Rezensionen
21. April 2015

Brückenschläge

FDP-Urgestein Hans-Dietrich Genscher und Christian Lindner haben mit „Brückenschläge – zwei Generationen, eine Leidenschaft“ ein gemeinsames Buch herausgebracht. Es erinnert an das Buch „Zug um Zug“ von 2011, das gemeinsame Werk von Altkanzler Helmut Schmidt und dem jetzigen SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück. Beide Bücher haben die gleiche Stoßrichtung: Zwei in der Öffentlichkeit hoch angesehene politische Persönlichkeiten verleihen ihren Lieblingsschülern den Ritterschlag. Im Fall der SPD hat das wunderbar funktioniert. Genscher macht klar, dass er in Lindner den künftigen FDP-Spitzenmann sieht. Eine recht eindeutige Botschaft findet sich auf der letzten Seite des Gesprächsbandes, auf der Lindner sagt: „Unsere Partei sollte Brücken bauen, statt Gräben zu festigen.“ Worauf Genscher erwidert: „Ja, schlagen Sie Brücken, Herr Lindner. Sie können das.“
Eine weitere Personaldiskussion wollen beide aber tunlichst vermeiden, und beteuern schon recht früh im Buch, dass sie die aktuelle Führungsrolle von dem FDP-Vorsitzenden Philipp Röseler und FDP-Spitzenkandidat Rainer Brüderle nicht in Frage stellen wollen. Sie sehen das Werk mehr als Anregung zur Diskussion. Aber zurück zum Anfang: Im ersten Teil des Gesprächsbandes geht es um die Biografien der beiden Politiker. Sehr bewegend schildert Genscher seine Zeit als Flakhelfer im Zweiten Weltkrieg. Der Leser erfährt, wie sich die liberale Idee in Genscher aufkeimte und sich immer stärker festigte. Lindner übernimmt hier häufig die Rolle des Zusammenfassers und des aufmerksamen Zuhörers. In den anderen Teilen sprechen sie über Europa und seine Krise, die Finanzmärkte, Bildung, die neuen Medien, aber natürlich auch über die eigene Partei.
Auch wenn das Werk von Genscher und Lindner etwas mehr von einem Streitgespräch haben und sich noch stärker mit der Zukunft des politischen Liberalismus auseinandersetzen könnte, ist es absolut empfehlenswert zu lesen.