Portraits
20. April 2015

Perlen: Geschenk der Ozeane

Das Motto der Fashion- und Schmuckdesigner lautet zur Zeit „Zurück zur Natur!“ Das ist das Comeback der Perlen, der schimmernden Geschenke der Ozeans. Perlen wurden zwar zu allen Zeiten von eleganten Frauen jeden Alters gern getragen, aber jetzt erleben sie eine wahre Renaissance. Von klassischen, glatten Zuchtperlen unterschiedlicher Farben bis hin zu kleinen, unterschiedliche geformten Süßwasserperlen schimmert es wieder sanft an Ohren, Armen und Dekolletes. Auch Hollywood-Beautys wie Sarah Jessica Parker und Katherine Heigl haben Perlen wieder entdeckt.

Perlen wurden zufällig bei der Muschelsuche entdeckt. Sie sind das Ergebnis einer natürlichen Abwehrreaktion der Muschel gegen Fremdkörper. Perlenzüchter haben sich das zunutze gemacht. Sie setzen einen Kern in eine Perlenauster und leiten damit die Abwehrreaktion ein. Die Dicke der Perlmuttschicht ist abhängig von der Länge der Zucht- und Pflegephase. Doch auch wenn sie gezüchtet werden, bleiben Perlen ein reines Naturprodukt, das nur sehr eingeschränkt beeinflusst werden kann.

Tränen der Götter

Wer sich näher mit Perlen befasst, wird schnell feststellen, dass es ein sehr komplexes Thema ist und auch ein Mysterium, ein Wunder der Natur. Robert Wan ist Perlenzüchter und der größte Arbeitgeber in Französisch-Polynesien. Über Perlen sagt er: „Jede Perle ist so undefinierbar wie eine Frau. Jede Tageszeit, jedes Licht und jeder Ort, an dem man sie betrachtet, bringen eine andere Seite ihrer Schönheit hervor. In der Perlenmanufaktur Gellner im baden-württembergischen Wiernsheim werden die Perlen von Robert Wan zu Schmuck verarbeitet. 1995 setzte das Unternehmen mit dem Spannring einen ganz neuen Trend – direkter Hautkontakt für die Perle am Ring. „Der Faszination der Perlen erliegt man sehr schnell“, sagt Gellner. „Nicht umsonst heißen sie auch die Tränen der Götter.“ Selbst ihm als Perlenhändler passierte es einmal, dass er eine Perle seine „Sissy“ für sich behalten wollte. „Das war die größte Perle, die ich jemals gesehen habe. Gut möglich, dass mir so eine Perle in den nächsten 20 Jahren nicht mehr begegnet. Sie war komplett schön, ohne Fehler“, schwärmt er noch heute. „Zum Glück konnte ich sie in gute Hände geben.“

Sanft und anpassungsfähig

Frauen lieben Perlen, weil sie schmeicheln. Sie schimmern sanft und passen sich jedem Kleidungsstück an. Je nachdem, welche Farbe oder welche Kombination mit anderen Steinen oder Materialien man wählt, können sie elegant, fröhlich oder auch einmal kühl wirken. Stimmen muss auf jeden Fall der so genannte Lüster, ein Ausdruck für den Glanz und Schimmer der Oberfläche. Form und Farbe spielen für die Trägerin sicher ein Rolle. Von allgemeiner Bedeutung ist die Größe, also der Durchmesser der Perle. Experten ziehen eine kleinere Perle mit einem schönen Glanz einer großen, aber nicht so schön schimmernden vor. Die Klassiker sind die Akoya-Zuchtperlen aus Japan. Südsee-Zuchtperlen sind die kostbarsten und werden auch „Königin der Perlen“ genannt. Ihre Farben reichen von Silberweiß, Weiß-Rosé bis zu tiefen Goldtönen. Tahiti-Zuchtperlen wie die von Robert Wan decken eine Farbskala von Dunkelgrau bis Grüngrau, Aubergine und Braun ab.

Entscheidend ist jedoch, was die Designer daraus machen. Perlen werden heute ganz verspielt in blütenreiche Formen eingebaut, mit weichem Leder und Seide kombiniert, oder leuchten neben Jade und rohen Diamanten. Mittlerweile zieren sie sogar Accessoires wie Uhren, Taschen und Schuhe. Im Trend liegen lange, mehrreihig getragene Ketten oder mit aufwändigen und auffallenden Schließen, große extravagante Perlen, kombiniert mit anderen Steinen, und dunkle Tahitiperlen.

„Man sagt, dass eine getragene Perle am schönsten ist, und das stimmt wirklich. Durch die Körpertemperatur, die die Perle annimmt und durch die Feuchtigkeit der Haut, entfaltet sich der Lüster besser. Es gibt viele Perlketten, die im Liegen niemals so schön aussehen, wie wenn sie getragen werden.“ (Jörg Gellner)