Portraits
21. April 2015

Ein Braumeister „zum Anfassen“

Der Bierkonsum ist seit Jahren rückläufig. Doch es gibt nach wie vor Brauereien, die trotz dieses Trends Jahr für Jahr zulegen. Dazu zählt auch die 1887 in Bayreuth gegründete Brauerei Maisel – ein Interview mit Firmenchef Jeff Maisel.

Redaktion: Fanshops, Sponsoring, ein eigenes Museum etc. Sie nutzen die ganze Bandbreite an Möglichkeiten, um mit Ihrem Familiennamen und der Marke am Markt präsent zu sein. Wie spielen Sie auf diesen Plattformen Ihren Familienunternehmen-Trumpf gegenüber Konzernen aus?

Jeff Maisel: Zunächst einmal vorweg: Als Familienunternehmen hat man nicht nur eine ganz besondere Stellung, sondern auch eine ganz wichtige Rolle in der Gesellschaft. Da gibt es ein Mehr an Herausforderungen, aber natürlich auch eine ganze Bandbreite von Möglichkeiten. Was mir ganz besonders wichtig ist, sind die Punkte Persönlichkeit und Verlässlichkeit. Ich stehe als Inhaber selbst in engem Kontakt mit unseren Kunden, so wie es meine Vorfahren in der 125-jährigen Geschichte unserer Brauerei stets getan haben. Das ist gegenüber den Konzernen, in denen die Ansprechpartner manchmal alle paar Monate wechseln, ein enormer Vorteil. Die Verlässlichkeit hat natürlich auch damit zu tun. Als Unternehmerpersönlichkeit stehe ich zu meinem Wort und unsere Kunden können sich darauf verlassen, dass es über Jahre und Jahrzehnte gilt. Natürlich unterstützen diese Faktoren unsere Marke Maisel’s Weisse und ich versuche ganz bewusst, meine Persönlichkeit einzubringen. Damit haben wir guten Erfolg und können auf kostenintensive Sponsoring-Aktivitäten durchaus verzichten. Wenn wir das tun, dann allenfalls auf regionaler Ebene.

Auch unser Maisel’s Brauerei- & Büttnerei-Museum, das mein Vater und mein Onkel vor über 30 Jahren gegründet haben, ist sicherlich ein guter Beweis für die Möglichkeiten eines Familienunternehmens. Wir erhalten hier ein historisches Gebäude und bewahren die Brau-Tradition ohne auf den monetären Benefit bis zum letzten Cent zu achten. Aber gerade das zahlt ungeheuer auf die Marke und ihren Erfolg ein.

Redaktion: Was halten Sie für die wichtigsten Eigenschaften und Werte, mit denen Familienunternehmen in der Öffentlichkeit punkten können?

Jeff Maisel: Da sind wir wieder beim Punkt Verlässlichkeit. Wir haben Kunden, die wir seit über 100 Jahren beliefern dürfen. Die Vorfahren der heutigen Inhaber haben schon mit meinem Urgroßvater Geschäfte gemacht. Solche engen Verbindungen, aus denen teilweise langjährige Freundschaften entstanden sind, gibt es in Konzernen kaum. Nur als Familienunternehmen können wir solche langfristigen und partnerschaftlichen Verbindungen aufbauen.

Darüber hinaus punkten meiner Meinung nach Familienunternehmen mit einem hohen Maß an sozialer Verantwortung. Unser ganzes Unternehmen ist ein starkes Team und nicht irgendwelchen anonymen Shareholdern verpflichtet. Ich pflege einen sehr teamorientierten Führungsstil und wir sind über alle Hierarchiestufen hinweg per Du. Darüber hinaus weiß jeder bei uns, dass er, wenn er seine Leistung bringt, einen guten und sicheren Arbeitsplatz hat und nicht damit rechnen muss, dass wir unsere Strategie von heute auf morgen ändern und plötzlich Mitarbeiter entlassen.

Gerade bei den Brauereien kommt den Familienunternehmen noch eine besondere Rolle zu. Bier ist nach wie vor ein handwerkliches Produkt. Viele Menschen wollen einen Braumeister „zum Anfassen“ und haben eine hohe emotionale Bindung zu „ihrer“ Brauerei. Das können wir als Familienunternehmen im Gegensatz zu großen Konzernen bieten. Ich selbst bin bei vielen Gesprächen mit unseren Kunden vor Ort oder empfange sie persönlich in unserer Brauerei. Einmal im Jahr veranstalten wir beispielsweise das Maisel’s Weissbierfest, bei dem wir an einem Wochenende die ganze Bevölkerung auf unser Brauereigelände einladen und zusammen mit den Menschen feiern.

Redaktion: Sie geben auf Ihrem Portal unter anderem Kunden, Lieferanten und Mitarbeitern ein öffentliches Versprechen. Wie werden Sie diesem Anspruch tagtäglich gerecht – vor allem wenn mal etwas schief oder nicht rund läuft?

Jeff Maisel: Das öffentliche Versprechen ist Teil unseres Leitbilds, das wir im Team erarbeitet haben und an dem wir uns in unserer täglichen Arbeit orientieren. Der Wertestern hängt bei jedem Mitarbeiter am Arbeitsplatz und gibt ihm die Leitplanken, innerhalb derer er agieren kann. Wir geben gegenüber Kunden, Lieferanten, Mitarbeitern, Netzwerkpartnern aber auch gegenüber der Gesellschaft/Region und den Kapitalgebern ein Versprechen ab, wie wir uns verhalten werden. Damit kann uns jeder einschätzen, wie wir sind und was wir tun. An diesem Versprechen lassen wir uns gerne messen und deshalb darf und soll es jeder kennen. In der Umsetzung verlassen wir uns natürlich nicht nur auf das Feedback, das wir erhalten. Wir prüfen ganz gezielt, ob wir uns in unserer täglichen Arbeit an unsere Versprechen halten. So führen wir beispielsweise regelmäßig Mitarbeiterbefragungen durch. Auch ausgewählte Lieferanten werden befragt, und nicht zuletzt lassen wir uns durch ein externes Unternehmen insbesondere im Hinblick auf die Einhaltung unserer Versprechen prüfen.

Aber klar ist: Auch bei uns passieren Fehler. Dann kommt es darauf an, wie man damit umgeht. In unseren Werten haben wir „ehrliche Kommunikation“ festgeschrieben und damit haben wir nur positive Erfahrungen gemacht. Wir wollen – und so lautet auch unser Motto – dass es „mit uns einfach mehr Spaß“ macht – sowohl den Mitarbeitern als auch unseren Kunden und Lieferanten. (-hf)

www.maisel.com