Portraits
2. Oktober 2016

Gründung: Erfolgreich mit importierter Idee

Oliver Kremers, Gründer der „homefort GmbH“ in Saarbrücken, gibt unumwunden zu, dass die Geschäftsidee nicht seine eigene ist, sondern zum Beispiel in den USA und Frankreich bereits ein voller Erfolg. Die Entwicklung dort zeige das hohe Potenzial des Geschäftsmodells.

Der 46-Jährige ist kein Frischling, sondern hat bereits sowohl in großen Konzernen gearbeitet als auch ein eigenes Unternehmen geführt, das er inzwischen verkauft hat. Die Idee zu Homefort entstand aus einer schlimmen Erfahrung für ihn und seine Familie. „Als wir eines Tages gerade das Haus verlassen wollten, sahen wir uns zwei Einbrechern mit Brechstange gegenüber“, erzählt Kremers. „Die Sache ging glimpflich aus, war für mich aber Anlass, mich über Alarmanlagen zu informieren. Dabei entdeckte ich Erstaunliches. Für eine Alarmanlage musste ich inklusive Installation rund 15.000 Euro investieren plus 400 Euro Wartung pro Jahr plus 80 Euro pro Monat für die Aufschaltung auf den Notruf.“ Durch einen Tipp von Freunden kam Kremers auf die Idee, im Nachbarland Frankreich zu recherchieren und entdeckte, dass dort eine Alarmanlage mit Verbindung zu einem Notruf bereits für 600 bis 800 Euro plus einen geringen monatlichen Beitrag zu haben war. „Wirkliche Sicherheit können sich in Deutschland nur die Vermögenden leisten“, sagt der Unternehmer. „Das zeigt sich schon daran, dass in den USA 25 Prozent aller Haushalte über eine Alarmanlage verfügen, in Frankreich 15 Prozent, in Deutschland aber gerade einmal ein Prozent.“

Die Zahl der Wohnungseinbrüche in Deutschland ist 2015 mit 167.136 Fällen auf einen Rekordwert gestiegen, gegenüber 2014 ein Anstieg um rund zehn Prozent. Die Aufklärungsquote lag bei gerade einmal 15,2 Prozent.

Sicherheit darf kein Luxus sein

Im September 2015 gründete Kremers Homefort. Sein Ziel: Bezahlbare Sicherheit für alle. Das Konzept beruht auf der Verbindung moderner, smarter Alarmanlagen und intelligenter, innovativer Systeme mit den Methoden und Erfahrungen traditioneller Sicherheitsdienste. Der Kunde erhält bei der Erstinstallation der Alarmanlage über Homefort einen Teil der Hardware kostenlos. Ist die Anlage installiert, bezahlt er einen monatlichen Beitrag. Dafür kann er sicher sein, dass die Anlage stets gewartet wird und im Notfall innerhalb von 20 Millisekunden bei der Notrufleitstelle ein Alarm eingeht. „Und es klingelt nicht nur, sondern entweder die Polizei oder der Wachdienst ist innerhalb kürzester Zeit vor Ort“, betont Kremers. „Dafür arbeiten wir mit der renommierten Securitas zusammen. Die Verbindung zu einer Stelle, die einem Einbruchsopfer schnell zu Hilfe kommt, ist essentiell. Eine Alarmanlage, die nur piept, nützt nicht viel, und eine, mit der man per App zuschauen kann, wie jemand die Wohnung ausräumt, schon gar nicht.“ Homefort will seinen Kunden ein Rundum-sorglos-Paket anbieten, das sich nahezu beliebig erweitern lässt, wie Kremers betont: „Ältere oder kranke Menschen können sich auf einen medizinischen Notfallruf aufschalten lassen, für den Fall der Fälle einen Zweitschlüssel und eine Notfalladresse bei unserem Partner Securitas hinterlegen. Auch die Erweiterung in Richtung Smart Home ist bereits möglich. Steuern kann der Kunde das Ganze über eine App, über die er auch benachrichtigt wird, wenn in seinem Haus oder seiner Wohnung in seiner Abwesenheit etwas passiert.“

Strategischer Partner gesucht

Junge Unternehmen brauchen Geld. Über Crowdfunding bei Companisto hat das Unternehmen seine finanzielle Basis gestärkt, doch Kremers ist aktiv auf der Suche nach einem strategischen Partner, der „mein Geschäft nach vorne bringt und mit uns sein Geschäft unterstützt“. In anderen Ländern werde ein Kundenvertrag in diesem Bereich mit 1.500 bis 2.000 Euro bewertet, weiß Kremers. In Frankreich bietet zum Beispiel die Bank Crédit Mutuel einen vergleichbaren Service an und hat bereits über 400.000 Kunden gewonnen. „Die Bank vergibt Kredite an Immobilienkäufer. Ein Angebot für eine Alarmanlage passt dazu“, sagt der Gründer. Auch Versicherungen, Immobilienportale, Telekommunikationsunternehmen, Energieversorger und sogar Hardwarehersteller sieht Kremers als natürliche strategische Partner. „Versicherer können günstigere Tarife bei bestimmten Produkten anbieten, wenn die Immobilie wirkungsvoll geschützt ist. Hersteller von Garagentoren können mit einem Sicherheitskomplettpaket punkten“, sagt Kremers. „Es gibt viele Möglichkeiten. Angesichts einer ständig steigenden Zahl an Wohnungseinbrüchen und einer sehr geringen Aufklärungsquote sowie dem anhaltenden Trend zum Smart Home steckt in meinem Geschäftsmodell riesiges Potenzial.“

Mehr zum Thema Zusammenarbeit zwischen Start-ups und etablierten Unternehmen lesen Sie in der Oktober-Ausgabe 2016 von „Die News“.