Portraits
16. Juni 2015

Balluff: Familienunternehmen auf Zukunft ausrichtet

Von der Werkstatt in Neuhausen bei Stuttgart zum Weltkonzern mit fast 3.000 Mitarbeitern, von der Fahrradreparatur über die Spätzlemaschine zum Hightech-Produkt: Der Sensor-Spezialist Balluff GmbH ist ein schönes Beispiel für erfolgreiche Familienunternehmen.

„Die besondere Unternehmensstruktur verlangt von der Unternehmerfamilie nachhaltiges Agieren und Fingerspitzengefühl“, sagt Geschäftsführerin Katrin Stegmaier-Hermle und ergänzt: „Vor allem dann, wenn es um starkes Wachstum und Internationalisierung geht.“ Zu Zeiten von Rolf Hermle, der die Balluff GmbH in der dritten Generation leitete, war es noch möglich: Der Chef begrüßte jeden Mitarbeiter mit Namen, gratulierte zum bestandenen Abitur des Sohnes und erkundigte sich nach der Gesundheit der Ehefrau. Und heute? „Bei mittlerweile 900 Mitarbeitern am Standort kann solch ein umfassender, persönlicher Umgang schlicht nicht mehr umgesetzt werden“, bedauert Stegmaier-Hermle, die Tochter und Nachfolgerin von Rolf Hermle. „Wir müssen neue Wege finden, um die Nähe zu unseren Mitarbeitern beizubehalten.“

Fokus auf Kommunikation

So legt die vierte Generation großen Wert auf Kommunikation und Personalpolitik. Wann immer Betriebsversammlungen und andere übergreifende Meetings stattfinden, sind Katrin Stegmaier-Hermle, ihr Bruder Florian Hermle und Sprecher Michael Unger dabei. Erst jüngst hat das Dreiergespann der Geschäftsleitung 200 Vertriebskollegen aus aller Welt nach Neuhausen eingeladen. „Wir kommunizieren sehr viel intensiver als noch vor wenigen Jahren und wenden dafür auch mehr Mittel auf“, sagt Stegmaier-Hermle. „Denn unsere Mitarbeiter wertzuschätzen und mitzunehmen, wird durch unsere Größe immer mehr zur Herausforderung. Gleichzeitig können wir nur wachsen, wenn wir alle gemeinsam an einem Strang ziehen.“ Und weiter wachsen möchte Balluff, denn die Automatisierungsbranche bietet momentan weltweit hervorragende Möglichkeiten.

Mitarbeiter weltweit vernetzen

Bis 2018 soll der Umsatz der Gruppe jährlich im zweistelligen Prozentbereich zulegen, und zwar nicht etwa durch Zukäufe, sondern organisch. Um das zu erreichen, setzt man vor allem auf die stärkere Durchdringung der Märkte und auf den Ausbau des Geschäfts in den USA und Asien. „Die Voraussetzungen sind sehr gut: Wir haben die Mitarbeiter, das Know-how, die Infrastruktur und die potenziellen Kunden. Aber das Geschäft entwickeln müssen wir schon selbst“, fasst Stegmaier-Hermle zusammen. Eine zentrale Rolle spielt dabei die enge Kooperation der Mitarbeiter weltweit. „Früher mussten unsere Vertriebsgesellschaften nur ihren eigenen Markt bearbeiten. Heute aber sind unsere Kunden international aufgestellt und diesen Weg begleiten wir. Entwickelt also unser Kunde in Italien, produziert aber in Polen, dann wollen wir diese Aufgabenteilung mitgehen und widerspiegeln.“ Für den italienischen Balluff-Kollegen bedeutet das womöglich, einen Kunden erfolgreich zu beraten, aber dennoch selbst keinen Umsatz zu generieren, weil der Auftrag an die Kollegen in Polen weiterwandert. „Genau deshalb ist es wichtig, innerhalb der Belegschaft ein tiefes Verständnis für die neuen Strukturen der Märkte zu schaffen und deutlich zu machen, dass das Engagement eines jeden Einzelnen der Gruppe als Ganzes zugute kommt. Unsere Kunden sind so aufgestellt. Wenn wir nicht mitziehen, tut es der Wettbewerb.“ Stetig arbeitet Balluff deshalb an den unternehmensinternen, globalen Netzwerken und baut sie aus, vom weltweiten Produktions- und Logistiknetzwerk über globale HR bis hin zu globalen Key Accounts.

Die Haltung der Familie prägt

Diese Netzwerke bewähren sich angesichts der Herausforderung von Wachstum und Internationalisierung täglich neu. Und die Freude über das gemeinsame Engagement und den Erfolg möchte Katrin Stegmaier-Hermle in die Belegschaft tragen. Dazu bedarf es der regelmäßigen Kommunikation. Kaskadenartig werden wichtige Informationen durch das Unternehmen verbreitet. Das ist zwar ein großer Aufwand, aber unabdingbar. „Wir möchten, dass die Mitarbeiter klar erkennen, worin ihr eigener Beitrag zum Wachstum liegt, und dass sie wissen, wie sehr wir diesen Beitrag schätzen“, sagt die Geschäftsführerin. Dazu trägt auch die Authentizität der Geschäftsleitung bei, die in vierter Generation die Verantwortung für das Unternehmen trägt und sich klar dazu bekennt. „Die Haltung, dass die Familie zum Unternehmen steht, prägt natürlich“, sagt die Geschäftsführerin. „Für uns bedeutet es Verpflichtung, Antrieb und Motivation gleichermaßen, das Unternehmen zu entwickeln. Wir möchten unseren Beitrag leisten, um die Erfolgsgeschichte weiterzuschreiben und nicht etwa als jene Generation in die Balluff-Geschichte eingehen, bei der es nur so halbwegs lief.“

Entsprechend widmet sich die Geschäftsleitung immer wieder dem umsichtigen Handling der Unternehmensgeschicke zwischen Herkunft und Internationalität, zwischen persönlicher Bindung und heutiger Unternehmensgröße. Von Generation zu Generation übertragene Werte wie Menschlichkeit, Integrität und Verlässlichkeit gehen Hand in Hand mit modernen Werten wie Nachhaltigkeit in Sachen Umweltschutz und innovativen Entwicklungen. Und das Wachstum von Balluff belegt, dass das uneingeschränkte Wertebewusstsein des Familienunternehmens sich für alle Beteiligten auszahlt. Das vermittelt die Geschäftsführung auch den Mitarbeitern, die ihrerseits die Sicherheit und Nachhaltigkeit zu schätzen wissen, die Balluff ihnen bietet. „Für uns alle ist die Form des Familienunternehmens ein klares Erfolgsmodell, und das wird auch in Zukunft so bleiben“, bilanziert Stegmaier-Hermle. (von Sandra Nippert)

Das Unternehmen: „Mit 2.750 Mitarbeitern steht Balluff weltweit für innovative Technik, Qualität und maximale Kundenorientierung. Als führender Anbieter für die industrielle Automation bietet das Familienunternehmen ein umfassendes Sortiment an hochwertigen Sensoren, System- und kundenspezifischen Lösungen an“, sagt Katrin Stegmaier-Hermle. Neben dem zentralen Firmensitz in Neuhausen auf den Fildern verfügt das Familienunternehmen rund um den Globus über neun Produktions- und Entwicklungsstandorte sowie 61 internationale Niederlassungen und Repräsentanzen.

www.balluff.de