Portraits
21. Mai 2015

Werte als Maßstab des Erfolgs

Während der Biermarkt seit Jahren schwächelt, mit Ausnahme eines kleinen Absatzplus‘ 2014, wächst die bayerische Brauerei Meckatzer Löwenbrau seit Jahren gegen den Trend. 2014 erreichte die größte Allgäuer Biermarke mit über 125.000 Hektoliter das beste Ergebnis der Unternehmensgeschichte. Nach den Gründen des Erfolgs muss man nicht lange suchen. Das Familienunternehmen aus Meckatz, einem Ortsteil von Heimenkirch im Landkreis Lindau, hat sich konsequent der Qualität verschrieben und zwar nicht nur bezüglich seiner Produkte, sondern auch in Bezug auf sein unternehmerisches Handeln.

Klasse statt Masse

Die Wurzeln des Unternehmens reichen bis ins Jahr 1738 zurück. Seit 1853 befindet sich die Brauerei im Besitz der Brauerfamilie Weiß, an deren Spitze heute der geschäftsführende Gesellschafter Michael Weiß steht. Der diplomierte Kaufmann und Braumeister trat 1985 ins Unternehmen ein und führt es seit Juni 1993. Die Wertschöpfungsphilosophie des Brauereichefs lässt sich auf einen einfachen Nenner bringen: Klasse statt Masse. „Unser hoher Qualitätsanspruch gilt nicht nur für unser Bier, sondern auch für unser unternehmerisches Handeln insgesamt“, sagte der Brauereichef anlässlich der Verleihung des Bayerischen Mittelstandspreises 2012. Und weiter: „Der Preis ehrt mich wirklich sehr und ist eine große Bestätigung für unsere Leistungen. Dieser Erfolg war nur möglich, weil wir engagierte Mitarbeiter haben, die mit großer Leidenschaft ihrer Arbeit nachgehen. Ihnen gebührt mein Dank.“

Die Jury würdigte die konsequente Wertschöpfungspolitik der Brauerei sowie ihre Vorreiterrolle auf dem Weg hin zu einer neuen Genusskultur. Meckatzer lasse sich nicht auf einen ruinösen Preiswettbewerb ein, sondern behaupte sich als regionaler Marktführer mit dem Motto „Klasse statt Masse“. Davon, so die Begründung der Jury, würden nicht nur die Kunden profitieren, sondern auch alle beteiligten Partner von den Gersten- und Hopfenbauern bis hin zu den Partnern in Gastronomie und Handel. Als vorbildlich führte die Jury an, dass Nachhaltigkeit in dem Familienunternehmen täglich gelebt werde.

Eigenständig und überzeugt

Befasst man sich näher mit der Brauerei wird schnell klar, dass der Firmenchef großen Wert auf Tradition und Werte legt, auf der anderen Seite aber moderne Technik und Erkenntnisse nutzt, um die Qualität seiner Biere stetig zu verbessern. So sagte Weiß anlässlich der Vorstellung des Meckatzer Weizen mit einer verfeinerten Rezeptur im März 2014: „Wir schätzen und achten die bewährten Rezepturen unserer Bierspezialitäten und bewahren sorgsam ihren besonderen Charakter. Zugleich ist es aber auch Teil unseres Qualitätsverständnisses, dass wir Weiterentwicklungen in der Braukunst kennen und umsetzen, wenn sie unsere Biere noch verbessern.“

Die Meckatzer möchten sich weder Konventionen noch Marktmoden unterwerfen, sondern „die Zukunft unserer Tradition“ wahren. Mit dieser Strategie zeigt die Brauerei seit Jahren beispielhaft, wie ein mittelständisches Familienunternehmen in einem zunehmend konzentrierten Markt überleben kann. „Seit Übernahme der Geschäftsführung 1993 haben Sie den Betrieb in eine zeitgemäße Moderne überführt, in der ausgeprägtes Traditionsbewusstsein, Umweltverantwortung und Nachhaltigkeit eine Einheit zum Wohl Ihrer Kunden bilden“, sagte Franz-Josef Pschierer, Staatssekretär im Bayerischen Wirtschaftsministerium, in seiner Laudatio als Bundespräsident Joachim Gauck den Brauereichef mit dem „Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland“ auszeichnete.

Den Orden erhielt Weiß für sein langjähriges Wirken beim bayerischen Brauerbund sowie für seine Verdienste um seine Heimat Allgäu und das Gemeinwohl. Der Staatssekretär hob besonders die Lena-Weiss-Initiative hervor, mit der die Brauerei zahlreiche soziale und kulturelle Projekte in ihrer Heimatregion unterstützt, darunter viele Projekte, die Kinder und junge Menschen dabei unterstützen, ihren Platz im Leben zu finden.

Bier und mehr

Der Staatssekretär würdigte auch den Einsatz von Weiß für eine neue Bier-Genusskultur, eine Sache, die dem Brauereichef sehr am Herzen liegt. Er möchte dem Bier wieder „zu dem Ansehen verhelfen, das es früher als hochwertiges Genussgut hatte“. Deshalb ist er auch besonders stolz darauf, dass Meckatzer Löwenbräu als erste Brauerei in die Vereinigung „slow Brewing – Das Brauen mit Zeit für Geschmack e.V.“ aufgenommen wurde. Slowbrewing setzt sich nach dem Vorbild der Slow-Food-Bewegung für Biere ein, die nicht nur gut schmecken, sondern auch unter besonderer Berücksichtigung umweltrelevanter Kriterien hergestellt werden. Besonderes Augenmerk legt die Vereinigung genau wie das Familienunternehmen auf „eine faire Zusammenarbeit und Bezahlung aller an der Wertschöpfung Beteiligten“.

Bei einem Besuch der Brauerei zeigt sich, dass Weiß unter Genuss nicht nur Bier-Genuss versteht. Das Brauereigelände bietet den Besuchern nämlich ganz unterschiedliche Genüsse. „Eine Begegnungsstätte für Genießer“ soll Meckatz werden. Kunst, Architektur und kulinarischer Genuss gehören dazu. Essen und Trinken im Bräustüble mit einem großzügigen Gastgarten, in dem auch Großfamilien tafeln können, Kunstwerke, ein Markenraum, Brauereibesichtigungen und eine Erlebniswelt für Kinder schaffen die Voraussetzungen für einen Familienausflug, von dem alle etwas haben. „Wir möchten, dass unsere umfassende Qualitätsphilosophie für die Besucher sinnlich erlebbar wird. Genuss geht in Meckatz weit über das Kulinarische hinaus. Kunst und Architektur spielen bei uns eine wichtige Rolle – alles soll letztlich unsere Gastfreundschaft und Willkommenskultur unterstreichen“, sagte Weiß bei der Eröffnung der neu gestalteten Braustätte im Sommer 2013.

Mit dem Kunden auf du

Auch die Fans von Meckatzer nimmt das Unternehmen ernst. Weit über 10.000 sind es mittlerweile. Sie kommen sogar aus Finnland, Australien und den Vereinigten Staaten. Es gibt mittlerweile einen Fan-Beirat, der sich gemeinsam mit der Brauerei um die Ausrichtung von Fan-Events und die Weiterentwicklung des Clubs kümmert. Die Gründung des Fanclubs 1996 geht auf die Initiative eines begeisterten Meckatzer-Liebhabers aus Oberstaufen zurück.

Der nächste große Event steht am 18. April an, wenn die Brauerei zum Fanclub-Fest einlädt – Ausnahmezustand in Meckatz. 2.000, meist in Tracht gekleidete Fans werden dann in dem 160-Einwohner-Ort erwartet, um 110 Jahre Markenschutz des Meckatzer Weiss-Golds zu feiern und eine neue Miss Meckatzer zu wählen. Bereits 1905 bewies nämlich Benedikt Weiß, der Großvater des heutigen Geschäftsführers, große Weitsicht: Er beantragte beim kaiserlichen Patentamt zu Berlin den Markenschutz seines Weiss-Golds. Damit ist das Bier die älteste Allgäuer Biermarke überhaupt und sogar älter als Nivea. Dieser Weitsicht haben Benedikts Nachfahren heute zu verdanken, dass das Unternehmen vor allem mit der Marke Weiss-Gold erfreulich wächst.

Tipp: Michael Weiß wird auf der 10. Familienunternehmer-Konferenz des Unternehmermagazins „Die News“ am 16. Juli in Stuttgart sprechen.

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