Portraits
25. April 2015

Lösungen suchen statt Probleme sehen

Wiestaw Kramski hat ein Gründerherz. Der Familienunternehmer aus Pforzheim hat sein erstes Unternehmen mit Geld aus einem „Capital“-Wettbewerb gegründet und vor zehn Jahren eine Edelschmiede für Putter auf die Beine gestellt.

Kramski ist ein Energiebündel und „besessen“, wie er selbst sagt. Andere würden es vielleicht Leidenschaft nennen. Sein erstes Unternehmen hat er 1978 gegründet, aber „die Entscheidung ist natürlich schon lange vorher gefallen“. „Ich hatte eine gute Idee, eine Frau und zwei Kinder, kein Geld, keine Räume, keine Kunden und keine Mitarbeiter“, erzählt der Unternehmer. Deshalb beteiligte er sich an einer Ausschreibung der Zeitschrift „Capital“. Mit seinem Konzept einer fiktiven Werkzeugbaufirma zum Marktführer zu werden, überzeugte er die Jury und hatte sein Startkapital in Höhe von 30.000 D-Mark. Heute ist die Kramski-Gruppe ein unabhängiges Unternehmen, das technologisch anspruchsvolle Stanz- und Spritzgießteile sowie Baugruppen und Werkzeuge für komplizierte Produkte entwickelt und produziert mit weltweit etwa 600 Mitarbeitern.

Die Dinge besser machen

Entscheidenden Anteil an Kramskis Wunsch nach Selbstständigkeit hatten seine ehemaligen Vorgesetzten. „Ich nannte sie die Drei-Uneinigkeit“, schmunzelt der Unternehmer. In seinem Unternehmen wollte er die Dinge besser machen. Nach seiner Auffassung hat ein Unternehmer eine soziale Verantwortung, der er gerecht werden muss. Deshalb stellt Kramski auch bewusst ältere Mitarbeiter ein. „Letztes Jahr haben wir einen 57-Jährigen eingestellt“, erzählt er. „Das haben wir schon praktiziert, als noch niemand vom demografischen Wandel gesprochen hat. Insgesamt haben wir eine gute Mischung. Das Durchschnittsalter liegt bei 37,84 Jahren. Natürlich bilden wir auch aus, aktuell haben wir 27 Auszubildende in Deutschland und 17 in Sri Lanka.“ Neben technischer Innovation, Präzision und einem wertschätzenden Umgang mit den Mitarbeitern ist es dem positiv denkenden Unternehmer vor allem wichtig, „nicht die Probleme zu sehen, sondern nach Lösungen zu suchen“.

Auf den Putter gekommen

Das Unternehmen prosperierte und stellte sich mit Töchtern in den USA, Sri Lanka und Indien auch international auf. Doch das war dem Unternehmer nicht genug. Getreu seinem Motto „Wer das tut, was er gerne tut, braucht sein ganzes Leben nicht zu arbeiten“, machte er vor zehn Jahren sein Hobby zum Beruf. Auf einer Serviette entstanden am Esstisch die ersten Entwürfe für einen Putter. Der leidenschaftliche Golfspieler war unzufrieden, mit dem, was der Markt bot. „Am Anfang schaute ich mich um, konnte aber den Putter, von dem ich träumte, nicht finden. Also beschloss ich, ihn mir selbst zu bauen.“ Heute erobern die Putter made in Germany rund um den Globus die Spielerszene und Kramski ist zu einem Guru der Putting-Szene geworden.

Bei den Puttern ist es nicht geblieben. Mittlerweile werden in Pforzheim auch Griffe gefertigt und in der „Putting Academy“ bringen Kramski und seine Mitarbeiter die Fähigkeiten der Golfer und die Möglichkeiten des Putters zusammen. „Unsere Putter brillieren mit einem ausgewogenen Kopfgewicht und einem optimalen Schwerpunkt und ermöglichen so von Haus aus extrem präzise Putts“, sagt Kramski. „Die Technik, die in unseren Puttern steckt, ist jedoch nicht das Entscheidende. Um konstante Erfolge auf dem Grün zu erzielen, braucht es auch die richtige Anwendungsmethodik. Damit unser ganzheitliches Konzept bestehend aus Putter, Fittingmethode und unserer Putt-Philosophie erlernt und verinnerlicht werden kann, bieten wir deshalb Amateuren und Profis standardisierte Kurse und Trainingseinheiten in unserer Putting Academy an.“ Durch dieses Training soll die Putt-Statistik der Spieler dauerhaft verbessert werden. Das Kursangebot umfasst neben eintägigen Gruppenseminaren auch Workshops und Lehrgänge für Clubfitter sowie private Analyseschulungen inklusive Fitting und Re-Fittingterminen. Mit dieser ganzheitlichen Methode hat Kramski neue Maßstäbe für die Branche gesetzt und differenziert sich nachhaltig vom Wettbewerb.

Besessen vom perfekten Putt

Stillstand gibt es für Kramski nicht. Deshalb ist die Entwicklungs- und Konstruktionsabteilung der wahre Kern der Unternehmensgruppe. „Seit mehr als zehn Jahren bin ich jetzt damit beschäftigt, das Phänomen putten zu beobachten“, sagt der 64-Jährige. „Ich glaube, inzwischen habe ich 99 Prozent der Geheimnisse gelüftet. Ich kann innerhalb von Minuten sagen, was ein Spieler nicht richtig macht, ob er den Schläger falsch hält, ob die Haltung nicht stimmt oder ob er den falschen Putter benutzt.“ Nach zehn Jahren Putterentwicklung hat der gelernte Werkzeugmacher erkannt, dass viele Fehler aus den Griffen kommen und hat begonnen sich genauso akribisch mit den Griffen zu beschäftigen. „Es kann doch nicht sein, dass ein Griff für Personen mit einer Körpergröße von 1,60 bis zwei Meter passen soll“, bringt er es auf den Punkt.

Mittlerweile gibt es sieben im Durchmesser unterschiedliche Griffe, die für jede Schaftlänge von 24 bis 36 Inch geeignet sind. Das jüngste Projekt des Putter-Papstes sind Junior-Putter für Kinder von sechs bis etwa zehn Jahren. Die Putter HPP 300Junior können gewichtsmäßig so verändert werden, dass die Kinder den Putter einige Jahre spielen können. „Für mich ist wichtig, dass bereits die Anfänger richtig putten lernen“, sagt Kramski, „denn was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr oder hat es zumindest viel schwerer, weil er sich falsche Gewohnheiten abtrainieren muss.“

Auf Siegeszug

Die Nachwuchsförderung ist für den Unternehmer eine Herzensangelegenheit – nicht nur im Unternehmen, sondern auch im Golfsport. Die jungen Golfspieler mit den Puttern aus dem Hause Kramski stehen meist ganz oben auf dem Treppchen, wenn es um Preisverleihungen geht. Ein Beispiel dafür ist der 14-jährige Top-Amateur Dominic Foos. Mit einem Kramski-Putter gewann er die „German Boys & Girls Open 2012“ und stellte in St. Leon-Rot einen neuen Platzrekord auf. Auch der Platzrekord auf dem traditionsreichen „Old Course“ von St. Andrews wurde mit einem Putter aus Pforzheim gebrochen. An anderer Stelle erregen die Präzisions-Putter ebenfalls Aufsehen. Die Kramski-Putter wurden für den „German Design Award 2013“ in der Kategorie „Communication Tools: Corporate Design“ nominiert, den internationalen Premiumpreis des Rats für Formgebung.

Eine Entwicklung, die der Fachwelt noch 2004 nur ein mitleidiges Lächeln entlockt hätte. Damals präsentierte Kramski seinen HPP 330 zum stolzen Preis von 1.200 Euro. „Damit war ich etwa zehnmal so teuer wie der Wettbewerb“, sagt der Putter-Spezialist. „Für einen Driver, den man zehn- bis zwölfmal pro Runde benutzt, wurde mehr gezahlt als für einen Putter, den man immerhin 36mal benutzt. Wir konnten schließlich ein maßgeschneidertes Produkt anbieten, das seinem Besitzer mehr Erfolg bringt.“ Nach zehn Jahren sieht Kramski sich bestätigt. Seine Putter sind selbst in Korea ein Begriff und er selbst gilt dort als „bester Trainer der Welt“, „obwohl ich gar keiner bin“, sagt Kramski. „Unsere Putter und auch die Academy haben sich weltweit etabliert. Die Ergebnisse mit unseren Puttern, die Meldungen der Academy-Teilnehmer sind ausgezeichnet und auch die Erfahrungen, die ich mit Tour-Pros oder Europameistern gemacht habe, zeigen mir, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Nach wie vor sind wir zurzeit die einzige Firma weltweit, die ein ganzheitliches Putting-Konzept bietet.“