Rezensionen
24. April 2015

Lost Brands

Die Baumarktkette Praktiker ist ein Fall für den Insolvenzverwalter. Das Traditionsunternehmen Loewe kämpft ebenfalls ums Überleben. Ausgang ungewiss. Ein „Billigheimer“ der eine, ein Hersteller von teuren „High-end-Geräten“ der andere. Beide Konzepte sind nicht aufgegangen. Und so drohen schon bald zwei weitere bekannte Marken zu verschwinden.

In Österreich sieht die Lage noch bedrohlicher aus: Die Insolvenz des Salzburger Baukonzerns Alpine könnte zusätzlich Dutzende von kleinen und mittelständischen Unternehmen in den Abgrund reißen. Im ersten Halbjahr sorgte ferner unter anderem die Pleite der Elektronikkette Niedermeyer für Aufsehen. Auch für große Marken, die mitunter synonym stehen für eine ganze Branche, gilt nicht die Devise „Too big to fail“. Immer wieder brachen in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten einstmals erfolgreiche Traditionsunternehmen zusammen. Ihre Marken verschwanden vom Markt, sind nurmehr ein Stück Wirtschaftsgeschichte: Saba, Borgward, Horten, Bankhaus Herstatt, Philipp Holzmann – sie alle ruhen in Frieden auf dem deutschen Markenfriedhof. Aber auch internationale Brands verabschiedeten sich mit spektakulären Pleiten. PanAm zum Beispiel, oder auch Commodore Computer.

Vielfach verknüpfen sich mit diesen Marken sehr persönliche Erinnerungen. Wer hat – lange vor dem Siegeszug des Internets – nicht gern im Quelle- oder Neckermann-Katalog gestöbert? Für viele war das Kreidler-Moped der erste fahrbare Untersatz. Ein Fernseher von Saba war der ganze Stolz unserer Eltern. Erst recht ein Borgward in der Garage. Die Wirtschaftsjournalisten Michael Brückner und Andrea Przyklenk erzählen in ihrem neuesten Buch „Lost Brands“ den Aufstieg und Niedergang starker Marken. In anschaulichen Reportagen, denen sich jeweils entsprechende Analysen anschließen, gehen sie der Frage nach, weshalb „Too big to fail“ nicht einmal für Traditionsmarken gilt. Aber sie liefern auch Beispiele für die erfolgreiche Rettung von Marken – zum Beispiel die vielbeachtete Renaissance des Uhrenherstellers Junghans. Beispiele für erfolgreiche oder gescheiterte Neustarts liefert schließlich das Kapitel „Brands Revived“.

Fazit: Ein aufschlussreicher und anregender Lesestoff für alle, die sich für Marken und Wirtschaftshistorie interessieren.

Lost Brands, Springer Gabler Verlag, ISBN 978-3-8349-6984-2, € 39,99, bereits als E-Book erhältlich, ab 31. August im Buchhandel.