Portraits
11. April 2012

Synthese von Raum und Medien

Seit 2007 gibt es „Heller Designstudio“ in Stuttgart, in dem die Brüder Marcel und Christopher Heller mit ihren vier Mitarbeitern elegante Kommunikationslösungen an der Schnittstelle von Architektur und Medien entwerfen und produzieren.

Projekt Nürburgring, Porsche 24-Stunden Rennen,
Foto: Pia Schweisser

Begonnen hat der Architekt Marcel Heller bereits während des Studiums gemeinsam mit einem Studienkollegen mit einer kleinen Internetagentur namens „Die Animatoren“. „Durch unseren Vater, einen IBM-Manager, habe ich schon früh eine Affinität zu Computern entwickelt“, erzählt der 37-Jährige. „Die Animatoren liefen so gut, dass ich nach dem Studium und einigen Jahren Berufserfahrung den Sprung in die Selbstständigkeit wagte.“ Der „kleine“ Bruder Christopher, heute 26, interessierte sich für die Tätigkeit des Bruders und erstellte schon mit 13 Jahren Webanimationen, um sein Taschengeld aufzubessern. Nach der Schule entschied er sich für ein Studium der Medientechnik mit dem Schwerpunkt Kommunikationsdesign/neue Medien an der Merzakademie. Christopher faszinierten die Möglichkeiten, sich mit den neuen Medien eigene Tools zu schaffen. Nach dem Studium sammelte er erste Erfahrungen in einer New Yorker Agentur, bevor er in das Familienunternehmen eintrat.

Projekt Mercedes-Benz Service IAA 2011, Foto: wire süden GmbH

Die Symbiose von Architektur und Medien zahlt sich aus. Durch die Zusammenarbeit mit dem Bruder kann Marcel Heller seinen Kunden einen Komplettservice aus einer Hand anbieten. „Mit Christopher haben wir jetzt die Medien- und IT-Kompetenz direkt im Haus“, sagt Heller. „Ich arbeite gerne mit anderen Agenturen und freien Medienberatern zusammen, aber für die Konzeption und die Feinabstimmung ist die Zusammenarbeit mit Christopher ideal. Wir ergänzen uns sehr gut, sind beide stark in der Konzeption und können so ein Konzept von Anfang an gemeinsam entwickeln und dann auch umsetzen. Unser Ziel ist es, ganzheitliche Designlösungen zu entwickeln, die eine durchgängige und zusammenhängende Ästhetik ausstrahlen, vom räumlichen Erscheinungsbild bis zur medialen Inszenierung.“

Der Stuttgarter Stand auf der MIPIM, Foto: Heller Designstudio

Alleinstellungsmerkmal für den Markenauftritt

Mit ihrer Arbeit inszenieren die Brüder Marken für Messen, Ausstellungen oder Showrooms oder 3D-Projektionen von Immobilienprojekten. Unter den Kunden der jungen Firma befinden sich bereits große Namen wie Porsche, Mercedes, Konami und Fresenius. Im März 2012 haben die Stuttgarter zum Beispiel die medialen Inhalte für den Gemeinschaftsstand der Stadt Stuttgart und ihrer Partner auf der internationalen Immobilienmesse MIPIM in Cannes in Szene gesetzt. „Wir suchen immer nach Alleinstellungsmerkmalen“, sagt Marcel Heller. „In diesem Fall war das der papierlose Stand.“

Die Präsentationszone des Stands wurde von drei großen Screenwänden flankiert. Hier wurden abwechselnd Projekte der Partner in Filmen und Slideshows sowie Firmenpräsentationen, Logos und Hintergrundinformationen zu Vorträgen und Events gezeigt. Die angrenzenden Loungebereiche und die Terrasse dienten zum Verweilen und für Gespräche. Eine weitere Zone für Besprechungen in Kleingruppen war mit Stehtischen und Touchscreen ausgestattet. Hier konnten verschiedene Projektinformationen samt Satellitenkarten abgerufen werden. Auch die Vertreter der Partnerunternehmen mussten keineswegs Papier schleppen, wenn sie zum Beispiel den Stand verlassen haben. Zur individuellen Kommunikation wurden iPads mit allen relevanten Projektdaten der Partner bespielt, die auch auf der Website erschienen. „Durch die großen Monitore konnten wir je nach Bespielung eine Standveränderung erzielen. Und wir haben die Kleinteiligkeit vermieden, die vielen Messeständen eigen ist – frei nach dem Motto auffallen durch Homogenität“, sagt Marcel Heller.

Bewegte Wasser

Der Stand von Fresenius Medical Care mit der „Wasserwand“, Foto: Heller Designstudio.

Ein weiteres Beispiel, das zeigt, welche Möglichkeiten sich künftig im Zusammenspiel von Architektur und Medien ergeben, war der Messestand für Fresenius Medial Care auf der Messe in München. „Das Unternehmen stellt Dialysegeräte her“, sagt Marcel Heller. „Wasser spielt bei der Dialyse die wichtigste Rolle. Wir haben auf einem großen Bildschirm Wasser digital berechnet und visualisiert. Der Bildschirm war über Sensoren mit dem Fußboden verbunden. Je nachdem, wie viele Leute sich auf dem Stand bewegt haben, versetzten sie das Wasser auf dem Bildschirm in Bewegung. Manche begannen zu hüpfen oder zu wippen, um mehr Bewegung hinein zu bringen.“ Letztlich sei es eine fantasievolle Lösung gewesen, um zum einen das Thema Wasser aufzugreifen, Aufmerksamkeit zu erregen und die Leute zum entspannten Mitmachen zu animieren. „Wir haben uns damit auf Neuland begeben, viele Tests gemacht und sozusagen Laborarbeit geleistet“, so Heller im Rückblick.

Christopher (li.) und Marcel Heller ergänzen sich.

Die Brüder fasziniert vor allem die Veränderung, die moderne Medientechnik für Architektur und Raumgestaltung mit sich bringt. „Sie beeinflusst den Raum viel stärker als es die herkömmliche Architektur kann. Das eröffnet eine Vielzahl an neuen Gestaltungsmöglichkeiten“, sagt Marcel Heller. „In meiner Lehrtätigkeit an der Kunstakademie versuche ich, das den Studenten zu vermitteln. Es gibt heute zur Raumgestaltung mehr als Mörtel. Die alten Regeln der Architektur aus den 50er-Jahren gelten meiner Ansicht nach dafür nicht mehr. Architekten müssen verstehen, wie die moderne Medientechnik Arbeiten und Wohnen verändert und es in ihre Arbeit einbeziehen.“

www.heller.tv