Portraits
17. November 2016

Bauunternehmen Bendl: „Wir erschaffen Lebenswelten“

2015 feierte das Günzburger Unternehmen 70jähriges Jubiläum. Doch das war für Inhaber, Geschäftsführung und Mitarbeiter kein Grund, sich auf den Lorbeeren der Vergangenheit auszuruhen. Im Gegenteil: Nach eineinhalb Jahren intensiver Beschäftigung wurde die Marke den sich verändernden Marktbedingungen angepasst und das Markenversprechen erneuert. Die Auszeichnung „Bauunternehmen des Jahres 2015 für kleinere und mittlere Unternehmen in der Kategorie Tief-, Straßen- und Ingenieurbau “ war da das Tüpfelchen auf dem i.

„Auf diese Auszeichnung sind wir besonders stolz“, sagt Tobias Keck, Geschäftsführer des Familienunternehmens. „Wir haben zum ersten Mal teilgenommen und auf Anhieb einen ersten Platz belegt.“ Die Jury unter Federführung des Lehrstuhls für Bauprozessmanagement und Immobilienentwicklung (LBI) von Prof. Dr.-Ing. Josef Zimmermann an der Technischen Universität München hob bei der Preisverleihung vor allem das Qualitätsmanagement der Firma hervor. „Das wissen unsere Kunden zu schätzen“, freut sich Keck. „Gute Unternehmen bezahlen für Qualität. Wir behaupten von unseren Preisen nicht, dass sie die günstigsten sind, aber die wirtschaftlichsten. Unsere Kunden bekommen von uns alles aus einer Hand. So nehmen wir ihnen alle Sorgen im Zusammenhang mit einem Bauvorhaben ab. Das ist mit ein Grund, weshalb wir uns immer wieder gegen weit größere Wettbewerber durchsetzen können.“ Es sei wichtig, sich in den Kunden hineinzudenken und seine Bedürfnisse zu verstehen. „Wir beschäftigen einen eigenen Architekten und können dadurch unsere Kunden bereits bei der Entstehung und Entwicklung ihrer Projekte als Partner begleiten. Es geht uns bei jedem Auftrag darum, unseren Kunden höchsten Nutzen zu bieten“, erklärt Keck die Strategie. Man wolle keine Hallen, Büros oder Häuser bauen, sondern Lebenswelten. Letztlich gehe es um Vertrauen und die persönliche Beziehung zum Kunden. Nicht zuletzt deshalb könne man sich über eine Stammkundenquote von 90 Prozent freuen.

Nicht stehen bleiben

Das 70-jährige Jubiläum gab den Startschuss für die Weichenstellung der nächsten Jahre. In Arbeitskreisen mit Mitarbeitern, Führungskräften und einer Agentur wurde der neue Markenauftritt erarbeitet. Jetzt, so der Geschäftsführer, werde der Markenprozess der letzten zwei Jahre Schritt für Schritt sichtbar, erlebbar und fühlbar. „Grenzenloses Denken ermöglicht uns, all unsere Inspiration in die Zukunft zu richten, weil wir und unsere Kunden darin leben. Die wichtigste Kraft, diesen Anspruch zu erfüllen, ist der Kern unseres Unternehmens: Kreativität“, heißt es in der Firmenzeitschrift.

Vorausschauendes Denken und der kämpferische Umgang mit Herausforderungen sind in der Geschichte des Familienunternehmens nichts Neues. Mutig gründeten Franz Bendl und Karl Dölker 1945 eine Baufirma. Bald verfügte das Unternehmen über das erste Transportbetonwerk in der Region mit eigenem Kieswerk und beschäftigte 300 Mitarbeiter. Bendls Sohn Harry und dessen Frau Margot führten den Geschäftsbetrieb ab 1975 unter dem Namen Dipl.-Ing. H. Bendl GmbH & Co. KG Bauunternehmen weiter. Sie gründeten den Bauschnelldienst und nahmen Außenanlagen ins Portfolio. 1982 wurde die Abteilung Schlüsselfertigbau ins Leben gerufen und damit ein entscheidender Schritt zur Zukunftssicherung vollzogen. Fortan konnte das Unternehmen seinen Kunden die komplette Abwicklung eines Auftrags von der Planung bis zur Schlüsselübergabe anbieten.

Anfang der 1990er-Jahre fiel Harry Bendl im Urlaub ein ungewöhnlicher Lkw auf. Er fand heraus, dass es sich um ein Spezialfahrzeug zur Kanalsanierung handelte. Er griff die Idee auf und gründete 1992 die Abteilung Kanalsanierung. Große und kleine Kanäle werden ohne aufzugraben nach dem Prinzip „Rohr ins Rohr“ saniert. Ebenso wie der Unternehmer diese Chance ergriffen hatte, zögerte er nach dem Mauerfall nicht lange und gründete 1994 die Dipl-Ing. H. Bendl, Hoch- und Tiefbau GmbH Sebnitz in der sächsischen Schweiz.

Von Industriebauten und Burgen

Das Unternehmen konzentriert sich auf den schlüsselfertigen Industrie- und Gewerbebau und tritt seit 1993 auch als Bauträger für Wohnhäuser auf. Zu den Vorzeigeprojekten zählen so außergewöhnliche Bauten wie die Kögl-Verwaltung in Bubesheim oder der neue Campus der Günzburger Steigtechnik GmbH.

Prestigeträchtig und herausfordernd waren und sind die Bauten für das in der Nähe des Firmensitzes beheimatete Legoland. Schon beim Entstehen des Legolands vor über zehn Jahren war Bendl mit dabei. Das Unternehmen war verantwortlich für die „Unterwelt“ des Minilands mit den Legowelten, in der die gesamte Technik versteckt ist. 2013 folgte der Bau der „Ritterburg“ und 2014 der „Königsburg“, in denen Legoland-Besucher übernachten können. Die besondere Herausforderung: Es musste immer im Winter gebaut werden, wenn der Park geschlossen war – oft bei winterlichen Temperaturen und Schneefall. Trotzdem konnte das Richtfest in beiden Fällen nach nur zwei Monaten Bauzeit gefeiert werden. Damit dieses Ziel erreicht werden konnte, waren Ideenreichtum, innovative Arbeitsmethoden und ein eingespieltes Team nötig.

Bei Umbau- und Erweiterungsarbeiten nimmt Legoland den Bauschnelldienst in Anspruch. „Der Bauschnelldienst ist für kleinere Baustellen gedacht, bei denen häufig besondere Fähigkeiten gefragt sind“, erläutert Keck. „Unsere zwölf Allrounder renovieren schon einmal eine Schlossmauer, bringen Stuck auf oder sanieren Badezimmer. Handwerker, die sozusagen alles können, findet man heute nur noch selten. Deshalb schulen wir unsere Mitarbeiter selbst. Ein Workshop zu alten Handwerkstechniken war ein voller Erfolg.“

Bauen in der digitalen Welt

Längst hat die Digitalisierung auch die Baubranche erreicht und einen Umbruch eingeleitet. Smartphones, Tablets und Notebooks haben sich für die schnelle und vollständig vernetzte Baustellenkommunikation etabliert. Totalstationen ersetzen das Schnurgerüst und teilweise den Vermesser. Hocheffektive Laser-Scanner übernehmen minutenschnell ein früher oft wochenlang dauerndes Bestandsaufmaß. Boden- und Georadar geben detaillierte Einblicke in den Untergrund, ohne diesen teuer aufgraben und untersuchen zu müssen. Digitale Kanalkameras liefern ein detailgetreues 3D-Modell eines Kanals, über GPS exakt lokalisierbar. RFID-Chips geben die Beanspruchung der Bohrmaschine im Einsatz wieder und verbuchen das Gerät automatisch auf die Kostenstelle. Building Information Modeling, eine hochkomplexe Methode zur optimierten Planung, Ausführung und Bewirtschaftung von Gebäuden, befindet sich in der Entwicklungsphase. „Wir nutzen die Digitalisierung, um noch effizienter und wirtschaftlicher sowie deutlich einfacher zu arbeiten. Davon profitieren sowohl unsere Kunden als auch unsere Mitarbeiter durch eine kostengünstigere Realisierung der Projekte, eine erhebliche Zeitersparnis und dies weniger körperlich anstrengend als früher“, sagt der geschäftsführende Gesellschafter Stefan Wiedemann.

Nachwuchs Perspektiven bieten

Mit der Digitalisierung einher geht auch ein Wandel der Berufsbilder. „Bauberufe haben noch immer ein schlechtes Image. Sie gelten als schwer und schmutzig“, bedauert Keck. „Doch das entspricht nicht mehr der Realität, denn Maschinen übernehmen häufig die schweren Arbeiten. Auch die Aufstiegs- und Weiterbildungsmöglichkeiten sind sehr gut und werden von uns gefördert.“ Wiedemann ergänzt: „Wir haben zum Beispiel die Stelle eines so genannten Ausbau-Poliers neu generiert. Dieser ist bei größeren schlüsselfertigen Maßnahmen bereits in der Phase der Arbeitsvorbereitung involviert und bleibt als Ansprechpartner bis zum Schluss auf der Baustelle. Einer unserer Auszubildendenden zum Hochbau-Polier hat sich inzwischen zum Hochbautechniker weitergebildet. Bei unserem Erfolgsrezept duale Ausbildung studieren die Auszubildenden parallel an der Hochschule München Bauingenieurwesen.“

„Eltern wünschen sich für ihre Kinder eine gute Ausbildung als Grundlage für ein gutes Leben. Deshalb sollen die Kinder studieren“, sagt Keck. „Dabei übersehen die Eltern, dass nicht jedes Kind mit einem Studium glücklich wird und viele Akademiker arbeitslos sind oder sich mit schlecht bezahlten Praktika durchschlagen müssen.“ Keck, der es vom Industriekaufmann zum Geschäftsführer gebracht hat, hält deshalb Vorträge vor Achtklässlern, spricht mit Eltern und Lehrern und versucht die Klischees vom schlecht bezahlten, perspektivlosen „Bauigel“ zu widerlegen. „Ein Polier verdient heute um die 4.000 Euro brutto“, sagt er.

Zukunft gesichert

Bendl tut nicht nur einiges für den Nachwuchs, sondern für alle Mitarbeiter. Immerhin wurde das Unternehmen als „Familienfreundliches Unternehmen“ im Landkreis Günzburg ausgezeichnet. Flexible Arbeitszeitmodelle, Coaching, Weiterbildung, Unterstützung bei privaten Problemen, gemeinsame Freizeitveranstaltungen, Familien- und Kindernachmittage, Ferienprogramme für Mitarbeiterkinder, Sportevents und Gesundheitsmanagement zeigen eindrucksvoll, dass es bei dem Familienunternehmen nicht nur darum geht, Kunden zu begeistern, sondern auch die Mitarbeiter. „Wir wollen ein Arbeitsumfeld schaffen, das motiviert und Kreativität fördert“, sagt Keck.

Auch in anderer Hinsicht haben die Inhaber des Familienunternehmens etwas für ihre Mitarbeiter getan: Sie haben die Unternehmenszukunft durch eine Nachfolgeregelung gesichert und damit auch die Arbeitsplätze der über 130 Mitarbeiter. Das Unternehmen wird von Keck und Wiedemann geführt, der 25 Prozent der Anteile hält. Regelmäßig informieren die beiden Geschäftsführer die Inhaber darüber, was im Unternehmen passiert und diskutieren anstehende Entscheidungen. Zweimal im Jahr tagt der Firmenbeirat, zu dem auch Externe gehören.