Portraits
6. April 2020

Geglückte Nachfolge im Hotel-Restaurant Schwanen

Das Hotel-Restaurant Schwanen ist eine gefragte Adresse in Metzingen. Anfang des Jahres hat mit Tim Wetzel die dritte Generation die Leitung des Familienunternehmens übernommen. Im Interview spricht er darüber, wie die Nachfolge abgelaufen ist.

Inwieweit gab es eine gewisse Erwartungshaltung Ihrer Eltern an Sie und Ihre Schwester, irgendwann einmal das Hotel-Restaurant zu übernehmen?

Tim Wetzel: Die gab es zu keinem Zeitpunkt. Meine Eltern wollten immer, dass wir uns mit dem, was wir tun, wohlfühlen und uns selbst verwirklichen können, egal ob im oder außerhalb des elterlichen Betriebs.

Wie kam es denn dazu, dass Sie sich für die Nachfolge entschieden haben?

Es hat sich einfach so ergeben. Im Alter von 15, 16 Jahren habe ich eine Ausbildung zum Hotelfachmann am Bayerischen Hof in München begonnen. Vielleicht war da ein Stück weit jugendliche Faulheit mit im Spiel (lacht), weil für mich gar kein anderer Beruf in Frage kam. Jedenfalls machte mir die Ausbildung sehr viel Spaß. Es folgte ein Hotelmanagement-Studium an der Hotelschule César Ritz in der Schweiz, anschließend ging es unter anderem zum Mandarin Oriental. Ich arbeitete dort in deren Hotels in München und in Kuala Lumpur. Eine mögliche Nachfolge war da immer noch kein Thema, wollte ich doch mehr in die weite Welt hinaus. Nach diversen Auslandsaufenthalten war ich allerdings des ständigen Reisens müde, hatte das Leben aus dem Koffer heraus satt – es zog mich dann doch wieder in die Heimat zurück. Das war 2008, ein Jahr, in dem viel passiert ist. Da gab es auf der einen Seite die große Wirtschaftskrise, auf der anderen Seite planten meine Eltern vor Ort einige neue Projekte. Meinen ersten Job hatte ich an der Rezeption und mit der Zeit orientierte ich mich mehr und mehr in Richtung Geschäftsleitung. Schließlich folgten erste Gespräche mit meinen Eltern.

Wie lief der Nachfolgeprozess ab?

2013 bin ich als Juniorchef in die Geschäftsleitung mit eingestiegen. Der Zeitpunkt war optimal gewählt, denn ein Jahr zuvor gab es bei uns einen Wechsel des Steuerberaters. Dieser warf viele Fragen zum Gesellschafterkreis, zur Zukunft und der strategischen Ausrichtung unseres Unternehmens auf. Da war die zügige Nachfolge ein logischer und konsequenter Schritt. Seit Anfang 2020 bin ich alleiniger Geschäftsführer.

Gab es Ihrerseits Bedenken und Ängste hinsichtlich der Nachfolge?

Sagen wir es so: Es gab einige schlaflose Nächte, denn gerade das Hotellerie- und Restaurant-Gewerbe ist als Selbstständiger ein mitunter sehr nervenaufreibendes Metier – aber auch ein spannendes, gerade in Metzingen.

Was ist mit Ihrer Schwester und Ihrer Mutter?

Meine Schwester Anja ist seit 2012 im Unternehmen angestellt. Sie verantwortet den Bereich Marketing und ist für den kompletten Catering- und Eventbereich außer Haus zuständig. Als Quereinsteigerin hat sie einen ganz anderen Blick auf unser Haus und sehr viele Dinge bewegt. Sie ist mir ein sehr wichtiger Partner, auf dessen Rat ich nicht verzichten möchte. Meine Mutter arbeitet nach wie vor im Restaurant und kümmert sich gemeinsam mit mir um fast alles im Hotel, darunter das Personalwesen, den Einkauf, die Mitarbeiterplanung, die Gästebetreuung, aber auch die Speisekarten und die Bankettabsprachen. Sie war immer die interne Geschäftsleitung und Gastgeberin, während mein Vater sich um das „große Ganze“ kümmerte.

Was hätte rückblickend im Nachfolgeprozess besser laufen können?

Eigentlich nur eine Sache: Der Fahrplan hätte detaillierter ausgearbeitet werden müssen. Wir hatten es leider versäumt, genau festzuhalten, wer zu welchem Zeitpunkt welche Aufgaben abgibt beziehungsweise übernimmt.

Was lief besonders gut?

Die Zusammenarbeit mit meinen Eltern und meiner Schwester. Wir alle haben verschiedene Stärken, die sich hervorragend ergänzen. Zudem wurde mir genügend Raum und Zeit gegeben, um in meine Aufgaben hineinzuwachsen. Gleichzeitig war und ist es eine tolle Erfahrung, was man als Familie alles erreichen kann, wenn alle an einem Strang ziehen und ein gemeinsames Ziel haben.

Wie hat sich das Unternehmen seit Ihrem Eintritt verändert?

Ich gehe mit alldem, was meine Eltern in ihrem unternehmerischen Dasein auf die Beine gestellt haben, konform. Sie haben aus einem kleinen Gasthaus heraus, ein tolles Unternehmen geschaffen, die richtigen Entscheidungen zur richtigen Zeit getroffen – etwa den Aufkauf von Nachbargrundstücken und deren Bebauung. Natürlich haben wir digital einiges bewegt, zum Beispiel unser WLAN auf Vordermann gebracht oder das Online-Buchungs- und -Bezahlsystem neu aufgesetzt. Zudem wurde unser Logo zusammen mit einer Agentur überarbeitet. Letztlich geht es mir aber wie meinen Eltern darum, dass wir authentisch bleiben, in dem was wir tun. Wir wollen als das gute Gasthaus wahrgenommen werden – für Gäste und unsere Mitarbeiter.

Was planen Sie für die Zukunft?

Ich möchte jedenfalls nicht der Verwalter des bisher Erreichten sein, sondern weiterhin Dinge anstoßen, die das Unternehmen voranbringen Meine Aufgabe sehe ich darin, das Unternehmen im Innern wachsen zu lassen. Dazu zählen die Optimierung von Prozessen und neue Ansätze in der Mitarbeiterführung. Unsere Mitarbeiter sollen sich wohlfühlen, aber gleichzeitig Höchstleistungen bringen und effizient arbeiten. So gibt es bei uns einerseits Mitarbeitertrainings, ein Drehbuch für den Restaurant- und den Rezeptionsbereich sowie tägliche Powerbriefings. Andererseits stellen wir jedem unserer Beschäftigten ein Gesundheitsbudget in einer Höhe von 300 bis 1.200 Euro im Jahr für Leistungen zur Verfügung, die von der gesetzlichen Krankenkasse nicht abgedeckt sind. -hf

www.hotel-schwanen-metzingen.de