Portraits
20. Februar 2020

Nachfolge: „Wir ergänzen uns perfekt“

Seit 2013 führt Jochen Dümmel die Paul Dümmel Werkzeugfabrik GmbH in Hülben gemeinsam mit seinem 66-jährigen Vater Karl-Heinz. Der Sohn freut sich darüber, dass der Vater mit ihm gemeinsam die Geschäfte führt und hofft, dass es noch lange so bleibt.

„Mein Vater und ich ergänzen uns perfekt. Ich hoffe, er bleibt noch recht lange im Unternehmen“, sagt Jochen Dümmel. Die beiden haben unterschiedliche Verantwortungsbereiche, jeder nach seinen Fähigkeiten. „Mein Vater kommt aus der Technik. Er verantwortet in erster Linie Technik und Produktion. Er ist ein Pionier der Automatisierung. Wir haben bereits in den 80er-Jahren vollautomatisch gearbeitet. Heute laufen unsere Maschinen 24 Stunden an 365 Tagen im Jahr komplett mannlos. Ich kümmere mich um Marketing und Vertrieb, Produktentwicklung, um unsere Online-Aktivitäten, Digitalisierung und Personalentwicklung. Für Finanzen und Controlling ist meine Mutter zuständig, die seit fast 30 Jahren im Unternehmen mitarbeitet.“

Starkes Wachstum fordert Mitarbeiter

Für den Bereich Personal wende er viel Zeit auf, betont der 38-Jährige: „Wir sind seit ich 2007 ins Unternehmen kam stark gewachsen. In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Mitarbeiterzahl von 30 auf 90 verdreifacht. Die Unternehmensstruktur passte nicht mehr und auch die Mentalität, die Kultur entwickelten sich weiter. Wir haben eine zweite Führungsebene eingezogen und neue Verantwortlichkeiten geschaffen. Die Mitarbeiter und Führungskräfte mussten lernen, selbstständig zu entscheiden. Als wir noch kleiner waren, stand mein Vater an der Spitze und jeder arbeitete ihm zu. Jetzt müssen die Mitarbeiter selbst Verantwortung übernehmen, mutiger und offener handeln.“ In diesem Veränderungsprozess müsse man sie begleiten. Darüber hinaus brauche das Unternehmen menschlich und fachlich sehr gute Mitarbeiter. Sie zu gewinnen und zu binden, sei eine herausfordernde Aufgabe.

Schon im Kinderwagen dabei

Fragt man den Juniorchef, seit wann er im Unternehmen ist, schmunzelt er: „Eigentlich war ich schon im Kinderwagen dabei.“ Später habe ich in den Ferien im Unternehmen gejobbt.“ Richtig in die Firma eingetreten sei er 2007 mit 26 Jahren, ein Jahr später sei er Mitglied der Geschäftsleitung geworden. Das Maschinenbau-Studium hat Dümmel teilweise in den USA absolviert. Danach hat er zwei Jahre lang erste Berufserfahrung in anderen Unternehmen in Deutschland und Israel gesammelt. „Noch während des Studiums waren meine Zukunftspläne relativ offen“, erinnert sich Dümmel. „Die Nachfolge war eine Option, eine Perspektive für mich selbst und das Unternehmen. Unter Druck gesetzt wurde ich von meinen Eltern nie. Ich konnte frei entscheiden.“ Den Ausschlag habe letztlich gegeben, „dass es mir schwerfällt, Dinge zu tun, die mir andere auftragen“. Er genieße und schätze vor allem die Gestaltungsmöglichkeiten, die ihm das Unternehmertum biete, aber auch die kleinen Freiheiten. „Unsere Familie hat zum Beispiel schon immer direkt neben der Firma gewohnt. Ich setze diese Tradition fort. Das gibt mir die Möglichkeit, zwischendurch eine Auszeit zu nehmen, mich meiner Familie zu widmen und trotzdem verfügbar zu sein.“

Familienverfassungen können hindern

Im Hause Dümmel ging der Nachfolgeprozess reibungslos und ohne Vertrag über die Bühne. Auch eine Familienverfassung oder einen anderen schriftlich niedergelegten Kodex gibt es nicht. „Familienverfassungen können auch hinderlich sein. Wenn sie nicht gepflegt werden, kann es sein, dass sie nicht mehr in die Zeit passen“, sagt Dümmel. „Wir haben den Prozess so gestaltet, dass er für uns und das Unternehmen passte. Vielleicht kam uns dabei zugute, dass unsere Familie das nicht zum ersten Mal tut. Ich bin bereits die vierte Generation. Und sicher war es auch angenehm, dass meine Schwester kein Interesse an der Nachfolge hatte. Sie arbeitet zwar ebenfalls im Unternehmen, möchte aber nicht in die Geschäftsleitung.“ Streit zwischen ihm und seinem Vater habe es nie gegeben. „Er hat mir Freiraum gelassen. Natürlich habe ich einige Entscheidungen getroffen, die nicht zielführend waren, aber ich habe daraus gelernt.“ Dümmel empfiehlt den Übergebenden in Familienunternehmen, keinen Druck aufzubauen: „Meine Eltern haben mir den Freiraum der Entscheidung gegeben. Ich empfand es für mich als sehr angenehm, dass ich die Verantwortung ohne Druck annehmen konnte.“ -ap

Das Unternehmen

Die Paul Dümmel Werkzeugfabrik GmbH wurde 1928 von Paul Dümmel als „Mechanische Werkstätte“ für mechanische und elektrische Reparaturen aller Art gegründet. Auch Fahrräder und Motorräder wurden verkauft. Das Firmenmuseum zeigt, dass das Unternehmen schon immer flexibel auf die Erfordernisse seiner Kunden reagierte und seiner Zeit mitunter weit voraus war. 1951 wurde die erste Windkraftturbine zum Patent angemeldet. Sie ermöglichte dem Unternehmen bereits damals die effiziente Umwandlung der Windenergie in elektrischen Strom zur Herstellung der ersten Lötwerkzeuge. Ab 1949 entwickelte sich der Betrieb von der mechanischen Werkstätte zur Werkzeugfabrik und meldete weitere Patente an, unter anderem eine Pendelschleifmaschine, die die Oszillationsbewegung beim Schleifen automatisierte. Dann begann die Ära der Hartmetallwerkzeuge. Seit Ende der 1970er-Jahre werden Zerspanungswerkzeuge mit austauschbaren Wendeschneidplatten hergestellt. Heute ist das Unternehmen auf den Miniaturbereich spezialisiert. „Vereinfacht ausgedrückt, stellen wir Werkzeuge zur Miniaturbearbeitung aus Metall her, zum Beispiel für die Medizintechnik und die Elektronikindustrie. Ein Bereich, in dem unsere Werkzeuge zum Einsatz kommen, ist beispielsweise die Herstellung von Smartphones. Dort werden Bohrungen von unter 0,2 Millimetern gebraucht“, sagt Geschäftsführer Jochen Dümmel. „Unsere Kunden verlangen höchste Qualität und Präzision. Unser Anspruch ist es, im Kleinen die Größten zu sein.“ Das Unternehmen von der Schwäbischen Alb vertreibt seine Produkte über 80 Vertretungsfirmen in über 40 Ländern. Die Exportquote liegt bei mehr als 50 Prozent. Für die Zukunft wünscht sich die Unternehmerfamilie nachhaltiges Wachstum: „Wir geben keine Parolen für 15-prozentiges Wachstum aus. Wir können uns auch über fünf Prozent freuen“, betont Jochen Dümmel. „Wachstum muss nachhaltig sein, es muss zum Unternehmen passen, Strukturen, Gebäude und Mitarbeiter müssen sich entsprechend entwickeln können. Unsere oberste Priorität ist höchste Qualität.“

www.duemmel.de

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