Portraits
16. Mai 2015

Mit Mut, Erfahrung und Regelbruch

Auf dem Golfplatz herrschen Kleidervorschriften. Auf einigen Plätzen werden sie ernst genommen, auf anderen etwas weniger, aber einige Grundregeln gelten überall. Meistens wirkt Golf-Mode etwas antiquiert und ist außerhalb des Platzes eigentlich nicht tragbar, denn „man kommt sich immer irgendwie verkleidet vor“, wie eine Golfspielerin sagt. Desi Görtz und Harald Jacob sind mit ihrem Label „Spoon“ angetreten, das zu ändern: „Wir machen exklusive Golf-Mode, die nicht nur die sportlichen Anforderungen vollkommen erfüllt, sondern von den Golfspielern auch gerne außerhalb des Platzes getragen wird.“

Nach fast 20 Jahren Erfahrung in der Fashion-Branche haben die beiden diplomierten Designer 2010 ihr eigenes Unternehmen gegründet mit Büros in Stuttgart und Italien und einem von Berlin aus betreuten Online-Shop. Die Logistik hat das Familienunternehmen Fiege übernommen. Die beiden Jungunternehmer hatten es satt, für andere zu arbeiten. „Ich dachte mir, wenn ich schon Tag und Nacht arbeite, soll es für mich selbst sein“, sagt Görtz. „Die Partnerschaft mit Harald Jacob war sozusagen gesetzt. Wir hatten schon immer davon geträumt, unser eigenes Fashion-Unternehmen zu gründen.“ Klar war auch, dass im Fashion-Bereich nur eine Positionierung im Premium-Bereich in Frage kommen würde. „Wir kennen die Branche. Wir haben für S. Oliver, Esprit und Ambiente gearbeitet. Dagegen können wir uns nicht behaupten“, so Görtz weiter.

Geschenk bringt zündende Idee

Der Anstoß zur zündenden Idee kam schließlich durch ein Geschenk der Schwiegermutter. „Meine Schwiegermutter schenkte mir Golfschläger und ich begann Golf zu spielen“, erzählt Görtz. „Leider habe ich nichts zum Anziehen gefunden, das mir gefiel und das ich auch nach dem Spiel hätte tragen können.“ Von dieser Erfahrung bis zur Idee war es nicht weit. Weshalb nicht Golf-Bekleidung entwerfen, die man auch anziehen kann, um nach dem Spiel mit der Freundin essen zu gehen oder in der City zu shoppen? Görtz und Jacob setzten sich mit der Idee auseinander und sahen ihre Chance. „Wir haben die klassische Golf-Mode entstaubt und uns auf diese Weise eine Nische und Zugang zum Fashion-Markt geschaffen“, sagt der 45-jährige Jacob.

Für die Gründung nahmen die beiden jungen Unternehmer professionelle Unterstützung und Fördergelder in Anspruch. „Uns wurde Jürgen Barth, Vorstand der Leonberger Advico Unternehmensberatung AG, empfohlen“, erzählt Görtz. „Er hat uns bei Research und Marktcheck unterstützt, gemeinsam mit uns einen Businessplan erstellt und uns zu Bankgesprächen begleitet. Mit seiner Hilfe konnten wir die Banken überzeugen. Sie haben anerkannt, dass wir keine Quereinsteiger sind, sondern die Branche kennen und für unsere Idee brennen.“ Den Vertrieb haben Görtz und Jacob ebenso professionell organisiert wie den Herstellungsprozess.

Aus eigener Kraft

Zwei Kollektionen pro Jahr bringt Spoon momentan auf den Markt. Irgendwann sollen es vier werden. Doch dafür fehlen dem Kleinunternehmen im Moment noch die Ressourcen. „Wir müssen zunächst einmal unsere Marke im Bewusstsein von Einkäufern, Händlern und Kunden verankern“, sagt Görtz. „Ein Umsatzwachstum von 30 bis 40 Prozent zeigt, dass es klappt, aber wir müssen noch mehr tun.“ Deshalb ist das junge Label trotz hoher Kosten auf Messen präsent und produziert hochwertige Kataloge. „Es muss alles passen“, sind die Spoon-Gründer überzeugt. „Wir können nicht Mode im Premium-Bereich anbieten und bei der Qualität der Präsentation unserer Marke Abstriche machen.“

Alles, was möglich ist, wird aus eigener Kraft oder mit möglichst wenig Fremdleistung erledigt. Da muss dann schon einmal der Mann von Görtz als Model ran, was er bravurös erledigt hat, wie die Fotos zeigen. Der Messestand wird selbst entworfen und gebaut – mit großem Erfolg. „Auf der ‚Premium‘ in Berlin ist es uns gelungen, durch eine Kunstinstallation hohe Aufmerksamkeit zu gewinnen“, freut sich Görtz. „Es ist wunderbar, dass alle unsere Mitarbeiter und freien Mitarbeiter so engagiert bei der Sache sind. Dadurch können wir, obwohl wir ein kleines Unternehmen sind, außergewöhnliche Dinge auf die Beine stellen. Wir hoffen, dass wir bald genug verdienen, um unsere Anerkennung für die Leistung unserer Mitarbeiter auch mit höheren Gehältern auszudrücken.“

Eine besondere Herausforderung stellt das saisonale Geschäft dar. „Im Sommerhalbjahr erzielen wir 50 Prozent unserer Umsätze im Golf-Bereich und 50 Prozent mit Fashion. Im Winter geht der Umsatz im Golf-Bereich auf rund 30 Prozent zurück. Das ist schwierig aufzufangen“, sagt Görtz. „Deshalb arbeiten wir intensiv am Aufbau unserer Marke im sportiven hochwertigen Mode-Bereich.“

Hochwertige Schlichtheit

Tatsächlich kommt die Kollektion, die Görtz und Jacob gemeinsam mit zwei freiberuflichen Designern entwerfen, schlicht und schmucklos daher. Entscheidend sind jedoch die Schnitte, die Farben und Stoffe und die vielen Details. „Wir sind qualitätsbesessen“, sagt Görtz, die ebenso wie Jacob über langjährige Erfahrung in der Modebranche verfügt und unter anderem für Donna Karan in New York gearbeitet hat. „Alle unsere Stoffe kommen aus Italien. Teilweise sind es Funktionsstoffe, die zum Beispiel wasser- und schmutzabweisend sind oder antibakteriell. Viele Stoffe sind elastisch, damit die Golfer beim Spiel die nötige Bewegungsfreiheit haben. Auch zahlreiche Details wie besondere Knöpfe oder Lederschließen beziehen wir aus Italien. Von dort kommt nach wie vor die Innovation in der Mode.“ Da ist es praktisch, dass Jacob im italienischen Prato vor Ort wohnt und sich direkt mit den Herstellern austauschen kann. „Das ist von großem Vorteil“, sagt er. „In Italien sitzen zahlreiche Familienunternehmen, die über Generationen hinweg eine außergewöhnliche Kompetenz im Modebereich erworben haben.“ Genäht wird übrigens zum Teil ebenfalls in Italien oder in Bulgarien, der Heimat von Görtz.

„Wir beachten die grundsätzlichen Regeln, die auf Golfplätzen herrschen“, sagt Görtz. „Jeans zum Beispiel sind verpönt. Shirts sollten einen Kragen haben und die Damen keine übermäßig großen Ausschnitte tragen. Auch Rock- und Hosenlänge unterliegen gewissen Regeln.“ Außerdem sei es wichtig, auf die Funktionalität der Kleidung zu achten. Golf werde schließlich im Freien ausgeübt, man müsse sich uneingeschränkt bewegen können und es sei wünschenswert, dass man bestimmte Kleinigkeiten unterbringen könne wie das Golf-Tee. Das alles ist für Görtz und ihren Partner jedoch kein Grund dafür, dass Golf-Bekleidung unförmig ist und durch antiquiertes Design und Muster bestimmt wird. Wenn die Spoon-Gründer ihren Stil beschreiben fallen Worte wie „adrett“ und „preppy“, auf jeden Fall auf der Straße zwar als außergewöhnlich, aber nicht als Golf-Kleidung zu erkennen. „Damit kommen wir einem Bedürfnis vieler Golfer entgegen“, sagt Jacob.

Wer das Design der Kollektion sieht, die Stoffe anfasst – sei es feinste Baumwolle oder streichelzarter Kaschmir – und sich die vielfältigen Details genau anschaut, sieht sofort, dass es hier nicht um asiatische Billigware geht und auch nicht um kurzlebige Modetrends, sondern um klassische Highend-Produkte. Das ist auch der Anspruch der Macher von Spoon: „Menschen jedes Alters mit einem modischen Anspruch sollen unsere Mode gerne tragen wollen und können“, sagt Görtz.

Für die Zukunft ist den Mode-Designern nicht bange. „Wir sind dabei uns als Marke im Bereich der luxuriösen Sportfashion zu etablieren. Für den Golfsport ist unsere Mode revolutionär. Überall auf der Welt entstehen Luxusressorts mit Golfplätzen. Das ist unsere große Chance auf einen wachsenden Markt“, sagt Jacob. „Außerdem wird Qualität künftig eine immer größere Rolle spielen. Die Menschen geben mehr Geld für Dinge aus, die sie überzeugen. Wir haben ein ehrliches Produkt und stehen voll dahinter. Das zahlt sich aus.“

Und falls sich jemand fragen sollte, weshalb das Unternehmen „Spoon“ heißt: Spoon war früher ein klassischer 3er-Holzschläger beim Golf. (Andrea Przyklenk)

www.spoon-shop.com