Portraits
5. Dezember 2016

Familienunternehmen nutzt AG als Nachfolge-Lösung

Der Fachhändler Datatec mit Stammsitz in Reutlingen zählt seit vielen Jahrzehnten zu den ersten Adressen, wenn es um Produkte rund um Mess- und Prüftechnik geht. Bereits im Alter von 58 Jahren hat jetzt Gründer Hans Steiner seine Nachfolge in Form einer AG geregelt.

Die Nachfolge in der eigenen Firma gehört nicht zu den Lieblingsthemen von Unternehmern. Verdrängen, statt aktiv angehen, ist häufig die Devise, erst recht, wenn kein potenzieller Nachfolger aus der Familie bereitsteht. Ein Verhalten, das im Extremfall das Aus für das Unternehmen bedeuten kann. Ganz anders stellt sich die Situation im Hause Datatec dar. Frühzeitig haben sich der geschäftsführende Gesellschafter Hans Steiner und seine Frau Gedanken darüber gemacht, wie es mit dem Unternehmen, das er vor 30 Jahren gegründet hat, weitergehen soll. „Wir wollten nicht auf irgendeine glückliche Fügung hoffen, sondern meine Nachfolge rechtzeitig in trockene Tücher bringen. Das sind wir unseren 100 Mitarbeitern und ihren Familien, aber auch unseren Kunden und Lieferanten schuldig“, erzählt der Unternehmer. Eine familieninterne Lösung schied von Anfang an aus, da sein Sohn erst zwölf Jahre alt ist und seine 48-jährige Frau, die als Geschäftsführerin eines der Teilunternehmen führte, mit ihm gleichzeitig aufhören möchte. „Eine wie auch immer geartete externe Nachfolge, etwa ein Verkauf, kam für uns ebenfalls nicht in Frage, da wir hier selbst als Investor schlechte Erfahrungen gemacht und gesehen haben, mit welchen negativen Auswirkungen die Mitarbeiter des betreffenden Unternehmens sich konfrontiert sehen, wenn plötzlich ein in ihren Augen ,böser‘ Fremder das Sagen hat. Das wollten wir unserer Belegschaft unbedingt ersparen.“ Ziel war stattdessen eine Lösung, mit der die Mitarbeiter nicht nur gut leben können, sondern die darüber hinaus das Know-how, sprich die Fach- und Führungskräfte, langfristig im Unternehmen hält.

Führungskräfte mit an Bord geholt

Nach relativ kurzer Zeit war klar, dass nur eine Aktiengesellschaft als Nachfolge-Modell in Frage kam. Ausgesuchte Mitarbeiter sollten als neue Aktionäre für die kontinuierliche Weiterentwicklung des Familienunternehmens sorgen. „Wir sind ein Handelshaus. Daher war uns von Anfang an wichtig, dass nur Vertriebs- und Marketingexperten zum Aktionärsteam gehören, die ein Gespür für den Markt und das Potenzial haben, mit ihren Ideen die Firma voranzubringen“, hebt Steiner hervor. Die Wahl fiel auf fünf Mitarbeiter, die jetzt schon zum Führungskreis gehören und viele Jahre im Betrieb sind. Auch strukturelle Änderungen nahm das Unternehmen vor: Die drei Teilgesellschaften wurden aufgelöst und in die Datatec AG überführt.

Mitte dieses Jahres war es dann soweit: Jede der fünf Führungskräfte erhielt je 6,2 Prozent der Anteile und musste diese aus der eigenen Tasche investieren. „Ich bin der Meinung, dass wenn man nichts investiert, es auch nichts wert ist. Dies ist auch immer unsere Devise, wenn wir neue Lieferanten in unser Portfolio aufnehmen“, ist der 58-jährige Unternehmer überzeugt und ergänzt: „Natürlich musste da jeder eine Menge Geld bereitstellen, aber dank attraktiver Förderkonditionen seitens der KfW konnten wir diese Herausforderung in kürzester Zeit meistern.“ Steiner ist jetzt Vorstand der AG und möchte den Rest der Anteile nach und nach intern veräußern, auch an weitere vielversprechende Mitarbeiter, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. „Wer weiß, vielleicht wird auch einmal unser Sohn in der AG unternehmerisch aktiv. Für diesen Fall werde ich einen kleinen Teil längerfristig behalten.“ Mit dem Kauf ihrer Anteile haben sich die neuen Teilhaber dazu verpflichtet, ihre Aktien nur innerhalb der Führungsmannschaft zu verkaufen. „Das verhindert, dass plötzlich irgendein Fremder mitredet und Anteile in die falschen Hände kommen. Ziel ist Kontinuität für das Unternehmen. Das war meiner Frau und mir wichtig.“

Der Fahrplan steht

Der gesamte Fahrplan wurde von der RWT Wirtschaftstreuhand GmbH aus Reutlingen begleitet. Die Geschäftsleitung hielt sowohl vor der Umwandlung des Unternehmens als auch während des gesamten Prozesses alle Mitarbeiter auf dem Laufenden. „Im Juli dieses Jahres haben wir der Belegschaft dann unsere neuen Aktionäre vorgestellt und das wurde von allen sehr gut aufgenommen“, erzählt der Unternehmer. Ihre Zukunft im Unternehmen ist gesichert. Und wie sieht Steiner seine Zukunft? „Ich werde den weiteren Prozess noch ein paar Jahre als Vorstand begleiten und später in den Aufsichtsrat wechseln. Auch außerhalb meines Unternehmens wird mir dank einiger Hobbys und meiner Familie nicht langweilig werden.“ -hf

www.datatec.de