Portraits
11. Mai 2015

Vertrauen in die nächste Generation schaffen

Vor eineinhalb Jahren hat sich Rudolf Rampf, Gründer der Rampf-Gruppe, aus der Geschäftsführung in den Beirat zurückgezogen. Die Söhne haben mit einer Werte-Broschüre ihre Verpflichtung auf die gewachsenen Unternehmenswerte betont. Mit dem Vater sei der Visionär von Bord gegangen, sagt Michael Rampf, der zusammen mit seinem Bruder Matthias das Unternehmen führt. „Wir mussten unsere eigene Vision schaffen. Werte sind die Basis, um mit den Mitarbeitern an der Zukunft zu arbeiten. Außerdem wollten wir den Mitarbeitern deutlich machen, dass sich auch die zweite Generation den gewachsenen Unternehmenswerten verpflichtet fühlt und sie weiterhin lebt.“

Wirklichkeit und Anspruch zugleich

Gemeinsam mit den Führungskräften aller Ebenen wurden die Werte zusammengetragen, konkretisiert und in Worte gefasst: Fairness, Vertrauen, Förderung, Anerkennung, Nachhaltigkeit und Selbstverständnis. In ihrem Vorwort zur Broschüre haben die Brüder den Kern der Unternehmenswerte zusammengefasst: „So hart der Arbeitsalltag manchmal ist, so ärgerlich manche Aufgabenstellungen sind und so schwierig es oft auch ist, im Umgang mit Menschen – eines steht über allem: Der anständige Umgang untereinander und miteinander muss stets selbstverständlich sein.“ Das, so Rampf, sei tief im Unternehmen verwurzelt, denn schon sein Vater habe gesagt: „Der Ton, mit dem wir uns begegnen, macht die Musik.“

Die Unternehmenswerte betrachtet der 39-Jährige als Leitlinien sowohl für Mitarbeiter als auch für Führungskräfte. Jeder Mitarbeiter erhält die Werte-Broschüre, in allen Standorten hängen große Plakate mit Motiven aus der Broschüre, auf denen die Werte dargestellt sind. Neuen Mitarbeitern und Auszubildenden werden die Werte während der Einführungstage nahegebracht. „Wir haben uns keine Werte ausgedacht, sondern die aufgegriffen, die im Unternehmen schon gelebt werden. Doch Werte brauchen Pflege“, sagt Rampf. Entscheidend sei es, die Werte zu leben, vor allem für die Führung, aber auch für die Mitarbeiter. „Nicht nur Führungskräfte haben eine Vorbildfunktion. Keiner kann sich ausnehmen. Die Mitarbeiter sind Vorbild für die Auszubildenden, ältere Mitarbeiter für jüngere, erfahrene Mitarbeiter für neue. Unsere Werte sind also Wirklichkeit und Anspruch zugleich, sie werden gelebt und sollen uns in die Zukunft führen.“

Fragend führen

Rampf ist sich durchaus im Klaren, dass dem Verhalten der Führungskräfte besondere Bedeutung zugemessen wird. „Solche Dinge werden von oben nach unten übertragen“, sagt er. „Doch Werte machen Führen auch einfacher. Durch ein gemeinsames Wertesystem wird die Identifikation mit dem Unternehmen gefördert. Die Mitarbeiter haben ein Interesse daran, die Ziele zu erreichen, die Vision umzusetzen.“ Seinen eigenen Führungsstil charakterisiert er mit zwei Worten: „fragend führen“. Er sei niemand, der sich als allwissend sehe. Im Unterschied zum Unternehmensgründer, der das Unternehmen in der Regel auf einer genialen Idee aufbaue, habe die zweite Generation solch eine Idee nicht und verfüge auch nicht über die umfangreiche Erfahrung des Gründers. „Ich betrachte das Unternehmen als großes Team, in das jeder seine Kompetenzen einbringt. Nur wenn wir zusammenarbeiten, können wir unsere Ziele erreichen. Mit den gemeinsamen Werten halten wir das Unternehmensschiff auf Kurs und stellen sicher, dass nicht jeder in eine andere Richtung rudert“, so der Unternehmer weiter.

Das „Wir“ in Bildern

Die Werte-Broschüre selbst trägt einiges zum Wir-Gefühl im Unternehmen bei, denn an der Erstellung wurden die Mitarbeiter aktiv beteiligt. Zu jedem Wert wurde ein passendes Foto aus dem Sport gewählt. Allerdings sieht man auf den Fotos keine unbekannten Sportasse, sondern Mitarbeiter. Für den Wert „Vertrauen“ zum Beispiel klettert ein Mitarbeiter an einer Kletterwand nach oben, gesichert von Matthias Rampf. Der Wert „Fairness“ wird durch ein Handballspiel abgebildet. Der Schiedsrichter, ein Mitarbeiter, ist in seiner Freizeit tatsächlich Schiedsrichter in der Handball-Bundesliga. „Es war viel Aufwand, aber es hat auch richtig Spaß gemacht“, sagt Rampf. „Die Mitarbeiter sind an ihren freien Tagen mit großer Begeisterung zu den Fotosessions gekommen. Alle waren neugierig auf die Broschüre, denn schließlich sind nicht irgendwelche Unbekannten abgebildet, sondern die Mitarbeiter selbst und Menschen, die sie kennen.“
Die Reaktionen der Mitarbeiter auf einer Weihnachtsfeier, bei der ein Film über die Entstehung der Broschüre gezeigt wurde, bestätigen den Geschäftsführer in seiner Meinung. „Jüngere Mitarbeiter fanden den Film ‚eine coole Sache‘, ältere Mitarbeiter haben sich darüber gefreut, dass mein Bruder und ich uns so auf die Unternehmenswerte verpflichten. Es gibt kaum jemand, der sich nicht dafür interessiert. Alle sprechen über die Broschüre, die Plakate und den Film. Es entsteht ein starkes Wir – und nur so können wir erfolgreich sein.“

Das Familienunternehmen

Die Rampf-Gruppe steht für „engineering and chemical solutions“ und bietet nach ihrem Selbstverständnis die Antworten auf ökonomische und ökologische Bedürfnisse der Industrie. Das Kompetenz-Spektrum umfasst Werkstoffe für die Formgebung, deren Verbindung, zum Schutz sowie deren Recycling; produktionstechnische Systeme in Bezug auf Positionierung und Automatisierung sowie als stabile Basis für Präzision und Dynamik; umfassende Lösungen und Services, insbesondere in Bezug auf innovative und kundenindividuelle Anforderungen. Das Unternehmen wurde 1980 von Rudolf Rampf als Ein-Mann-Betrieb gegründet. Mittlerweile hat das Unternehmen weltweit mehr als 560 Mitarbeiter, die für die fünf Gruppenunternehmen – Rampf Giessharze, Dosiertechnik, Tooling, Ecosystems und Epucret Mineralgusstechnik – sowie die Auslandsniederlassungen in China, Japan und den USA tätig sind. Im Geschäftsjahr 2012/13 erwirtschaftete die Gruppe einen Umsatz von 122,9 Millionen Euro.

www.rampf-gruppe.de