Portraits
6. Mai 2015

Von der Klein- zur Großfamilie

Diesen Vergleich zieht Guido Eichel, Vorstand der „Hagos Verbund deutscher Kachelofen- und Luftheizungsbauerbetriebe eG“, gerne, wenn er die Vorteile der Großhandelsgenossenschaft beschreibt. „Die meisten Handwerker sind Familienunternehmen, die aus einem Meister, seiner Ehefrau und ein oder zwei Gesellen bestehen“, sagt er. „Mit der Genossenschaft im Rücken werden sie zu einer Großfamilie. Dadurch können sie sich viele Vorteile sichern und gegen große Wettbewerber bestehen.“ 1.100 Mitglieder hat die Genossenschaft. 2019 kann sie ihr 100-jähriges Bestehen feiern.

Hagos ist Mittler zwischen den Herstellern und den Ofenbauern. Durch die Genossenschaft erhalten die Ofenbauer vielfältige Unterstützung und stellen als Einkäufer eine ganz andere Macht dar als jeder alleine. „Alle unsere Mitglieder sind Handwerker. Die Hagos ist im Grunde genommen nichts anderes als ein Großhändler“, erklärt Eichel das Prinzip, nach dem die Genossenschaft funktioniert. „Wir bieten unseren Mitgliedern über 20.000 Artikel, davon 8.500 permanent am Lager. Jeder Kachelofen oder Heizkamin ist ein Unikat, wir führen alles, was der Ofenbauer braucht, vom Mörtel bis zum Brenneinsatz.“

Mehrwert Vertrauen

Doch das sind bei weitem nicht die einzigen Vorteile. Neben der Vorratshaltung nennt Eichel die eigene Logistik inklusive 70 Lkw. „Abgesehen davon, dass sich die Handwerker auf eine pünktliche Lieferung ihrer Ware verlassen können, wissen sie, dass keine Fremdspedition anliefert, sondern unsere eigenen Mitarbeiter. Viele unserer Fahrer haben einen Schlüssel für das Lager der Ofenbauer und stellen die Ware gleich dort ein. Ein Service, der für beide Seiten Vorteile hat. Es erspart uns unnötige Wege und dem Handwerker gibt es mehr Handlungsfreiheit, denn er muss nicht im Büro sitzen und auf seine Lieferung warten“, sagt Eichel. Der dritte Mehrwert seien die umfassenden Kataloge mit den technischen Daten der einzelnen Produkte. „Außerdem sind in den Katalogen Bruttopreise enthalten“, so Eichel weiter. „Damit signalisieren wir einen Richtpreis am Markt. Der Handwerker kann sich ausrechnen, wie sein Gewinn aussieht. So vermeiden wir ein Stück weit ruinöse Preiswettkämpfe.“ Alle Kataloge sind natürlich auch im Intranet verfügbar.

In den acht deutschen und zwei österreichischen Standorten gibt es Ausstellungen, die der Handwerker mit seinen Kunden besuchen kann. Zusätzlich verfügt die Hagos über drei Zentrallager. In der Kommunikation zum Endkunden unterstützt die Hagos ihre Mitglieder mit Großflächenplakaten, Anzeigen und einem Schauwagen-Anhänger. Über die umfangreichen Produkt- und Brancheninformationen hinaus, die rund sieben Mal im Jahr zum Versand kommen, gibt es halbjährlich einen Newsletter und jedes Jahr eine gemeinsame Reise anlässlich der Gesellschafterversammlung. Die Genossenschaft sorgt außerdem für die Weiterbildung ihrer Mitglieder und unterstützt sie auch in anderer Hinsicht. Zum Beispiel bietet sie in Zusammenarbeit mit dem Genossenschaftsverband eine Analyse der betriebswirtschaftlichen Zahlen und ein Rating an. „Wenn das Rating gut ist, kann der Handwerker sein Warenkreditlimit bei uns erhöhen“, sagt Eichel. „Außerdem nützt es ihm auch bei Bankgesprächen.“

Die Genossenschaft ist erfolgreich. In Deutschland gibt es etwa 2.400 Ofenbauer. Davon sind 1.100 in der Hagos organisiert. „Wir haben eine Marktabdeckung von 60 bis 70 Prozent“, sagt Eichel. „Unsere Eigenkapitalquote liegt bei über 50 Prozent.“ Seit 2008 wird ein Umsatz von jährlich über 100 Millionen Euro erwirtschaftet. 2012 waren es 125,5 Millionen Euro, inklusive Österreich sogar 137 Millionen Euro. Die Genossenschaftsmitglieder sind die Gesellschafter des Unternehmens. Jedes Mitglied kauft beim Eintritt einen Anteil an der Genossenschaft, der 1.100 Euro kostet. Dafür hat jedes Mitglied eine Stimme bei der Jahresversammlung. Je nach Umsatz erwerben die Mitglieder bis zu zehn Anteile, was aber nichts an der Stimmverteilung ändert. Der Aufsichtsrat besteht aus neun Mitgliedern. Eichel bildet gemeinsam mit seinem Kollegen Ralf Tigges den Vorstand.

Runderneuert und mit Tatendrang

Betritt man die Stuttgarter Zentrale der Hagos wird schnell klar, dass man mit dem Bild vom „angestaubten Genossenschaftsdenken“ nicht weit kommt. Moderne Arbeitsplätze, helle freundliche Räume, professionelle Logistik und Lagerhaltung sowie EDV-unterstützte Prozesse sind selbstverständlich. Aktuell befindet sich das Unternehmen auf dem Weg zum papierlosen Archiv. „Tatsächlich unterscheiden wir uns nur in einem Punkt von anderen Großhändlern“, sagt der Vorstand. „Der Unterschied ist die Warenrückvergütung für unsere Mitglieder, die wir beim Gewinn abziehen können. Das ist sozusagen eine Gewinnverwendung. Die jährlich angestrebte Warenrückvergütung in Höhe von drei Prozent geht an die Handwerker, 2012 waren es sogar 4,5 Prozent.“

„Während der letzten zehn Jahre haben wir viel Geld in den Kauf und die Modernisierung von Standorten gesteckt“, erzählt Eichel stolz. „Hier in Stuttgart haben wir das ganze Gebäude renoviert. Die Bedürfnisse unserer Mitarbeiter waren uns dabei besonders wichtig. Ein Arztzimmer, Duschen, freundliche Umkleide- und Aufenthaltsräume sind selbstverständlich. In unserer Tiefgarage parkt nicht der Vorstand. Die Plätze sind für die Mitarbeiterinnen reserviert. Männer müssen draußen parken.“ 250 Mitarbeiter sind es in ganz Deutschland, davon 80 in Stuttgart. Hinzu kommen noch 27 Auszubildende in den Bereichen Lagerlogistik, Großhandel und EDV und eine BA-Studentin. Die Mitarbeiter werden in der Hagos-Akademie weitergebildet. Stellenbeschreibungen und regelmäßige Mitarbeitergespräche sorgen dafür, dass alle gemeinsamen Zielen folgen.

„Wir wachsen und schrumpfen mit der Konjunktur“, sagt Eichel. „Wir haben einige regionale Wettbewerber und manche Hersteller verkaufen ihre Produkte auch direkt. Das Potenzial an neuen Mitgliedern ist überschaubar.“ Der Vorstand wirft deshalb sein Augenmerk auf Wachstum jenseits der Grenzen. Österreich war nur der Anfang, wenn es nach Eichel geht. Vor allem möchte er den Genossenschaftsgedanken ins benachbarte Ausland tragen. „Unsere Gesellschaft in Österreich ist eine GmbH & Co. KG.“, sagt er. „Der Ofenbauer in Wien kann nicht am Erfolg der Gesellschaft partizipieren. Doch gerade das ist es ja, was die Hagos attraktiv für die Handwerker macht.“ Man kann davon ausgehen, dass der überzeugte Genossenschaftler und Netzwerker, der sich in zahlreichen Verbänden engagiert und in Beiräten und Aufsichtsräten aktiv ist, über kurz oder lang eine praktikable Lösung finden wird.

www.hagos.de