Portraits
3. Dezember 2019

Gemeinsame Werte als Basis der Nachfolge

Isabel Grupp betrachtet es als Chance und als Ehre, die Nachfolge im väterlichen Betrieb anzutreten. Auch wenn es manchmal „knallt“, sind sich Vater und Tochter am Ende einig in ihren Zielen und Werten, die „beste Basis“, wie sie sagen.

Mit dem BWL-Studium und dem Master International Business trat Isabel Grupp in die Fußstapfen ihrer Eltern, die beide Betriebswirtschaftler sind. Als sie sich gegen Ende des Studiums Gedanken über ihre Zukunft machte, war der Eintritt ins väterliche Unternehmen eine Option. Ihr Vater ließ sie im Gespräch wissen, dass er es gut fände, wenn sie diese Chance wahrnehmen würde. Ihr zwei Jahre älterer Bruder Andreas Grupp verfolgte bereits seine eigene Karriere bei Aldi. Nach diversen Praktika, unter anderem bei Hugo Boss in New York, bei Bonduelle und der Sparkasse, nahm Isabel die Chance wahr, die sich ihr bot. Zunächst absolvierte sie eine Art Trainee-Programm, bei dem sie das gesamte Unternehmen kennenlernte. Später übernahm sie vertretungsweise eine Abteilung bevor sie 2015 endgültig in die Geschäftsleitung eintrat, mit Fokus auf Marketing, Vertrieb, Personal und IT. Berufsbegleitend belegte die Nachfolgerin am Institut für Kunststofftechnik das Modul Kunststofftechnik im Masterstudiengang Verfahrenstechnik, denn „schließlich muss ich mit unseren Kunden auf Augenhöhe sprechen und ihre Fragen beantworten können“.

Chance und Ehre

Johannes Grupp ist glücklich mit der Entscheidung seiner Kinder. „Hätten beide den Wunsch verspürt, in die Firma einzutreten, wäre es mit Sicherheit schwieriger geworden. Das Familienunternehmen ist zu klein für drei Geschäftsführer“, sagt er. Die Tochter wusste, dass es sowohl seitens des Vaters als auch der Mitarbeiter eine Erwartungshaltung gab. „Natürlich machte ich mir Gedanken darüber, wie ich in einer technischen Branche wie der unseren bestehen konnte, was die Mitarbeiter sagen würden, die mich teilweise schon als Kind kannten, und wie das zwischen meinem Vater und mir funktionieren würde“, erzählt sie und betont: „Aber in erster Linie betrachtete ich das Angebot als Ehre und als Chance, die ich ergreifen wollte.“ Der Vater fügt hinzu: „Wenn sich jemand nicht berufen fühlt, hat es keinen Sinn, dass er die Nachfolge antritt. Und wenn sich Eltern und Kind nicht verstehen, sich nicht einig sind, ist das schlecht für das Unternehmen und die Mitarbeiter.“

Isabel und Johannes Grupp haben zu einem guten Miteinander gefunden. Er bringt die Erfahrung mit, sie setzt neue Impulse und treibt die Digitalisierung. „Manchmal knallt es. Das ist normal mit zwei Alphatierchen an einem Tisch“, sagt Isabel augenzwinkernd. „Aber wir gehen aufeinander zu und beharren nicht auf unserer jeweiligen Meinung. Ich bringe meinem Vater ein Urvertrauen entgegen. Wir haben dieselben Werte, zu denen Ehrlichkeit und Verlässlichkeit gehören. Es gibt kein Misstrauen zwischen uns.“ Johannes Grupp stimmt zu: „Wir haben Glück, dass wir eigentlich gleich denken. Manchmal bremse ich oder lege mein Veto ein, aber prinzipiell müssen die Jungen entscheiden und auch Fehler machen dürfen. Sie müssen die Zukunft bestreiten.“ Er habe allzu oft gesehen, dass die Nachfolge schiefgehe: „Da stellt der Senior im Januar den Nachfolger vor und im September ist er wieder weg. Man muss jungen Menschen Freiheit zugestehen, sie entscheiden lassen. Nur dann können sie sich entfalten.“

Ohne Vertrag und Moderator

Isabel und Johannes Grupp haben die Nachfolge ohne einen Berater oder externen Moderator geschafft. Weder gibt es einen schriftlichen Vertrag noch eine Vereinbarung über den Zeitpunkt für den Rückzug des 65-Jährigen. Isabel lacht und schaut ihren Vater an: „Ich verhalte mich so, als ob mir das alles gehört. Ich würde es spüren, wenn mein Vater mit einem Thema oder einer meiner Entscheidungen Probleme hat und würde dann mit ihm darüber sprechen. Offene Kommunikation ist für uns wichtig und wir leben sie täglich.“ Er verstehe zum Beispiel nichts von Social Media, gibt der Unternehmer zu. Die Themen Social Media und Digitalisierung würden unter anderem von Isabel getrieben, aber er sei sich bewusst, dass sie damit den Erwartungen von Kunden und Lieferanten entspreche, bei denen ebenfalls zunehmend junge Leute die Ansprechpartner seien. „Ohne Isabels Aktivitäten würden wir uns auch viel schwerer tun, Mitarbeiter zu gewinnen“, sagt Johannes Grupp. „Wir müssen agil sein, Veränderung leben und uns überlegen, wie wir künftig führen wollen. Image und Außenbild müssen stimmen“, ergänzt die 33-Jährige. „Das Unternehmen soll gesund wachsen und wir wollen gemeinsam nachhaltig gesunde Arbeitsplätze sichern. Das können wir nur, wenn wir und die Mitarbeiter mit dem Herzen dabei sind. Wenn jemand etwas kann und es gerne tut, macht er es auch mit Leidenschaft.“

Das Unternehmen

Die Plastro Mayer GmbH wurde 1957 von Dr. Franz Grupp als Tochtergesellschaft der Firma Trigema gegründet. Seit 1976 ist Plastro Mayer ein unabhängiges Unternehmen. Im Oktober 1979 trat Johannes Grupp als geschäftsführender Gesellschafter in das Familienunternehmen ein, das er 1986 vollständig übernahm. Das global agierende Unternehmen bezeichnet sich als „Kunststoff-Allrounder“. In den vier Bereichen Spritzguss, Baugruppen und Komplettmontage, Konstruktion und Werkzeugbau sowie Kabel, Stecker, Steckdosen und Tüllen sind insgesamt 250 Mitarbeiter beschäftigt. Kunden kommen aus unterschiedlichen Branchen, unter anderem aus der Haushaltswaren- und Elektroindustrie, der Filter- und Wassertechnik, dem Medizinbereich, der Möbelproduktion, Spielwaren und Leuchten. Das Unternehmen wurde von seinen Kunden mehrfach für Qualität, Liefertreue und partnerschaftliche Zusammenarbeit ausgezeichnet. „Plastro Mayer geht konsequent den Weg des Technologiefortschritts. Regelmäßige Schulungen und Weiterbildungen, unsere betriebseigene Ausbildung und die Zertifizierung nach DIN ISO 9001:2015 gewährleisten zukunftsorientiertes Arbeiten auf höchstem Niveau“, sagt der geschäftsführende Gesellschafter Johannes Grupp.

www.plastromayer.de

Tipp: Im Blickpunkt der Dezember-Ausgabe 2019 des Magazins DIE NEWS dreht sich alles um das Thema Nachfolge.

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