Rezensionen
7. März 2016

Querdenken im Marketing

Mit seinem Buch „Querdenken im Marketing“, das soeben in zweiter, überarbeiteter Auflage erschienen ist, möchte der Autor Gerd-Inno Spindler Unternehmen dazu anregen, die Regeln im Markt durch Querdenken zu ihrem Vorteil zu verändern. Er erklärt, warum Querdenken wichtig ist und wie es geht. An zahlreichen Beispielen wie Dell, Europa Park, Jägermeister, Red Bull, Ryanair, oder Weber Grill zeigt der Autor, wie man mit Querdenken weiter kommt als die anderen. Der Buchtitel ist jedoch fast zu kurz gesprungen, denn eigentlich geht, was Spindler schreibt, weit über den Marketingansatz hinaus. Er leitet den Leser zu einer Denk- und Kulturveränderung im Unternehmen an.

Permanente Optimierung behindert Zukunftsplanung

Der Autor geht davon aus, dass es nicht damit getan ist, sich in einen permanenten Optimierungswettlauf mit dem Wettbewerb zu begeben. Deutlich effektiver ist es nach seiner Meinung, sich als Spielmacher im Markt zu bewegen und auch dem Wettbewerb als Spielmacher gegenüberzutreten. „Der Markt soll nach Ihren Regeln spielen und nicht Sie nach den Regeln der anderen“, schreibt er. Es sei nicht zukunftsweisend, permanent um den günstigsten Preis des Produkts zu kämpfen, anstatt innovative Maßnahmen und Produkte im Markt zu platzieren und sich kreativ mit dem Kunden zu beschäftigen. Als Alternative empfiehlt er, im Unternehmen eine Kultur des Querdenkens zu entwickeln.

Spindler bleibt keineswegs bei der Theorie stehen, sondern schöpft aus seiner jahrelangen Erfahrung in leitenden Positionen in Marketing und Vertrieb und als Geschäftsführer. Er stellt detailliert eine Vorgehensweise vor, mit der Querdenken im Unternehmen etabliert werden kann. „Querdenken löst sich von bisherigen Denkprozessen und Denkmodellen im Unternehmen und blendet die vermeintlichen Branchengesetze aus“, schreibt er. „Quasi auf der grünen Wiese beginnen die Überlegungen zur Gestaltung eines Prozesses oder zur Lösung eines Problems ganz neu. Querdenker lösen sich von der alleinigen Orientierung an den Marktgesetzen und respektieren diese nicht blind.“

Was würde Apple tun?

Spindler ist überzeugt, dass in vielen Mitarbeitern ein Querdenker steckt. Doch bei den meisten würde nach einiger Zeit im Unternehmen die Kreativität, das Denken über Grenzen hinweg, von der alltäglichen Routine aufgefressen. „Die immer gleichen Abläufe, zahllose Meetings und Termine verschütten die geistigen Freiräume“, sagt er. „Schulungen können dabei helfen, dies zu verhindern. Man muss die Mitarbeiter dabei unterstützen, die Dinge zu hinterfragen, Grenzen nicht zu akzeptieren, sondern immer wieder hochzuhüpfen und über den Zaun zu schauen, Spielmacher zu sein und selbst die Regeln aufzustellen.“

Erste Schritte zu machen sei sowohl für Führungskräfte als auch für Mitarbeiter gar nicht so schwierig. Es müsse sich jeder nur einmal fragen: „Was würde mein Nachfolger tun, wenn er auf meinem Stuhl säße?“ oder: „Wie würde Apple dieses Problem lösen?“ Am wichtigsten sei es, wenn man mit Querdenken beginnen wolle, Ideen nicht kaputt zu reden. „Es gibt keine dummen Ideen“, sagt Spindler.

Die Redaktion meint: Ein Muss für jeden, der sich mit der Zukunft seines Unternehmens befassen möchte. Keine graue Theorie, sondern aus der Praxis heraus geschrieben mit konkreten Handlungsanleitungen. (-ap)

Querdenken im Marketing, Springer-Verlag, ISBN 978-3-658-08441-7, € 34,99, auch als E-Book erhältlich.

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