Portraits
4. März 2016

Die Zukunft fest im Blick

Die Overlack AG stand wie viele Mittelständler vor der Frage: „Wachsen oder weichen?“ Inhaber und Vorstandssprecher Peter Overlack entschied sich für Wachstum und holte einen Eigenkapitalpartner mit ins Boot. Der Familienunternehmer möchte das Unternehmen so für die Zukunft aufstellen, dass es eine wettbewerbsfähige Größe in der Branche hat und sich international behaupten kann. Und noch etwas ist ihm wichtig: „Nachfolgende Generationen sollen die Wahl haben, ob sie operativ in der Geschäftsleitung mitarbeiten oder das Unternehmen aus einer aktiven Rolle als Familiengesellschafter begleiten wollen.“

Zu dieser Strategie gehört auch, dass Peter Overlack einen Vorstand aufgebaut hat, in den neben ihm Heinrich Eickmann als Vorstandssprecher und Sabine Moritz als Finanzvorstand eingezogen sind. Gemeinsam realisieren sie die Buy-and-Build-Strategie für das Familienunternehmen, diskutieren und analysieren mögliche passende Zielunternehmen und entscheiden über strategisch sinnvolle Zukäufe. Dabei wird der Vorstand unterstützt durch die Beteiligungsgesellschaft Hannover Finanz, die seit 2015 das Eigenkapital für die Zukäufe über eine Wandelanleihe zur Verfügung stellt.

Neue Führung – neue Strategie

1988 übernahm Peter Overlack die Führung des 1922 gegründeten Chemikalienhändlers aus Mönchengladbach. Er erinnert sich: „Als ich mit 31 Jahren in das Familienunternehmen einstieg, war es ein kleiner Mittelständler mit damals 60 Millionen D-Mark Jahresumsatz und 100 Mitarbeitern. Anfangs schloss ich einen Verkauf an einen größeren Mitbewerber nicht aus. Aber im Laufe der Zeit habe ich erfahren, wie viel Kreativität auch in der Unternehmensführung stecken kann. Wir gestalten ja ein ganz neues Unternehmensgefüge.“

Nach einer intensiven Recherche gelangte der Jungunternehmer damals zu einem niederschmetternden Ergebnis: „Unser Unternehmen war zum Sterben zu groß, aber auch zu klein, um langfristig zu überleben. Ich hatte zwei Möglichkeiten: Entweder wir würden an ein größeres Unternehmen verkaufen oder ich musste die Familiengesellschafter fragen, ob sie auf die ihnen zustehenden Entnahmen aus dem Unternehmensvermögen verzichten würden, damit wir das Geld für weiteres Wachstum ins Unternehmen stecken können. Die Familie hat das verstanden. Dann kam mit dem Wegfall der Mauer unsere Chance für die Neupositionierung und Ausweitung.“ Overlack reagierte schnell. Die erste Dependance in Leipzig wurde 1990 gleich nach dem Mauerfall eröffnet. 1992 folgte die Eröffnung eines Standorts in Tschechien, 1997 folgte Polen. Später kamen Russland, das Baltikum, die Türkei, der Balkan und Ungarn hinzu.

Einer Empfehlung vertraut

Um das Ziel einer starken Position zu erreichen, fehlten jedoch noch Standorte in Westeuropa. Zunächst dachte Overlack daran, ein anderes Familienunternehmen zu beteiligen, doch dieses Vorhaben scheiterte. Er suchte nach einem neutralen Partner. Über freundschaftliche Beziehungen zur Firma Biesterfeld, die seit 2011 die Hannover Finanz als Minderheitsgesellschafter an Bord hat, erfuhr er von der Möglichkeit der Finanzierung durch die Beteiligungsgesellschaft Hannover Finanz. Obwohl er sich noch andere Private-Equity-Gesellschaften anschaute, entschied sich der Unternehmer letztlich für diese Gesellschaft. „Banken können nicht, was ein Private-Equity-Haus kann. Wir haben mit 20 bis 40 Investoren gesprochen. Es stellte sich schnell heraus, dass angolamerikanische Häuser nicht zur Mentalität eines deutschen Mittelständlers passen. Gemeinsam mit der Hannover Finanz haben wir ein Konzept entwickelt, das uns als mittelständischen Familiengesellschaftern passend erschien“, resümiert Overlack.

Jetzt beginnt das Management in anderen Ländern in die Tiefe zu recherchieren. Der Markttrend kommt dem Unternehmen dabei entgegen: Kleine und mittlere Unternehmen der Branche müssen sich größeren Einheiten anschließen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Die junge Generation will oft nicht mit ins Unternehmen einsteigen. Dieser Systematik folgend, findet das Management-Team immer wieder passende Gelegenheiten für Zukäufe. Inzwischen hat der Chemikaliendistributor sein Europa-Netz nach Westen durch zwei Zukäufe erweitert: Der englische Distributor Lansdowne Chemicals gehört seit November 2015 zu dem Familienunternehmen, die Stuttgarter Unternehmensgruppe Klink seit Oktober 2015. Damit ist die Overlack AG mit 38 Standorten in 18 Ländern und einem Umsatz von 478 Millionen Euro ein starker europäischer Mittelständler und zählt zu den ersten Adressen ihrer Branche.

Partner im Wandel

Jürgen von Wendorff, Vorstand der Hannover Finanz, sieht die Beteiligung an der Overlack AG als Bestätigung der Strategie der Beteiligungsgesellschaft: „Bei unseren Beteiligungen schöpfen wir aus einem Evergreen Fonds. Deshalb haben wir keinen Exit-Druck und können den Unternehmer über lange Zeit hinweg als verlässlicher Partner begleiten.“ Von Wendorff sieht im Mittelstand eine deutlich gestiegene Nachfrage in den Bereichen Nachfolgeregelung und Vermögensdiversifikation. Und für Unternehmen, die kräftig wachsen wollten, bleibe Private Equity das Mittel der Wahl.

„Familienunternehmen schätzen vor allem unsere Expertise in Finanzierungsfragen, bei Akquisitionen und in strategischen Fragen. Bei operativen Fragen ist Einmischung weder erwünscht noch gefragt. Das entspricht unseren Vorstellungen. Wir wollen mitsprechen und als Mitunternehmer wahrgenommen werden, aber wir mischen uns nicht in das operative Geschäft ein“, sagt von Wendorff. „Wir richten uns nach den Bedürfnissen der Unternehmer und passen unsere Lösungen an. Das werden wir auch im Hinblick auf künftige Entwicklungen tun. Mit Digitalisierung und Industrie 4.0 stehen viele Mittelständler vor einem Umbruch und hätten gerne Partner dabei, die ihnen helfen können, diesen zu meistern.“

www.overlack.de