Portraits
27. April 2015

Führungsduo: Wissen, wovon der andere spricht

Zusammen leben, gemeinsam ein Unternehmen führen – Berenice und Gerald Gommel tun das seit fast 20 Jahren. Sie sind einhellig der Meinung: Die Vorteile überwiegen. 1995 hat das Paar aus Weissach bei Stuttgart gemeinsam die „GOTECH Fahrzeug Entwicklungs- und Konstruktionsgesellschaft mbH“ gegründet. Das Familienunternehmen betrachtet sich als Entwicklungspartner von Automobilherstellern und -zulieferern. Von der ersten Konzeption bis zum Serienstart eines Produkts formt und begleitet das hoch spezialisierte Team aus 32 Ingenieuren und Technikern den Workflow in enger Zusammenarbeit mit seinen Kunden. Unter den Kunden der Weissacher Spezialisten finden sich bekannte Namen wie Behr, Daimler, Leoni, Porsche und Sumitomo.

Die Zuständigkeiten im Unternehmen haben sich Berenice und Gerald Gommel aufgeteilt. Gerald hat die technische Leitung, Berenice kümmert sich um die betriebswirtschaftliche Seite und das Personal. Die Akquise teilen sie sich, je nach Kunde und Art der Beratung. Liegt der Schwerpunkt auf der Technik, muss natürlich der technische Leiter ran.

Gemeinsame Verantwortung

Festgeschriebene Regeln für den Umgang miteinander hat das Paar, beide Mitte 50, nicht. Sie sind jedoch davon überzeugt, dass das ständige Gespräch die wichtigste Grundlage dafür ist, dass es geschäftlich und privat klappt. „Wir treffen unsere Entscheidungen gemeinsam. Die bessere Lösung gewinnt“, sagt die Unternehmerin. „Man muss auch Kompromisse eingehen können.“ Natürliche gehe es manchmal „hart zur Sache“, gibt Gerald zu: „Vielleicht dauert eine Entscheidung ab und zu länger, weil man die eigene Sturheit überwinden oder das eigene Ego zurückstellen muss. Aber sobald wir diese Stufe der Auseinandersetzung überwunden haben, finden wir immer eine dritte Lösung, die besser ist als die ersten beiden.“ Man dürfe sich nicht in die Schmollecke zurückziehen, ist Berenice überzeugt. „Wir haben eine gute Streitkultur und finden immer ins Gespräch. Wenn man zusammen arbeitet, muss man Wege finden. Schließlich haben wir ein gemeinsames Ziel und tragen Verantwortung gegenüber unseren Mitarbeitern.“

In der Führung durch ein Paar sehen die Gommels einen großen Vorteil, der sich aus der unterschiedlichen Herangehensweise von Männern und Frauen an Menschen und Probleme ergebe. „Das gibt tolle Synergien“, sagt Gerald. „Was ich nicht so gut kann, kompensiert meine Frau und umgekehrt. Jeder von uns macht das, was er am besten kann. Das hilft uns vor allem im Umgang mit anderen Menschen, mit unseren Mitarbeitern und Kunden.“

Firma im Mittelpunkt

Fragt man nach den Nachteilen der gemeinsamen Unternehmensführung, schütteln beide den Kopf. „Vielleicht reden wir manchmal etwas zu viel über die Firma“, sagt die Unternehmerin, „denn wir nehmen natürlich alles mit nach Hause.“ Gerald gibt zu: „Abschalten ist schwierig. Der Abstand zum Unternehmen ist eigentlich nie gegeben. Selbst im Urlaub machen wir Strategiespiele.“ Andererseits empfinden es beide als Vorteil, dass sie zuhause mit jemandem über ihre Arbeit sprechen können, der weiß, worum es geht. „Es langweilt mich nicht, wenn wir zuhause über die Firma sprechen“, sagt Berenice. „Wenn Gerald zum Beispiel eine gute Idee hat, nimmt mich das ebenso gefangen wie ihn. Wir können sie gemeinsam weiterentwickeln. Wir sind beide auf dem gleichen Stand, wissen, wovon der andere spricht, kennen die Menschen, um die es geht. Der andere kann die richtigen Fragen stellen. Er muss nicht erst abgeholt werden. Er ist schon da.“

Die Gommels sind von ihrer Stärke als (Unternehmer)Paar überzeugt. „Grundsätzlich sind wir uns einig und verfolgen dieselben Ziele.“ Zurzeit ist das langfristige Ziel eine „gute Übergabe“, wie Berenice es beschreibt. „Wir sind mit unserer Firma immer behutsam umgegangen, haben zum Beispiel darauf geachtet, dass wir verträglich gewachsen sind. So soll es auch mit der Nachfolge sein.“ Deshalb werden jetzt schon die Weichen für die Nachfolge gestellt. „Wenn wir einmal um die 60 sind, und das ist nicht mehr allzu weit weg, möchten wir nur noch beratend tätig sein“, sagt Berenice. Gerald fügt hinzu: „Mit 65 sind wir dann weg.“

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