschen Umweltpreis. In der Laudatio hob Fritz Brickwedde, Generalsekretär der Deutschen Stiftung Umwelt (DBU), nicht nur den Einklang von Ökonomie und Ökologie im Wirken der beiden Unternehmer hervor, sondern verwies auch auf den innovativen Charakter des Verfahrens, das sie entdeckt und zur Marktreife gebracht hatten: „Auch andere Hersteller haben eigene Brenner nach dem Wünning-Prinzip entwickelt. Der Nachahmungseffekt zeigt, wie überzeugend dieser Lösungsansatz ist. Er bedeutet nicht nur massive Umweltentlastung in einer ganzen Branche, vielmehr hat das Verfahren weltweit einen neuen Standard gesetzt.“

Ein Brenner, der durch feine Rippen eine größere Fläche erhält. Das bewirkt einen verbesserten Wärmetausch und somit einen besseren Wirkungsgrad

Energieeffizienz und Umweltschutz liegen den Unternehmern aus Renningen am Herzen und treiben sie an. Deshalb wird in Zusammenarbeit mit Hochschulen und Instituten, darunter die Universitäten Aachen und Stuttgart, intensiv weitergeforscht. Zehn bis 15 Prozent des Umsatzes stecken die Wünnings in Konstruktion, Entwicklung und Forschung. Das Versuchslabor nimmt großen Raum ein. „Das Potenzial für andere Anwendungsgebiete von Flox ist hoch“, sagt der Ingenieur. „Wir sehen Chancen in der Energieerzeugung, der Chemie und der Petrochemie. Unsere Technologie könnte zum Beispiel bei der Aufbereitung von Benzin und bei der Düngemittelerzeugung eingesetzt werden, aber wir suchen nach weiteren Anwendungsmöglichkeiten.“

Kompetenz und Produktspektrum erweitern

Restgasverbrennung für eine Biomethananlage

Aus dieser Suche sind unter dem Dach der WS-Wärmeprozesstechnik bereits drei neue Firmen entstanden. 2003 die WS-Reformer GmbH. Sie widmet sich der Entwicklung, Herstellung und dem Vertrieb von kleinen Dampfreformern für Brennstoffzellen. „Zur Zeit machen wir damit selbst Strom und bauen eine eigene Tankstelle für unser neu gekauftes Elektroauto“, erzählt Wünning begeistert. „Die Brennstoffzellensysteme kann man auch in Privathäusern als Blockheizkraftwerke zur Erzeugung von Strom und Wärme einsetzen. Wir stehen hier kurz vor der Markteinführung.“

2006 wurde gemeinsam mit Dr. Roland Berger von der Universität Stuttgart die „e-flox GmbH“ gegründet. Die Firma untersucht die Anwendung von Flox-Brennern in neuen Gebieten, vor allem bei den regenerativen Energien. Ein mögliches Einsatzgebiet sind Biogasanlagen. Die dort bei der Stromerzeugung über Gas immer anfallenden Restmengen an Gas können damit ohne Zusatzenergie und mit nur geringem Schadstoffausstoß ebenfalls in Energie umgewandelt werden. Das ist so durch kein anderes Verfahren möglich.

Joachim G. Wünning im Versuchslabor.

Etwa 50 Prozent der Produkte des Unternehmens gehen in den Export. „Wahrscheinlich ist es sogar mehr“, sagt der Geschäftsführer, „denn unsere Kunden sind hauptsächlich Anlagenbauer, die ebenfalls exportieren.“ Die USA sind ein guter Markt. Deshalb wurde dort bereits Mitte der 90er-Jahre eine kleinen Niederlassung aufgebaut. Fragt man Wünning nach den Zukunftsplänen für das Unternehmen, erhält man eine erstaunliche Antwort: „Wir wollen interessante Sachen machen und Freude dabei haben, unseren technischen Vorsprung ausbauen. Dinge, die andere besser können, geben wir außer Haus. Bei uns wird hauptsächlich geforscht und montiert. Wenn die Stückzahlen zu hoch werden, können wir uns auch vorstellen, Lizenzen zu vergeben. Wachsen können wir, wenn erforderlich, aber es ist für uns kein Selbstzweck.“

www.flox.com