Portraits
28. Juli 2012

Mitdenker statt Mitarbeiter

Die Geschichte der SBS-Feintechnik GmbH & Co. KG begann 1856 durch Josef Burger. Damals wurden Uhrenbestandteile im Sandguss-Fertigungsverfahren hergestellt. Heute hat das Familienunternehmen 338 Beschäftigte, wird in fünfter Generation von Thomas Burger geführt und gehört zur Burger-Gruppe.

Das Schonacher Unternehmen versteht sich als Systemlieferant für kundenspezifische Antriebstechnik. Seine Kunden kommen aus der Fahrzeug und Fahrzeugzulieferindustrie, der Gebäude-, Haushalts- und Medizintechnik sowie der Maschinen- und Anlagentechnik. Das Unternehmen zeichnet sich nicht nur durch seine kundenspezifischen Lösungen aus, sondern auch durch die Verzahnung von Metall- und Kunststoffprodukten und Komplettlösungen von der Beratung und Entwicklung über die Prototypenfertigung und den Betriebsmittelbau bis hin zur Fertigung und Montage.

Innovation kommt nicht von ungefähr

SBS-Feintechnik wurde als Innovator des Jahres 2012 ausgezeichnet.

Seine Innovationskraft beweist das Unternehmen seit sechs Jahren ununterbrochen als Top-Innovator im Rahmen des Wettbewerbs Top 100. Damit gehört es seit Jahren zu den 100 innovativsten Unternehmen im deutschen Mittelstand. 2011 wurde der SBS-Feintechnik zudem der Dekra Award in der Kategorie Sicherheit verliehen. Für die Innovationsfähigkeit wird in Schonach einiges getan: In der „Burger Academy“ werden Mitarbeiter weitergebildet; Entwicklung bedeutet auch Inhouse-Grundlagenforschung und die Zusammenarbeit mit Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Das Ziel des Unternehmens ist klar. „Wir möchten uns auch in der Zukunft als ein unabhängiges, eigentümergeführtes , wertorientiertes Familienunternehmen mit eigener Wertschöpfung präsentieren, das Branchenstandards setzt“, gibt Burger die Richtung vor.

Das Erfolgsgeheimnis der SBS-Feintechnik ist gar nicht so außergewöhnlich: „Wir wollen mit allem, was wir tun und auch wie wir es tun, immer eine Verbesserung, einen Fortschritt erzielen. Das verstehe ich unter innovativ“, so der Unternehmenschef weiter. Auffällig ist eher die Konsequenz, mit der dieses Credo umgesetzt wird.

Fünf-Achs-Hochgeschwindigkeitsfräsmaschine im SBS-Technologiezentrum.

„Unsere Produkte sind eigentlich immer Innovationen, denn wir entwickeln und produzieren ausschließlich kundenspezifische Antriebslösungen“, sagt Burger. „Die Innovation kann nach außen wirken hinsichtlich Anwendung, Funktion, Bauraum, Lebensdauer, Preis und Gewicht und so dazu beitragen, den Markterfolg des Kunden zu vergrößern. Nach innen kann sie sich in Form von weniger Arbeitsschritten, anderen Materialien oder intelligenteren Verfahren manifestieren.“ Das lasse sich nur verwirklichen, wenn man nicht Mitarbeiter habe, sondern Mitdenkerinnen und Mitdenker, so der Unternehmer weiter. Jeder müsse bei seinen Aufgaben innovativ sein. Die Führungskräfte müssten diesen Geist vorleben und Denkwerkstätten schaffen, in denen permanent kreativ gearbeitet werde. Das Management verstehe sich als Sparringspartner bei Neuentwicklungen und wende dafür einen hohen Anteil seiner Arbeitszeit auf. „Die Geschäftsführung ist der Motor, der das Unternehmen mit einer zielgerichteten Innovationskultur antreibt“, sagt Burger. „Kreativität braucht entsprechende Freiräume, die je nach Aufgabe passend zugeschnitten sein sollten. Die Motivation der Menschen wächst mit der Verantwortung, die man ihnen überträgt.“ Der Erfolg gibt ihm Recht. Zahlreiche Verbesserungsvorschläge liefert jeder Mitarbeiter pro Jahr. Über 80 Prozent davon werden umgesetzt. An rund 16 Tagen im Jahr bilden sich die Mitarbeiter extern und in der hauseigenen Burger-Academy weiter.

Erfahrung mit Neuem verbinden

„Innovationen entstehen durch die Fusion von Tradition und Erfindergeist“, sagt Burger. „In den über 150 Jahren seines Bestehens wurde im Unternehmen sehr viel Wissen und Erfahrung angesammelt. Darauf können wir heute bauen. In Verbindung mit neuen Elementen und offenem Denken entstehen Innovationen. Diese Kombination macht unseren Erfolg aus.“ Innovation müsse sich in der Praxis bewähren, sich am Markt durchsetzen und die Wertschöpfung erhöhen. Das Feedback vom Markt bereichere die Erfahrung und führe dazu, dass die nächste Lösung noch besser werde. „Es funktioniert wie ein Getriebe. Ein Rad greift ins andere“, sagt Burger. „Innovation bedeutet nicht, jedes Mal das Rad neu zu erfinden, sondern es ständig weiterzuentwickeln.“

Damit spielt Burger auch auf die Kernkompetenz des Unternehmens an, die Verzahnung und Vernetzung. Nicht nur die Kombination von Metall- und Kunststoffverarbeitung, sondern auch die Zugehörigkeit zur Burger-Gruppe mit ihren insgesamt vier Unternehmen und das daraus resultierende umfassende Lösungsangebot für die Kunden sind ideale Voraussetzungen für eine hohe Wertschöpfung. „Wir müssen alles selbst können, aber nicht müssen“, beschreibt Burger seine Sichtweise. Die kundenspezifischen Projekte beginnen mit der Beratung, gehen über die Entwicklung, inklusive Rapid Prototyping, Qualifizierung, Design und Herstellung der Betriebsmittel, bis zur Produktion und Montage in Serie. „In unseren drei strategischen Geschäftsfeldern Antriebslösungen, kundenspezifische Komponenten und mechanische Uhrwerke setzen wir die Standards“, sagt Burger selbstbewusst. „Wir sind von außen zwar oft nicht zu erkennen, aber sehr oft drin“, schmunzelt er.

Sportlicher Wettstreit

Dr. Stephan Scholtissek, Mitglied der Top-100-Jury, die SBS zum Innovator des Jahres 2012 auswählte, fasste zusammen, was die Jury überzeugte: „SBS-Feintechnik überzeugt mit einem sehr effektiven, langfristig ausgerichteten Innovationsmanagement. Dem Unternehmen gelingt es kontinuierlich, seine Kernkompetenz auf neue Produktgruppen und Märkte auszuweiten. Ein eindrucksvoller Beleg dafür sind die im hohen zweistelligen Bereich liegende Zahl der Entwicklungsprojekte, die das Unternehmen gleichzeitig verfolgt, und der markante Anteil von Marktneuheiten am Gesamtumsatz.“ Für Burger und seine Mitdenker sind die Awards Benchmarks und sie sind stolz, wenn sie es nach ganz oben auf dem Siegertreppchen schaffen. „Es ist wie im Sport. Hier können wir uns mit anderen Unternehmen messen und erkennen, wo wir im Vergleich zu anderen stehen und wo wir besser werden müssen“, beschreibt Burger die Motivation. Die Erfolge in den Wettbewerben empfindet er als Auszeichnung, allerdings nicht für sich: „Die Gütesiegel empfinde ich als Auszeichnung für meine Mitdenkerinnen und Mitdenker. Ihre Begeisterung und Anstrengung sind unser Innovationsfaktor Nummer eins. Zugleich haben wir die richtigen Prozesse etabliert, damit sich diese Kreativität produktiv entfalten kann. Beides zusammen macht uns erfolgreich.“

www.sbs-feintechnik.com