Portraits
16. April 2015

Auf‘s Dach der Welt

Das hätte sich Großvater Eugen Bezner nicht träumen lassen, als er anno 1951 in der heimischen Waschküche die ersten Hemden produzierte: Seine Hemden haben es bis auf „das Dach der Welt“ geschafft.

Es fing alles ganz bescheiden an: Die ersten Herrenoberhemden waren aus Militärstoffen oder Fallschirmseide gefertigt. Bahnbrechend war die Erfindung des Firmengründers: der Original-Bezner-Kragen. Damit erwiesen sich die Hemden als extrem haltbar. Schon damals galt der Grundsatz: „Die einzigartige und kompromisslose Produktqualität ist der absolute Mittelpunkt der Firmenphilosophie.“ Der zweite Geniestreich Eugen Bezners war die Etablierung des Namens „Olymp„, in Anlehnung an das gleichnamige griechische Bergmassiv. Das kleine Unternehmen expandierte rasch, die erste Produktionsstätte in Großingersheim (Kreis Ludwigsburg) musste kontinuierlich erweitert werden.

2011 wurde der geografisch am höchsten gelegene Olymp-Shop in Lhasa/Tibet eröffnet. Aber nicht nur geografisch, sondern auch wirtschaftlich ist diese Marke längst auf dem Olymp angekommen: dynamischste Hemdenmarke Europas, Marktführer in Deutschland, Zuwachsraten, von denen andere Firmen nur träumen können. Die Erfolgsgeschichte des Familienunternehmens ist auch für das „Musterländle“ ungewöhnlich.

Heute führt der Enkel, Mark Bezner, das Familienunternehmen mit Standort in Bietigheim-Bissingen. Sein Vater, Eberhard Bezner, ist Vorsitzender des Unternehmensbeirats. Bezner Junior hat die Produktpalette erweitert durch Freizeit- und Polohemden und auf jede Hemdenkollektion farblich abgestimmte Seidenkrawatten. Seit 2011 wird eine Strickkollektion mit Pullovern, Pullundern, Cardigans und Troyern angeboten. Die Bilanz des erfolgreichen Unternehmers, der mehrfach zum Manager des Jahres gekürt wurde, kann sich sehen lassen: Der Umsatz 2012 wuchs um 8,3 Millionen Euro auf 186,9 Millionen.

In den vergangenen Jahren wurde das Unternehmen mit zweistelligen Zuwachsraten verwöhnt. Mit der assoziierten Maerz-Gruppe in München, die 2010 von Mark Bezner übernommen wurde und auf Strickwaren spezialisiert ist, wuchs der Umsatz auf rekordverdächtige 211,6 Millionen Euro. Großen Erfolg hat der 50-Jährige mit der neuen Kollektion „Olymp Level Five body fit“, eine modische Linie, die sich an den schlanken, modebewussten Mann richtet. Wenn auch der Absatz in Europa, bedingt durch die Wirtschaftskrise etwas schwächelte, so nahm er in Russland und Skandinavien zu. In Deutschland gibt es mittlerweile 40 Monomarkengeschäfte; fünf bis sechs Olymp Stores sollen 2013 hinzukommen. In über 40 Ländern werden Olymp-Hemden verkauft.

Erfolgsgeheimnis Qualität und Konzentration

In dem hellen, lichten Showroom in der obersten Etage der Firmenzentrale kann ich mir ein Bild von den vier aktuellen Kollektionen machen. Besonders gut gefallen mir die kleinen „Eyecatcher“: farblich abgesetzte Kragen und Manschetten oder auch farbige Knöpfe. Der deutsche Mann trägt bunt – Rottöne leuchten neben grün und bleu. Ich werfe natürlich einen Blick auf die Hemden meiner Gesprächspartner: weiß ist angesagt, wohl ein Bedürfnis nach Purismus angesichts der farbenfrohen Kollektionen. Drei Monate dauert es von der Skizze auf den Bügel. Das Design-Team sucht aus Tausenden von Fotos, die von Stylingbüros gekauft werden, die Looks und Farben aus, die zum Olymp-Style passen. Diese werden auf dem so genannten Moodboard zu inspirierenden Collagen zusammengestellt. 95 einzelne Arbeitsschritte sind nötig für die komplexe Fertigung eines Hemdes; etwa 80 Prozent erfolgen in aufwändiger Handarbeit.

Die Gewebe werden eigens für Olymp angefertigt. Hier setzt der Firmenchef auf bewährte Partner in Südosteuropa und Asien, mit denen eine bis zu über 40-jährige enge Zusammenarbeit besteht. Mark Bezner – im besten Sinne wertkonservativ – legt großen Wert auf die unternehmerische Verpflichtung gegenüber den Mitarbeitern und Partnern und ist bestrebt, international anerkannte und nachprüfbare Sozialstandards einzuhalten. Denn, so Bezner: „Gute Produkte sind nur mit zufriedenen Menschen und unter anständigen Arbeitsbedingungen herzustellen.“ Er selbst ist öfters vor Ort und überwacht mit anderen Olymp-Mitarbeitern die Einhaltung der Standards und der Qualitätsmaßstäbe.

Mit einer der Gründe für den Erfolg der Marke ist das Preis-Leistungs-Verhältnis: Ein Olymp-Tendenz-Hemd gibt es schon für 39,95 Euro. Ein Luxor Hemd, bügel- und knitterfrei, kostet zwischen 49,95 Euro und 59,95 Euro. Polos und Freizeithemden bekommt man für 49,95 Euro und die Olymp Strickkollektion bewegt sich im Preissegment zwischen 69,95 Euro und 149,95 Euro. Eine Damen-Kollektion kommt für Mark Bezner nicht in Frage; schwäbisch-umsichtig will er in „wenigen Produkten gut sein.“ Eine Damen-Linie erfordert eine zu große Umstellung: frei nach dem Motto „never change a winning team“; ist doch die Firma in ihrem Bereich perfekt aufgestellt.

Im Bietigheimer Firmensitz laufen alle Fäden zusammen, hier befindet sich auch das Logistikzentrum, in dem vor der Auslieferung nochmals ein letzter Kontrollblick auf die Ware geworfen werden kann. Die Musterkollektionen werden im Haus geschneidert, auch ein kleiner Laborraum für Strapaziertests steht zur Verfügung, in dem Gewebeproben vor der endgültigen Bestellung auf Abrieb, Farbechtheit und Reißfestigkeit getestet werden. Eine große Investition steht ins Haus: ein neuen Logistikzentrum, das sich an die bestehenden Verwaltungs- und Lagergebäude anschließt, soll im September 2013 fertiggestellt werden. Ein Pluspunkt, auf den der Olymp-Geschäftsführer sehr stolz ist, ist die Liefergeschwindigkeit und Auslieferungspünktlichkeit. Um diese auch weiterhin bei der stark wachsenden Nachfrage und hinsichtlich des ansteigenden Produktvolumens zu gewährleisten, war dieser Ausbau zum wohl modernsten europäischen Logistikzentrum für Liegewarenversand in Europa zwingend notwendig.

Soziales Engagement

Etwas weitergeben vom Erfolg, möchten die Bezners auch: Durch die 2008 gegründete Olymp-Bezner-Stiftung werden weltweit Krankenhäuser, Kliniken, Tagesstätten und Wohnheime für Babys, Kinder und Jugendliche unterstützt sowie Kinder und Jugendliche zum Zwecke der Erziehung, Gesundheit und/oder Bildung gefördert. Aktuell wurde in Bangladesch eine Schule für behinderte Kinder gegründet. Hier sollen künftig über 200 vorwiegend körperbehinderte und blinde Jungen und Mädchen von der Vorschule bis zur fünften Klasse betreut werden.

Angelika Rothermel-Geiger