Portraits
17. April 2013

Bankier und Bürger: Friedrich von Metzler wird 70

In der Bank nennen sie ihn schlicht «FM». Öffentlich setzt er auf diskreten Charme statt auf große Bühne: Friedrich von Metzler – Bankier aus Tradition, Bürger aus Überzeugung. „Wer mich kennt, weiß, dass es für mich in überschaubarer Zukunft keinen Ruhestand geben wird“, verkündete er vor einem Jahr – da hatte der weit über Frankfurt hinaus bekannte Mäzen das Tagesgeschäft „seiner“ Privatbank gerade in jüngere Hände gelegt. Am 23. April feiert von Metzler seinen 70. Geburtstag.

„Die Bank ist mein Hobby“

„Die Bank ist mein Hobby. Ich gebe zu, ich bin ein bisschen einseitig geworden, weil die Bank mich so fasziniert“, sagte von Metzler einmal. Dass der gebürtige Dresdner mitten in Deutschlands Finanzmetropole landete, ist kein Wunder: Seit 1674 ist die Familie im Geschäft, das Bankhaus B. Metzler seel. Sohn & Co. ist die älteste Privatbank in Deutschland in ununterbrochenem Familienbesitz. Der Jubilar führt sie in elfter Generation gemeinsam mit acht Partnern. Ausgebildet in den 1960er-Jahren überwiegend bei Investment- und Kreditbanken in Großbritannien, den USA und Frankreich, trat von Metzler 1969 in das Bankhaus ein und wurde 1971 persönlich haftender Gesellschafter. Unabhängigkeit schreibt das Haus groß, das mit maßgeschneiderten Dienstleistungen für Institutionen, Firmen und vermögende Privatkunden sein Geld verdient. Die äußerlich schmucklose Zentrale des Instituts fällt kaum auf zwischen den Türmen im Frankfurter Bankenviertel.

Großes Engagement für Kinder und Jugendliche

Noch als Kind kam Friedrich von Metzler aus Dresden an den Main. Er habe sich daher „immer als waschechter Frankfurter gefühlt“, sagte er später. Heute ist er Ehrenbürger der größten Stadt Hessens und fördert den Finanzplatz Frankfurt ebenso leidenschaftliche wie kulturelle und soziale Projekte. In den 1980/90er-Jahren ist von Metzler zum Beispiel maßgeblich beteiligt an der Umwandlung der Frankfurter Wertpapierbörse in die Deutsche Börse AG, später sitzt er lange im Aufsichtsrat des Dax-Konzerns. Soziale Projekte für Kinder und Jugendliche fördert er über die Albert-und-Barbara-von Metzler-Stiftung. „Meiner Meinung nach gibt es immer noch zu viele Bildungsverlierer in Deutschland“, sagt von Metzler. „Wir müssen viel früher beginnen, die Kinder mit ihren Stärken und Talenten gezielter zu fördern.“ Die Stiftung legte auch ein Stipendium für arbeitsuchende Akademiker aus Südeuropa auf – eine weitere Duftmarke des überzeugten Europäers von Metzler: „Wer aus der aktuellen Krise ableitet, Europa sei zu unterschiedlich für eine einheitliche Währung, und der Euro sei von Beginn an zum Scheitern verurteilt gewesen, der liegt falsch.“ Nicht die Unterschiedlichkeit der Eurostaaten sei das Problem, sondern die mangelhafte Einhaltung gemeinsamer Regeln.

Besonders stolz ist der Bankier auf die Kulturaktion „1+1=3“, die er 1999 zum 325. Jubiläum der Bank initiierte: Konnte eine begünstigte Organisation mindestens Spenden in gleicher Höhe wie eine Zuwendung der Metzler-Stiftung einsammeln, belohnte die Stiftung das mit einer erneuten Spende in Höhe der ersten Tranche. So kamen knapp sieben Millionen D-Mark für zehn Frankfurter Museen zusammen.

Abgeschottet haben sich Friedrich von Metzler und seine Frau Sylvia auch nicht nach der Entführung und Ermordung ihres jüngsten Sohnes Jakob (11) im Herbst 2002. Viele bewundern die Würde, mit der die Bankiersfamilie das durch diverse Klagen des Kindermörders immer wieder aufgewühlte Leid erträgt. Öffentlich äußert sich die Familie bis heute nicht zu dem Verbrechen. Ein persönliches Anliegen jedoch war ihr die zum zehnten Jahrestag ausgestrahlte ZDF-Verfilmung „Der Fall Jakob von Metzler“: Um zu zeigen, wie sehr sich die Polizei eingesetzt hat – auch mit einer umstrittenen Folterdrohung gegen den Mörder.

Lieber lesen statt Pferde putzen

Freundlich und jovial, so zeigt sich Friedrich von Metzler in der Öffentlichkeit. Ein Kaufmann, der auf die Menschen zugeht, gut zuhören kann, gerne lacht und genießt – zum Beispiel den hauseigenen „Metzler-Rauchtee“ aus einer Goldrandtasse mit aufgeprägtem „M“. Für eines jedoch hat der Jubilar kaum etwas übrig: „Ich bin leider völlig unsportlich“, gab von Metzler einmal zu. Auch das Reiten habe er irgendwann aufgegeben und nutze die gewonnene Freizeit zum Beispiel zum Lesen: „Das mache ich eigentlich lieber als Pferde putzen.“ (Von Jörn Bender, dpa)