Portraits
2. Mai 2015

Wie man Mitarbeiter begeistert

Familienunternehmer Wido Fath hat einen hohen Anspruch: „Wir wollen ein superattraktiver Arbeitgeber sein für Menschen, die einen ethisch hohen Lebensanspruch haben und wissen, was sie wollen.“ Wie dieser Anspruch, der gemeinsam mit Führungskräften und Teamleitern formuliert wurde, in seinem Unternehmen umgesetzt wird, erzählte er auf dem Weissman-Unternehmertag in Nürnberg. Er sprach über Mitarbeitergewinnung und -bindung, über Unternehmenskultur und Beziehungen.

Die Fath GmbH in Spalt im Fränkischen Seenland wurde 1989 von Werner Fath und seinen Söhnen Mirko Jan und Wido gegründet. Damals ging es hauptsächlich um Kunststoff-Spritzguss und Formenbau. Mittlerweile sieht sich das Unternehmen als Systemanbieter für Industriekomponenten weltweit. „Wir produzieren Komponenten für den Maschinen- und Anlagenbau. Am meisten machen uns aber die Dinge Spaß, bei denen wir von Anfang an dabei sind und gemeinsam mit dem Kunden Lösungen entwickeln bis hin zu ausgefeilten Logistiklösungen“, sagte Fath. „Profundes Wissen haben wir in Fertigungstechnologien, vor allem in der Automatisierungstechnologie.“ Seit 2008 gehört noch das so genannte Energiedach zum Angebot, von denen eines immerhin die Reithalle des englischen Thronfolgers Prinz Charles ziert. Das Unternehmen hat inzwischen 230 Mitarbeiter, 34 Vertriebspartner in 22 Ländern und sechs Auslandstöchter, demnächst sollen zwei weitere in Brasilien und Indien dazu kommen. Dort sieht der Unternehmer enormes Entwicklungspotenzial.

Keep Smiling

„Wir sammeln Menschen mit einem großen Herzen und einem weiten Horizont“, fasste Fath seine Vorstellung des idealen Mitarbeiters für sein Unternehmen zusammen. „Wir wollen ideenreich sein und menschlich nah in unseren Beziehungen untereinander, zu Kunden und Lieferanten. Das ist unser zentrales Anliegen.“ Produkte könne man kopieren. Bei Prozessen sei das schon schwieriger. Was man nicht kopieren könne, seien die emotionalen Beziehungen der Mitarbeiter zum Kunden. „Wir sind nicht die Billigsten, wir sind auch nicht die Allerbesten“, so Fath weiter. „Unsere Kunden kaufen bei uns, weil sie eine persönliche Beziehung zu uns haben. Sie mögen uns, weil wir in der Interaktion menschlich nah sind.“ Doch dazu seien Mitarbeiter nur fähig, wenn sie zufrieden seien und Freude an der Arbeit hätten. Wenn jemand Angst habe, unter Stress stehe, dann habe er auch keinen Spaß an der Arbeit, ist der 43-Jährige überzeugt. „Wer schlecht drauf ist, vermittelt das auch nach außen. Die Beziehungen zu Mitarbeitern und Kunden leiden. Lächeln darf man nicht nur mit den Lippen, sondern mit Herz und Seele.“ Wie sich Mitarbeiter fühlten, liege im Wesentlichen an den Führungskräften. „Mitarbeiter verlassen Manager, nicht Unternehmen“, sagte Fath.

Unternehmenskultur braucht Regeln

Führungskräfte müssten eng in die Unternehmensentwicklung eingebunden werden. Gemeinsam müssten Unternehmensleitbild, Führungsleitlinien und Ziele erarbeitet werden. Die Unternehmenskultur könne den Unternehmenserfolg positiv beeinflussen, doch sie brauche Regeln und Normen. Dazu zählten Führungs-, Kommunikations- und Besprechungskultur. Dafür wird bei Fath einiges getan, zum Beispiel im Bereich Führungskräfteentwicklung. „Viele unserer Teamleiter waren bis vor vier oder fünf Jahren noch Auszubildende. Sie sind zwischen 24 und 32 Jahre alt und hatten noch keine Gelegenheit, irgendwo anders professionelle Führung zu erleben. Sie versuchen aus dem Bauch heraus, die Dinge richtig zu tun“, erzählte Fath. „Wir haben ein monatliches Führungskräftetraining mit externen und internen Trainern etabliert, dessen Themen von den Teamleitern selbst gesetzt werden. Dabei geht es nicht um Sach-, sondern um Führungsthemen.“ Bei der monatlichen Montagsrunde in der Cafeteria werden alle Mitarbeiter über alles, was im Unternehmen vor sich geht, informiert. In den Abteilungsbesprechungen werden ebenso Informationen ausgetauscht wie bei den Schnittstellenbesprechungen, bei denen es darum geht, Konflikte zu vermeiden. „Kommunikation vermeidet Hirngespinste“, sagte Fath.

Verständnis für die anderen

Neue Mitarbeiter erhalten eine systematische Einführung. Dazu gehört ein zweiwöchiges Trainingsprogramm, in dem einmal die gesamte Firma durchlaufen wird. Das macht jeder neue Mitarbeiter, egal für welche Aufgaben er eingestellt wurde. „Damit möchten wir Verständnis für die Zusammenhänge im Unternehmen und für andere Abteilungen wecken. Wenn es Konflikte zwischen Abteilungen gibt, tauschen wir manchmal auch die Mitarbeiter aus“, erzählt Fath. „Dadurch entwickeln sie Verständnis für die Position des anderen. Außerdem bieten wir natürlich eine Vielzahl von Entwicklungsmöglichkeiten an. Dafür gibt es eine Jahresplanung. Unser Bestreben ist es, unsere Mitarbeiter immer eine Stufe weiterzuentwickeln.“ Mit Mitarbeiterbefragungen wird regelmäßig geklärt, wie die Mitarbeiter mit ihrer Arbeit, ihren Vorgesetzten und dem Unternehmen zufrieden sind. Bei der letzten Befragung waren 97 Prozent der Mitarbeiter mit der Gesamtsituation im Unternehmen zufrieden – 20 Prozent mehr als der Durchschnitt in Deutschland. „Wichtig ist bei solchen Befragungen, dass die Mitarbeiter sehen, dass anschließend auch entsprechend gehandelt wird“, so Fath

Spaß und Werte

Nur mental und körperlich gesunde Menschen können Höchstleistungen vollbringen. Dieses Bewusstsein werde durch Gesundheits- und Stressmanagement und Sport gefördert. „Ich kenne das selbst“, sagt Fath. „Wenn ich zehn oder 15 andere Leute habe, die mit mir joggen oder schwimmen gehen, dann fällt es leichter.“ Deshalb gibt es im Unternehmen nicht nur einen Swimmingpool und ein Volleyballfeld, sondern man nimmt auch als Team am Triathlon teil – inklusive Chef, der stolz erzählt, dass er dabei 180 Kilometer auf dem Fahrrad gefahren ist. Es gibt sogar einen Fan-Club. „Sport baut eine tolle Beziehung untereinander auf“, schwärmte der Unternehmer und: „Wir sitzen in der Provinz, aber wegen solcher Dinge kommen Bewerber zu uns.“

Wenn er in die Firma komme, wolle er Menschen um sich haben, mit denen er Freundschaft schließen könne, wünscht sich Fath. „Ich möchte keine Mitarbeiter, die zur Seite schauen, den Kopf senken oder schneller arbeiten, wenn ich vorbei gehe. Ich möchte Freude am Leben haben und sie teilen.“ Er habe einmal einen Vortrag gehört, in dem gesagt wurde, dass sich die klugen Köpfe künftig nicht mehr ein Unternehmen suchen würden, sondern eine soziale Gruppe, einen Club von Gleichgesinnten, mit denen sie Spaß haben könnten. Das verstehe er und er sei überzeugt, dass jedes Unternehmen die Menschen bekomme, die zu ihm passten. „Wir werden wahrscheinlich nie den besten Produktionsleiter aller Zeiten bekommen. Er würde vermutlich nicht zu unserer Kultur passen“, sagt der Unternehmer. „Unsere besten Mitarbeiter sind in der Regel die, die wir selbst ausgebildet haben. Wir lassen sie sogar ziehen, aber sie kommen oft auch wieder.“

Anderen Unternehmern gab Fath den Rat, vor allem die eigene Klarheit zu suchen: „Ich muss wissen, was ich für mich und das Unternehmen will und was ich von anderen erwarte. Der Rest ist Kommunikation.“ Er machte deutlich, dass nur Werte, die man leben können, sinnvoll seien. Mitarbeiter, die die Unternehmenswerte mit Füßen träten, müssten gehen, egal wie gut ihre Ergebnisse seien, denn langfristig würden sie dem Unternehmen schaden. Er habe einen einfachen Grundsatz, fügte Fath hinzu: „Was ich will, das mir geschieht, das tue ich auch an anderen.“ Und an seine Zuhörer gerichtet: „Leben Sie Ihre Werte, dann machen Sie es richtig. Wenn es die falschen sind, merken Sie das auch, denn dann geht Ihr Ergebnis den Bach runter.“

www.fath.de