Portraits
19. Mai 2015

Franchise: Glaubwürdigkeit zählt

Regine Schlossnickel betreibt in Pforzheim eines von 115 Kieser-Training-Studios in Deutschland. Sie schätzt die zahlreichen Vorteile als Franchisenehmerin, betont aber, dass es ein Irrtum ist, zu glauben, als Franchisenehmer könne man sich auf die Systemzentrale zurückziehen. „Ich habe noch nie im Leben so viel gearbeitet wie ab dem Zeitpunkt als ich mich entschloss, Franchisenehmerin der Kieser Training AG zu werden“, sagt die Unternehmerin.

„Viele Kieser-Studios werden von ehemaligen Instruktoren betrieben, die sich zu Gesellschaftern eines Studios zusammengeschlossen haben. Ich habe bei null und alleine begonnen. Deshalb musste ich zunächst einmal die notwendige Ausbildung machen, also die Instruktoren- und Therapeutenausbildung, die Betriebsleiter- und schließlich die Geschäftsleiterausbildung. Danach folgte ein dreimonatiges Franchisenehmer-Praktikum in Frankfurt. Anschließend standen die Erstellung eines Businessplans, der Umbau einer alten Uhrenfabrik in Pforzheim zum Studio und die Ausbildung meiner Mitarbeiter an.“

Die zielstrebige 57-Jährige hat es geschafft. Einen Tag vor der Eröffnung am 19. Dezember 2006 schlossen die Mitarbeiter ihre Ausbildung ab. Den Arzt mit Kieser-Ausbildung, der jedem Studio zur Seite steht, gab es noch nicht, aber „ich konnte für den Anfang einen Arzt aus einem anderen Betrieb zum Einspringen gewinnen“, erzählt Schlossnickel. Seitdem geht es aufwärts. „Wir sind von Anfang an gut gestartet“, sagt die Unternehmerin und schaut zufrieden über die 600 Quadratmeter Fläche mit 45 Trainingsmaschinen und vier speziellen Therapiemaschinen für Rücken, Halswirbelsäule und die tiefliegende Rückenmuskulatur. In zwei Schichten an 365 Tagen im Jahr betreuen die zehn Mitarbeiter den wachsenden Kundenkreis.

Aus Zufall wird Überzeugung

Fragt man die Unternehmerin, weshalb sie sich gerade für Kieser entschieden hat, erzählt sie eine Geschichte von Zufall, ihrer Affinität zu Sport und einem positiven Bauchgefühl. „Der erste Anstoß kam durch einen Fernsehbericht über Kieser Training. Ich war aus dem elterlichen Unternehmen ausgestiegen und die Idee, etwas mit Sport zu machen, gefiel mir. Als ich in die Schweiz fuhr, um erste Gespräche zu führen, lernte ich dort den Gründer Werner Kieser kennen. Er machte auf mich einen absolut glaubwürdigen Eindruck. Außerdem hatte ich sehr gute Gesprächspartner, egal worum es ging. Ich hatte einfach ein gutes Bauchgefühl“, sagt Schlossnickel. Nachdem sie sich entschieden hatte, ging es Schlag auf Schlag. „Ich bekam einen Vorvertrag mit Gebietsreservierung. Die AG erstellte eine Standortanalyse und ich begann mit der Ausbildung. Danach bekam ich einen Zehnjahresvertrag, den ich zweimal um je fünf Jahre verlängern kann. Dafür habe ich eine Einstiegsgebühr von 30.000 Euro bezahlt. Fünf Prozent meines Umsatzes gehen an die AG als Franchisegebühr plus zwei Prozent für überregionales Marketing. Weitere etwa fünf Prozent habe ich für regionale Marketingmaßnahmen vorgesehen.“ Hinzu kamen anfangs der Ausbau des Studios, die Anschaffung der Maschinen und sonstigen Einrichtungsgegenstände, sodass sich die Investitionssumme insgesamt auf mehrere hunderttausend Euro belief.

„Investieren muss ich immer, wenn ich ein Unternehmen aufbaue“, sagt Schlossnickel. „Als Franchisenehmerin habe ich jedoch zahlreiche Vorteile. Der Franchisegeber unterstützt mich in vielen Bereichen wie Marketing, Forschung, medizinischer Technik und Finanzen. Die Mitarbeiterausbildung bezahle ich zwar selbst, aber Kieser sorgt für das nötige Know-how, die Aktualisierung und Standardisierung. Ich muss keine Vorratshaltung betreiben. Sobald ich etwas brauche, bestelle ich es im Intranet. Wenn Mitarbeiter erkranken, finde ich über das Intranet jemanden, der einspringt. Außerdem unterstützt die Zentrale regelmäßig bei der Qualitätssicherung. Zentral erstellte TV- und Radio-Spots stehen zu meiner Verfügung.“

Man muss sich finden

Natürlich setze der Franchisegeber Standards, die der Franchisenehmer einhalten müsse. „Die komplette Einrichtung bis hin zu den Duschen und Mülleimern ist vorgegeben. Hier habe ich keine Gestaltungsmöglichkeiten“, gibt Schlossnickel zu. „Die Prozesse sind vorgeschrieben. Die Qualitätsstandards in allen Bereichen und die Markenführung bestimmt der Franchisegeber. Der Markenauftritt ist überall derselbe. Jeder Kunde soll sich in jedem Kieser-Studio auf der ganzen Welt zurechtfinden. Daran gibt es nichts zu rütteln.“ Aber regional, in ihrem Bereich habe sie als Franchisenehmerin durchaus Gestaltungsmöglichkeiten. Deshalb achte sie auf eine gute Vernetzung vor Ort und beteilige sich an lokalen Aktivitäten und Veranstaltungen wie einem Marathon, betont Schlossnickel.

„Die AG hat ihre Standards, die Franchisenehmer haben ihre Wünsche. Man muss sich finden, denn letztlich kann keiner ohne den anderen. Die Franchisenehmer sind in verschiedenen Gremien vertreten, es gibt Jahresversammlungen und andere Gelegenheiten, bei denen sich die Partner abstimmen können“, beschreibt Schlossnickel die Zusammenarbeit. „Der Franchisegeber braucht die Beschleunigung durch die Franchisenehmer und deren Feedback. Nur gemeinsam sind wir stark. Die Franchisenehmer müssen sich einbringen und auch Vertrauen haben können. Am Ende zählt die Glaubwürdigkeit, nicht nur die der Marke, sondern auch die jedes Franchisenehmers gegenüber seinen Mitarbeitern und Kunden. Der Unternehmer muss hinter dem stehen, was er macht.“

Training ohne Schnickschnack

Franchisegeber Werner Kieser eröffnete das erste Kraftstudio in Zürich. Heute gibt es über 140 Betriebe in acht Ländern. Das Krafttraining an den Maschinen beugt Rückenbeschwerden vor, fördert die Fettverbrennung und strafft die Figur. Die Trainingsmethode ist sehr effizient. Ein- bis zweimal 30 Minuten Training pro Woche sind ausreichend. Die Studios bieten nicht nur Training, sondern auch Therapie und eine professionelle Begleitung durch eigens ausgebildete Instruktoren und Ärzte. Verschiedene Trainingsprogramme für Läufer, Tennis- und Golfspieler, für Skiläufer oder Beckenboden sorgen für gezielte Ergebnisse. Spiegel, Hintergrundmusik, Fernseher, Sauna oder Saftbar sucht man bei Kieser vergeblich. Das Training steht im Mittelpunkt. (-ap)

www.kieser.de

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