Portraits
17. Mai 2015

Von der Idee zum Profi

Die Dimah Messe + Event GmbH mit Sitz in Ostfildern feierte in diesem Jahr ihr 20-jähriges Bestehen. Was mit einem Sprung der Brüder Hamid ins kalte Wasser seinen Anfang nahm, ist heute ein gefragtes Unternehmen für räumliche Kommunikation über Deutschlands Grenzen hinaus.

Wir schreiben das Jahr 1992. Mossadegh Hamid, der heutige Dimah-Geschäftsführer, ist Inhaber eines international aufgestellten Großhandelsunternehmens in Stuttgart-Feuerbach. Mit dem Thema Messebau hatte der studierte Betriebswirt und Diplom-Ingenieur bis dahin noch keinerlei Berührung gehabt. Das änderte sich, als ihm sein Bruder von dem Messebauunternehmen erzählt, bei dem er als Student regelmäßig in den Semesterferien jobbte. „Er war total begeistert von der Branche, die mir zu diesem Zeitpunkt noch völlig fremd war. Aber es brauchte nicht viel Überzeugungskraft und auch ich war fasziniert vom Thema Messebau und der unbegrenzten Kreativität, die in diesem Bereich möglich ist“, erzählt Hamid mit leuchtenden Augen. „Wir hatten zwar keine Ahnung, was uns in der Branche erwarten würde, doch wir gingen voller Euphorie an die Sache ran und gründeten gemeinsam die Vorgängerfirma der heutigen Messebaugesellschaft. Die Leitung des Großhandelsunternehmens blieb aber weiterhin in meinen Händen.“ Die Brüder starteten mit einem 100 Quadratmeter großen Messestand von Octanorm in Modulbauweise und zwei Hilfskräften, mit denen die ersten Kundenaufträge umgesetzt werden konnten. „Mein Bruder hatte schon immer ein Händchen für Design, meine Stärken liegen eher in Marketing und Verkauf. Daher ergänzten wir uns prima“, sagt Hamid. „Meine Frau Renate war von Anfang an mit Rat und Tat dabei und ist zuständig für Finanzen und Personal. Sie als Realistin und ich als Visionär, das passte sehr gut.“ 1994 wurde das Unternehmen schließlich in eine GmbH umgewandelt.

Steiniger Weg nach oben

Der Weg zum Erfolg war für die Brüder sehr steinig, „aber es waren auch wichtige Lehrjahre, die uns geprägt haben“, sagt der Geschäftsführer. Die kreativen Ideen der Brüder zogen sogar den einen oder anderen Großkunden an, etwa 1996 Meyer Musik, den europäischen Marktführer beim Vertrieb von Musikinstrumenten. „Doch wir merkten damals recht schnell, wo unsere Grenzen lagen, dass uns Know-how fehlte. Und so lief dann auch einiges schief. Dennoch ließ ich mich nicht davon entmutigen, sondern glaubte weiterhin an den Erfolg und arbeitete mich immer tiefer in die Thematik ein“, sagt Hamid rückblickend. Das Jahr 1997 war ein Wendepunkt in der Dimah-Geschichte. Die Brüder trennten sich, weil, wie Mossadegh Hamid sagt, beide unterschiedliche Weltanschauungen hatten. Das Unternehmen wurde zur Lebensaufgabe des gebürtigen Iraners, die Führung der anderen Firma gab er ab. Das wirkte sich auch auf die Struktur und die Strategie des Messebauers aus. Zwischen 1997 und 2002 wurde das Familienunternehmen völlig neu ausgerichtet, das Thema Architektur besonders stark fokussiert. Hamid holte dazu mehrere Architekten ins Team, setzte auf die Zusammenarbeit mit einem Chefarchitekten. „Das hat uns im Messebau viele neue Möglichkeiten eröffnet und uns in Sachen Professionalität sehr weit nach vorne gebracht“, unterstreicht der Dimah-Chef. Das Jahr 2001 bescherte dem Unternehmen dank des IT-Booms viele Aufträge. Gleich mit mehreren Messeständen war man auf der Cebit vertreten. Da hieß es auch für den Chef, vor Ort in Hannover bei der Montage der Stände eigenhändig mitzuhelfen, obwohl sich, wie er mit einem Schmunzeln zugibt, seine „handwerklichen Fähigkeiten in Grenzen halten“. „Diese Erfahrungen möchte ich aber nicht missen, denn so weiß ich, wie die Dinge laufen und was meine Leute in der Montage alles leisten müssen.“ Körperlich und seelisch sah sich Hamid in dieser Phase aber an der Grenze, Zweifel am Erfolg hatte er jedoch nicht. „Es gibt eben auch die weniger schönen Momente im unternehmerischen Dasein. Da muss man dann durch und weiterhin für seine Vision leidenschaftlich brennen“, betont der Unternehmer.

Auf Nachhaltigkeit ausgerichtet

2002 machte das Familienunternehmen einen weiteren Sprung nach vorne. „Eines unserer Highlights war der Großauftrag der damaligen Gmünder Ersatzkasse (GEK). Im Rahmen der Wanderausstellung ‚Balance‘, bei der Besucher in einen überdimensionalen Körper eintauchen und dort alles über die menschlichen Organe erfahren können, übernahm Dimah die gesamte Verantwortung für die Roadshow, die weit über Aufbau, Abbau und Transport hinausging.“ Die hervorragende Arbeit des Unternehmens sprach sich herum und es folgten viele weitere Aufträge. Dann kam das Jahr 2008 und alles war anders, wie Hamid erzählt: „Unsere Umsätze gingen um 60 Prozent zurück. Doch wir hatten Glück. Mir war es als Familienunternehmer immer besonders wichtig, unsere Gewinne zum größten Teil im Unternehmen zu belassen.“ Das habe sich in der Krise ausgezahlt, durch die das Unternehmen recht glimpflich gekommen sei. Hamid legt generell viel Wert auf das Thema Familienunternehmen, wie er sagt: „Ich möchte die Firma so führen, dass sie einmal, wie ich hoffe, von meinen Töchtern übernommen werden kann. Zudem gehört es für mich selbstverständlich dazu, auch gegenüber meinen Mitarbeitern diesen nachhaltigen Gedanken zu leben, möglichst viele fest anzustellen.“ Zurzeit arbeiten rund 20 eigene und genauso viele freie Mitarbeiter für das Unternehmen. Aktuell laufen die Geschäfte laut Hamid „richtig gut“. Viele namhafte Firmen wie Allianz, Dürr, Daimler, der Schweizer E-Bike-Hersteller Flyer oder die Deutsche Bahn schmücken die Referenzliste. Ausruhen möchte sich der 60-Jährige auf diesem Erfolg aber nicht, sondern sieht noch viel Potenzial nicht nur im Messe-, sondern auch im Ausstellungs- und Ladenbau. „Wir freuen uns darauf, weiterhin dreidimensionale Räume für Kommunikation zu gestalten, die die Menschen in ihren Bann ziehen und mit denen sich dank unserer Unterstützung neue Marketingziele erreichen lassen. Komplexität ist dabei für uns kein Hindernis, sondern eine Herausforderung, die wir meistern möchten“, sagt Hamid. (-hf)

www.dimah.de