Portraits
8. Juni 2015

Erfolg ist stets eine Teamleistung

Martina Koederitz, Vorsitzende der Geschäftsführung der IBM Deutschland GmbH und General Manager Deutschland, Österreich, Schweiz, wird am 16. Juli auf der 10. Familienunternehmer-Konferenz in Stuttgart an der Diskussionsrunde zum Thema „Digitale Revolution und globaler Wettbewerb“ teilnehmen. Die Redaktion von Familienunternehmer-News sprach mit ihr im Vorfeld der Konferenz.

Mit 23 Jahren sind Sie zur IBM gekommen und stehen nun seit 2011 an der Spitze des Konzerns. Wie hat Ihr langer Weg nach oben Ihren Führungsstil geprägt?

Martina Koederitz: In dieser Zeit hat sich die IBM mehrfach verändert und erneuert – das prägt die DNA des Unternehmens und auch meine. Wir wissen: Fortschritt ist Zukunft und Stillstand ist Rückschritt. Die DNA der IBM beinhaltet aber auch, dass der Erfolg stets eine Teamleistung ist. Flache Hierarchien und eine offene Gesprächskultur prägen uns und auch meinen Führungsstil. Ich halte mich also nicht an den Sonnenkönig Ludwig XIV., der sagte, „der Staat bin ich“, sondern lieber an Friedrich den Großen, der sich als erster Diener des Staates bezeichnete.

Worauf legen Sie beim Lenken des Unternehmens besonderen Wert?

Technologische Treiber wie Big Data, Cloud, Mobile oder Sicherheit verändern die Schnittstelle von Geschäft und Informationstechnik – alte Modelle verschwinden und neue Geschäftsmodelle entstehen. Wir verstehen uns als strategische Partner für unsere Kunden, die Digitalisierung erfolgreich voran zu treiben. Dazu haben wir eine Vielzahl von Beratern und Experten. Beim Lenken der IBM muss genau dieses umfassende Know-how berücksichtigt werden. Und das gelingt meiner Meinung nach nur mit einer guten und vertrauensvollen Kommunikation über alle Ebenen hinweg.

Wie hat sich das Unternehmen in Deutschland unter Ihrer Führung verändert?

Nun, „die“ IBM hat eine Anziehungskraft für weibliche Führungskräfte beginnend bei Virginia Rometty, die seit 2012 als CEO und Präsidentin die Geschicke der Firma lenkt. Aber grundsätzlich gilt, insgesamt haben wir uns als IBM zum Treiber bei der digitalen Transformationen entwickelt, der große und kleine Unternehmen auf diesen Weg bringt – hier in Deutschland und weltweit!

Was muss sich Ihrer Meinung nach speziell in Deutschland ändern, damit es noch mehr Frauen ins mittlere und obere Management deutscher Unternehmen schaffen?

Ich bin keine Verfechterin der Frauenquote. Aus meiner Sicht sind wir bei diesem Thema als Gesellschaft gefordert und das beginnt bei der Erziehung und setzt sich im Berufsleben fort. Erst wenn wir in Erziehung, Ausbildung und Beruf nicht mehr geschlechtsspezifisch denken, werden wir auch entsprechende Auswirkungen auf die mittlere und obere Managementebene bekommen, davon bin ich überzeugt.

Welche Chancen bietet Ihrer Ansicht nach die fortschreitende Digitalisierung für Unternehmen? Wo sehen Sie Risiken?

Die Digitalisierung bringt auch in Unternehmen Umbrüche: Wie wir arbeiten, Produkte fertigen oder miteinander kommunizieren, das verändert sich derzeit in rasantem Tempo. Die digitale Transformation führt in den Unternehmen nicht nur zu einer völlig neuen Interaktion mit dem Kunden und einer höheren Produktivität und Qualität, sondern auch zu einer individuellen Fertigung, das Stichwort lautet hier Industrie 4.0. Der Mittelstand kann davon profitieren, weil er dank Cloud Computing und Big Data über dieselben IT-Ressourcen verfügt wie seine großen Wettbewerber. Eine zentrale Rolle spielen hier die IT-Partner, die ja Profis in ihrem Metier sind. Sie sind auch Garant für die IT-Sicherheit. Risiken sehen ich dort, wo Unternehmen mit selbst gestrickten Lösungen die Digitalisierung meistern wollen und keine IT-Profis an Bord holen.

Welches sind Ihre persönlichen Ziele für die kommenden fünf Jahre bei IBM?

Ich möchte dazu beitragen, diese digitale Dekade in Deutschland, Österreich und der Schweiz mit unseren Ideen und Lösungen mit zu gestalten und weiterhin als ein attraktiver Partner für unsere Kunden zu gelten. Damit geht natürlich auch einher, dass wir in Zukunft verstärkt die jungen Talente aus aller Welt ansprechen und sie für unser Team zu gewinnen. Und genau hier setzt mein persönlicher Wunsch an: Ich baue darauf, dass ich auch 2020 noch ein derart tolles Team um mich habe, mit dem ich die Geschicke der IBM in Deutschland, Österreich und der Schweiz erfolgreich lenken kann. Und, dass wir mit vielen weiteren Patenten aus unserer Region aktiv zur digitalen Revolution beitragen. (-hf)

Tipp: Hier geht es zum Programm der 10. Familienunternehnmer-Konferenz.

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