Portraits
20. Mai 2015

Per Ledermann: Tinte im Blut

Imker markieren mit ihnen ihre Bienenköniginnen, Chirurgen zeichnen mit ihnen die Schnitte auf den Patienten vor, bei jugendlichen Graffiti-Künstlern sind sie Kult, an den Flipcharts sind sie nicht wegzudenken. Die Rede ist von den Marker-Stiften der Firma Edding aus Ahrensburg. Per Ledermann, CEO und Sohn des Gründers, wird auf der 10. Familienunternehmer-Konferenz der News in Stuttgart am 16. Juli Einblicke in die Unternehmensstrategie und -entwicklung geben.

Über 70 Prozent Marktanteil haben die bunten Marker in Deutschland. Neun von zehn Deutschen kennen die Marke. Im Geschäftsjahr 2014 konnte sich das Familienunternehmen über einen Anstieg im operativen Ergebnis (EBIT) um mehr als 25 Prozent freuen. Das alles in einem Markt, der schon seit Jahren von einem rasanten Wandel bestimmt ist. Das Unternehmen hat den Sprung aus den Büros in die Wohnzimmer, Hobbyräume und Kinderzimmer geschafft – und noch wichtiger: den Sprung in die digitale Welt.

Ins digitale Zeitalter

Als „unseren vielleicht mutigsten Schritt“ hat Ledermann die Entwicklung bei Legamaster, dem Edding-Ableger für visuelle Kommunikation, bezeichnet. Neben Whiteboards, Flipcharts und Moderationswänden bietet das Unternehmen heute digitale Touchscreens an, die funktionieren wie ein überdimensionales Tablet. Darauf kann man mit elektronischen Markern oder dem Finger schreiben und zeichnen wie einst mit den Edding-Filzern. Die interaktiven Tafeln sind die wichtigsten Wachstumstreiber bei Legamaster.

Auf Facebook werden die Fans des Unternehmens gepflegt und eine Idee, die Furore macht, ist die „Wall of Fame“, ein Zeichenbrett im Internet, auf dem jeder mit virtuellen Markern mitmachen kann und gemeinsam mit anderen an einem gigantischen Gemälde arbeiten kann. Nach nur einem Jahr hatten sich schon 250.000 Menschen beteiligt.

500 Mark Startkapital

Gegründet wurde das Familienunternehmen 1960 in Hamburg von Carl-Wilhelm Edding und Volker Detlef Ledermann. Mit 500 Mark Startkapital und einer Schreibmaschine ausgestattet, begannen die Gründer mit dem Allround-Marker „edding No. 1“. Im gleichen Jahr starteten die Beatles in Hamburg ihre Weltkarriere. Als sich die Band nach zehn Jahren trennte, hatte das Unternehmen von Edding und Ledermann bereits an die 100 Millionen Filz- und Faserschreiber verkauft. 1986 ging das Unternehmen an die Börse und begann international zu expandieren.

Heute hat das Familienunternehmen über 180 Produkte im Sortiment vom Fasermaler für Kinder übers Permanent Spray bis zur Druckerpatrone und zu visuellen Medien der Konzernmarke Legamaster. Allein von den Markern werden jährlich mehr als 200 Millionen produziert. Über 600 Menschen weltweit arbeiten für den Konzern. Ähnlich wie „Tempo“ als Synonym für Papiertaschentücher steht, gilt „edding“ als Gattungsname für Permanentmarker.

Ausdrucksstark

2005 kehrte Per Ledermann mit 29 Jahren ins väterliche Unternehmen zurück, seit Januar 2009 ist er CEO und verantwortlich für die Ressorts Strategie, Marketing und Markenführung, Unternehmensentwicklung, Personal und lateinamerikanische Märkte. Er hat einiges bewegt in den letzten Jahren. Das Unternehmen ist heute eine hybride, auf Projektarbeit ausgerichtete Organisation mit einer „Riege aus Freidenkern und Hütern des Bestehenden“. In einem Interview beschrieb Ledermann, wie er seine eigene Rolle sieht: „Ich selbst sehe mich nicht als den maßgeblichen Ideengeber. Ich muss orchestrieren und den Raum für gute Ideen schaffen.“

Ledermann setzt auf die Marke. Edding sei mehr als Funktionalität, ist er überzeugt. Menschen könnten mit den Stiften ihre Ideen sichtbar machen und ihrer Persönlichkeit Ausdruck verleihen. Langlebig, vielseitig, ausdrucksstark und kreativ sind auch die Werte, für die das Familienunternehmen steht. „Als Firmenerbe setze ich alles daran, die Firmenphilosophie der Gründer zu erhalten und gleichzeitig mutig und innovativ in die Zukunft zu gehen. Schließlich wollen wir auch morgen noch Geschichte schreiben“, sagt Ledermann.

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