Portraits
23. April 2015

Überzeugungstäter

Norbert Lehmann trug schon als junger Erwachsener feine Budapester aus dem Hause Heinrich Dinkelacker an den Füßen. 2004 hat er das 1879 gegründete Familienunternehmen, dem ein Nachfolger fehlte, zusammen mit Wendelin Wiedeking und Anton Hunger gekauft.

Seitdem hat sich einiges getan. Die drei Gesellschafter haben einen siebenstelligen Betrag investiert, die Kollektion erweitert und neue Märkte aufgetan. Gleich geblieben sind Qualität, Bequemlichkeit, Passformbeständigkeit und Langlebigkeit der Schuhe. Angefertigt werden sie nach wie vor in Budapest in reiner Handarbeit. 300 Arbeitsschritte sind für ein Paar Budapester nötig, etwa 15 Tage dauert es etwa bis ein Paar Schuhe die Manufaktur verlässt. Etwa 10.000 Paar pro Jahr fertigen die 40 Mitarbeiter in Budapest. Natürlich haben die edlen Stücke ihren Preis, doch im Showroom in Bietigheim-Bissingen kaufen nicht nur die Wohlhabenden, denn ein Budapester begleitet seinen Träger jahre- oder gar jahrzehntelang. Manche lassen Sie immer wieder aufarbeiten.

Schuhwerk vom Feinsten

Die rahmengenähten Herrenschuhe aus Budapest gibt es in vielen unterschiedlichen Modellen, jeweils für schmale, normale und breitere Füße. Seit der ehemalige IBM-Manager Lehmann 2004 den erfahrenen Peter Pantscharowitsch als Produktionsverantwortlichen gewinnen konnte, wurde die Kollektion behutsam modernisiert. So werden neue Modelle mittlerweile auch in klaren, großflächigen Schnitten mit gradlinigem Design entworfen. Und auch im Casualbereich hat sich viel getan. Es gibt sogar einen „Wasenschuh“ aus Wasserbüffelleder mit passendem Gürtel in Anspielung auf das Stuttgarter Volksfest, den Wasen. Ein Dauerbrenner seit über 60 Jahren und ein typischer Budapester mit dem traditionellen Lochmuster, der Lyra, nach vorne gezogener Spitze und der offenen Derby-Schnürung ist der „Rio“. Und auch der für die Dinkelacker-Budapester typische zweifarbige Zopfrahmen erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit.

Maximilian Lehmann, Sohn von Norbert Lehmann und verantwortlich für den Shop, das Marketing und den Vertrieb in Österreich, Schweiz und China, trägt natürlich auch Budapester von Dinkelacker. Zum Anzug bevorzugt er die Modelle Luzern oder Rom in Schwarz, in der Freizeit den „Chuccaboot“ in Kalbvelour oder den „Hillbilly“ mocca. Aber auch das Modell in Pferdeleder hat es dem 30-Jährigen angetan. „Pferdeleder ist unverwüstlich“, erklärt er. „Es ist zwar anfangs etwas steifer als Kalbsleder, aber man kann sogar Kratzer wieder herauspolieren.“

Natürlich kann man sich auch einen Maßschuh anfertigen lassen. Dafür stehen in Bietigheim-Bissingen zwei Schuhmachermeister bereit, die die Kundenfüße vermessen, einen individuellen Leisten fertigen, der dann nach Budapest versandt wird. Dort wird ein Schuh daraus, der optimal sitzt. Allerdings muss man dafür beim ersten Mal etwa fünf Monate Wartezeit in Kauf nehmen. Bei der zweiten Bestellung geht es dann schon schneller, denn der Leisten bleibt in Budapest und kann jederzeit wieder verwendet werden.

Auf der Erfolgsspur

Fragt man Maximilian Lehmann nach dem wichtigsten Merkmal der Dinkelacker-Budapester kommt wie aus der Pistole geschossen die Antwort: „Die Qualität der Materialien und die handwerkliche Herstellung.“ Deshalb bezieht das Unternehmen das Leder nur von bekannten Gerbern, mit denen eine langjährige vertrauensvolle Zusammenarbeit besteht. Die Kalbsleder stammen aus Italien, Deutschland und Frankreich, das Pferdeleder kommt direkt aus der wohl berühmtesten Gerberei – Horween in Chicago. Lauf- und Brandsohle stammen von dem Trierer Traditionsunternehmen Rendenbach.

Der hohe Qualitätsanspruch setzt dem Wachsum des Unternehmens Grenzen, denn „wir können gar nicht schnell wachsen“, sagt der Junior. „Es ist nicht einfach, Nachwuchs für das Handwerk zu finden.“ Trotzdem habe man in den letzten Jahren ein ordentliches und kontinuierliches Wachstum erzielt, mit dem man zufrieden sei. Auch der Schritt in neue Märkte ist gelungen. Für China gibt es mittlerweile sogar eine Sonderkollektion mit 13 Sondermodellen und eventuell bald einen Showroom in Shanghai. In den nächsten Jahren möchte das Unternehmen in den USA und Russland Fuß fassen. In Japan, wo Dinkelacker schon sehr früh tätig war, konnte der Umsatz verdoppelt werden.

Und die Nachfolge scheint auch schon in die Wege geleitet, denn der Junior ist wie Vater Norbert Überzeugungstäter: „Unsere Budapester sind ein tolles Produkt, hinter dem ich zu hundert Prozent stehen kann“, sagt er. „Dieser Ansicht sind auch unsere Kunden. Wer einmal einen Dinkelacker-Schuh getragen hat, bleibt der Marke in der Regel treu. Die Qualität überzeugt.“

Tipp: Budapester von Dinkelacker gibt es in dem von Hadi Teherani designten Showroom in Bietigheim-Bissingen, bei Manufactum, bei Görtz, im Berliner KaDeWe und Budapester, im Stuttgarter Breuninger, bei Zumnorde, Soer und vielen anderen teils auch sehr kleinen Schuhmachern.